Signale senden mit Geschichten: Warum Geschichten nach innen wirken und nach außen strahlen

Kennen Sie das auch? Ich werde immer wieder Zeuge von Gesprächen, die Mitarbeiter untereinander führen. Leider. Denn selten wird in diesen Unterhaltungen aufgeregt eine neue Idee oder etwas Positives ausgetauscht. Können Geschichten das ändern?

Warum frustriert so viele Menschen ihre Arbeit? Weshalb fiebern sie bereits am Montag dem Wochenende entgegen? Sind sie so wenig von dem überzeugt, was sie tun? Sie sind keine »unstrebsamen« Menschen - sie sehen nur einfach keine Vision in ihrer Arbeit. So kommen sie auch nie in den Flow. Den Bewusstseinszustand, in dem Fühlen, Denken und Tun ineinanderfließen und Bedenken, Sorgen, Ängste des alltäglichen Bewusstseins verschwinden. Indem sich das Leistungsniveau um ein Vielfaches erhöht, gleichzeitig jedoch alle Anstrengung mühelos erscheint. Spitzensportler beschreiben dieses Phänomen immer wieder nach herausragenden Leistungen. Der Begriff Flow geht auf den in den USA lehrenden Ungarn Mihaly Csikszentmihalyi zurück. Er erkannte und erforschte ihn. (Mehr dazu in einer eigenen Bloggeschichte).

Wenn das »Wozu« unbeantwortet ist

Uninspirierte Mitarbeiter arbeiten, um sich ihr Leben und die Freizeit zu finanzieren. Das, was Spaß macht. Doch die meiste Zeit verbringen sie mit etwas, das keinen Spaß macht: Ihre Arbeit. Es hat sie vermutlich nie jemand über den Zweck des Unternehmens informiert. Warum also sollte es sich lohnen, sich dafür einzusetzen?

Haben Sie schon einmal Getreide gemahlen?

Es gibt Gegenbeispiele. Meine Lieblingsberaterin eines Reformhauses kennt sich bei jedem Produkt aus. Sie verwendet alles selbst, informiert sich auf Messen, kennt die Lieferanten. Neulich hat sie mich sogar über die Zeit zwischen der Ernte und Pressung von Kokosöl aufgeklärt und über die daraus resultierenden Qualitätsunterschiede der einzelnen Marken. Weil SIE sich damit identifiziert. Sie weiß, dass ihre Kunden mit besonderen Ansprüchen an die Ernährung zu ihr kommen. Sie kennt ihre Aufgabe: Ihren Kunden eine abwechslungsreiche und uneingeschränkte Lebensform trotz - beispielsweise - Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu ermöglichen. Jedes Mal verlasse ich dieses Geschäft mit dem Gefühl, das Beste für mich zu tun. Wenn ich jedoch an der Brottheke in einem Supermarkt stehe und frage, welche Weckerl laktosefrei sind und mir als Antwort nur ein bissiges »Keines!« entgegengeschleudert wird, wie soll ich dort einkaufen wollen? Dabei mache ich der Brotverkäuferin keinen Vorwurf. Hat sie schon einmal eine Getreidemühle gesehen, kennt sie die unterschiedlichen Getreidesorten? War sie schon einmal in der Backstube? Durfte sie schon einmal eine Semmel formen, einen Sauerteig »füttern«? Weiß sie, was Laktose ist? Worin das vorkommt? Wurde ihr jemals die Geschichte erzählt, warum das Unternehmen gegründet wurde? Von wem? Wofür es steht? Je mehr sie über die Geschichte des Unternehmens und der Produkte  weiß und je öfter und übereinstimmender ihr die Vision erzählt wird, umso mehr kann sie sich damit identifizieren. Es gibt ihr die Chance, inspiriert zu werden. Oder, wenn es gar nicht ihren Überzeugungen entspricht, woanders ihr Glück zu finden. Wenn man überzeugt ist, kann Arbeit anstrengend sein, jedoch nie zu einem geistigen »Brand« führen. Wenn ein Mitarbeiter weiß, wie wichtig seine Aufgabe ist und welches Ziel sein Arbeitgeber verfolgt, ist er glücklicher, ausgeglichener, leistungsstabiler. Er geht mit diesem Gefühl nachhause. Er gibt dieses Gefühl weiter.

Was tragen Sie zum Erscheinungsbild Ihrer Stadt bei?

In meiner Heimatstadt Kufstein gab es einen Straßenkehrer, der seine Arbeit stehts fröhlich erledigte. Er war freundlich, machte seine Arbeit mit einer scheinbaren Leichtigkeit. Dafür erntete er, neben Spaß an der Arbeit, auch respektvolle Grüße und offenes Lächeln von den Passanten. Er wusste einfach, dass seine Aufgabe wichtig war. Denn mit seiner Arbeit trug er enorm zum Erscheinungsbild der Stadt bei. Mit seinem Lächeln gab er Gästen zudem das Gefühl, willkommen zu sein. Wer kann das von uns schon behaupten?

Die gesellschaftliche Vision

Ein Vergleich: Bäckermeister Rudi fordert von seinen Mitarbeitern Höchstleistung. Er kontrolliert seine Lieferanten regelmäßig persönlich. Die Qualität seiner Ware ist ihm ein persönliches Anliegen. Bäckermeister Franz fordert von seinen Mitarbeitern Höchstleistung. Er kontrolliert die Preise seiner Lieferanten regelmäßig persönlich, überprüft täglich die Präsentation der Produkte. Rudi beweist mit jeder Tat, dass er die Gesundheit seiner Kunden fördern will. Franz erzählt mit seinem Handeln, dass er Geld verdienen will. Wobei Geld verdienen durchaus gut ist. Denn Geld hilft uns, unsere Träume und Aufgaben zu verwirklichen. Der Unterschied ist: Das eine ist ein Ziel für die Gemeinschaft, für das Ganze. Damit können sich Mitarbeiter identifizieren, sie können Höchstleistung liefern. Das andere ist das Ego-Ziel eines Einzelnen. Seine Mitarbeiter werden so lange Höchstleistung geben, solange ihr Verdienst passt.

Die ehrliche Geschichte strahlt

Wenn Führungskräfte ihren Mitarbeitern ihre Vision erzählen, können sie inspirieren.  Ihre Überzeugungen, Beweggründe, Leidenschaften erklären, um das Ziel zu erreichen. Ziele, die größer sind als das eigene Ego. Ihre Geschichten sollten erklären, warum Mitarbeiter tun, was sie tun. Wenn wir unsere Vision vermitteln, sind Angestellte bereit, uns zu folgen. Deshalb ist storytelling nicht nur wichtig, um die Kunden zu binden. Mit ehrlichen Geschichten inspirieren wir Mitarbeiter und zeigen ihnen Wertschätzung. Dadurch steigert sich automatisch ihre Leistung, sie werden in ihrer Arbeit glücklicher werden. Wenn sie sich in der Arbeit gut fühlen, engagieren sie sich mehr für das Unternehmen. Sie gehen mit diesem Gefühl nachhause, geben es an ihre Familien weiter. Es entsteht ein anderer Umgang untereinander. Das stärkt das Allgemeinwohl. Und ich bin davon überzeugt, dass ein Weg dahin über Geschichten führt. Und damit stärken wir uns alle.

Wenn Sie Beispiele kennen oder Ihre Gedanken dazu beitragen möchten freue mich mich sehr darüber!

Alles Liebe,

Leuchtturmwärterin Nina

Fotoquelle: Herzlichen Dank @Victor Hanacek Picjumbo - Wheat field in sun close up für das Foto

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Maria Lodjn

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fischundfleisch

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