Ein Mann befindet sich nach mehreren belastenden Lebensereignissen in einer schwierigen Phase. Ein extremes Naturereignis hat sein Wohnumfeld beeinträchtigt, hinzu kommen gesundheitliche Einschränkungen, die er selbst als chronisch und kräftezehrend beschreibt. Sein erklärtes Ziel ist es, für seinen Lebensabend noch einen ruhigen, sicheren Ort zu schaffen, der ihm Stabilität gibt.

Aus diesem Wunsch heraus beginnt er ein Bauvorhaben auf seinem Grundstück. Die Umsetzung erfolgt unter großem persönlichem Druck und in einem „Jetzt-erst-recht“-Modus. Entscheidungen werden rasch getroffen, teils ohne vollständige Klärung der rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen. In der Folge entstehen bauliche Maßnahmen ohne die erforderlichen Genehmigungen. Die zuständige Behörde verhängt einen Baustopp, der das Projekt faktisch einfriert.

Der Mann hat zu diesem Zeitpunkt bereits erhebliche finanzielle Mittel investiert. Gleichzeitig wächst seine Erschöpfung. Er vermeidet den direkten Kontakt mit der Behörde und sucht stattdessen nach Personen, die ihm helfen könnten, die Situation „noch irgendwie zu retten“. Dabei richtet sich sein Vertrauen zunehmend auf einen fachkundigen Berater, den er als verständnisvoll, klar und unterstützend erlebt.

Der Berater analysiert die Situation sorgfältig und legt dar, welche Schritte für eine rechtlich und technisch korrekte Weiterführung notwendig wären. Er erklärt auch, dass eine bloß formale Lösung ohne Bereinigung des Bestands erhebliche Risiken birgt. Der Mann zeigt Verständnis für diese Einschätzung, äußert jedoch gleichzeitig große emotionale Erschöpfung und die Angst, an der Situation zu zerbrechen.

In seinen Nachrichten mischen sich Dankbarkeit, Hoffnung und Verzweiflung. Er spricht offen über seine Krankheit, über das Gefühl, keine Kraft mehr für weitere Auseinandersetzungen zu haben, und über den Wunsch, endlich Ruhe zu finden. Gleichzeitig hält er an Lösungen fest, die objektiv schwer mit seinen gesundheitlichen Einschränkungen und seinem erklärten Ziel vereinbar erscheinen. Er vermeidet weiterhin den Weg über die Behörde und sucht stattdessen nach einer Person, die „nur noch die formale Einreichung“ übernehmen könnte.

Für den Berater entsteht dadurch ein innerer Konflikt. Einerseits empfindet er Mitgefühl und Respekt für die Lebenssituation des Mannes. Andererseits erkennt er deutlich, dass von ihm – unausgesprochen – eine Handlung erwartet werden könnte, die fachlich nicht vertretbar wäre und ihn selbst in eine rechtlich und beruflich problematische Rolle bringen würde.

Der Berater entscheidet sich bewusst, diese Grenze nicht zu überschreiten. Er bietet weiterhin Beratung, Einordnung und menschliche Unterstützung an, lehnt jedoch jede formale Übernahme von Verantwortung ab. Für ihn wird klar, dass Mitgefühl nicht bedeuten darf, professionelle Grundsätze aufzugeben – und dass das Aushalten dieser Grenze Teil verantwortungsvollen Handelns ist, auch wenn es emotional schwerfällt.

Diese Haltung ist nicht von Distanz oder Gleichgültigkeit getragen, sondern von professioneller Integrität. Verantwortung bedeutet, Grenzen zu setzen – insbesondere dort, wo ein Überschreiten dieser Grenzen langfristig Schaden verursachen würde, sowohl für die eigene berufliche Rolle als auch für die betroffene Person selbst.

Unterstützung besteht nicht immer darin, das scheinbar Einfachste oder Entlastendste zu tun. In manchen Situationen liegt wahre Hilfe vielmehr darin, das fachlich Richtige zu vertreten, Risiken klar zu benennen und die eigene Verantwortung nicht zu relativieren.

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trognon de pomme

trognon de pomme bewertete diesen Eintrag 13.02.2026 13:44:54

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