Je mehr ich darüber lese, umso mehr ballt sich die Faust in meiner Hosentasche.
Die AfD inszeniert sich gern als moralische Instanz, als letzte Bastion der „deutschen Werte“ – doch hinter der Fassade der Tugendhaftigkeit offenbart sich ein System der Günstlingswirtschaft, das selbst die dreistesten Seilschaften der alten Parteien in den Schatten stellt. Während die Partei gegen „Elitenfilz“ und „Korruption“ wettert, hat sie längst ein eigenes, perfides Versorgungssystem etabliert: die „Überkreuz-Anstellung“.
In Baden-Württemberg wie in Sachsen-Anhalt wird nun enthüllt, wie Spitzenpolitiker wie Markus Frohnmaier ihre Familienmitglieder und Vertrauten bei anderen Abgeordneten unterbringen – ein Netzwerk der Selbstbedienung, das mit Steuergeldern finanziert wird und jeden Anstand mit Füßen tritt.
Besonders widerlich ist die Verlogenheit, mit der die AfD diese Praktiken verteidigt. Frohnmaier, der sich als Kämpfer gegen „Systemversagen“ aufspielt, lässt seine eigene Frau bei einem Parteikollegen anstellen – und nennt das „normal“. Doch was hier „normal“ ist, ist in Wahrheit ein kriminelles Energiebündel: In Sachsen-Anhalt kassiert der Vater eines AfD-Politikers fast 90.000 Euro im Jahr von einem anderen Abgeordneten, während die Partei gleichzeitig gegen „Geldverschwendung“ und „Privilegien“ der Etablierten hetzt. Die AfD, die sich als Retterin der „kleinen Leute“ geriert, hat längst ihre eigenen Trogstellen eingerichtet – bezahlt vom Steuerzahler, versteckt hinter juristischen Schlupflöchern.
Doch es geht nicht nur um Vetternwirtschaft, es geht um System. Die AfD, die sich als Alternative zum „korrupten Establishment“ verkauft, hat längst bewiesen, dass sie dessen Methoden nur perfektioniert: Intransparenz, Selbstbereicherung, Missachtung demokratischer Spielregeln. Während die Partei gegen „Lügenpresse“ und „Systemmedien“ schimpft, wird sie selbst von Enthüllungen über Enthüllungen eingeholt – und reagiert mit dreister Dreistigkeit: Leugnen, Verharmlosen, Umdeuten. Die moralische Verkommenheit dieser Partei zeigt sich nicht nur in ihren Personalpraktiken, sondern in der schamlosen Art, mit der sie ihre eigenen Skandale als „Verfolgung“ umdeutet.
Die AfD ist kein Opfer – sie ist Täterin. Eine Partei, die mit zweierlei Maß misst: strenge Moral für andere, schrankenlose Bereicherung für sich selbst. Wer heute noch behauptet, die AfD stehe für „Sauberkeit“ oder „Gerechtigkeit“, der ist entweder blind oder Mittäter. Die Überkreuz-Affäre ist kein Betriebsunfall, sie ist Programm: eine Partei, die das System, das sie bekämpft, längst selbst geworden ist – nur noch dreister, noch skrupelloser. Die Frage ist nicht, ob die AfD lügt. Die Frage ist, warum irgendjemand ihr noch glaubt.