Der Sieg meines Landsmannes Abdul El-Sayed bei den Wahlen in Michigan markiert einen historischen Meilenstein: Als erster muslimischer US-Senator zieht er in den Kongress ein. Schon im Wahlkampf hatte er sich scharf mit Vizepräsident JD Vance angelegt, der ihn unter anderem attackierte und versuchte, ihn politisch und über seine Religion unter Druck zu setzen. In seiner Siegesrede adressierte El-Sayed diesen Konflikt mit ironischer Schärfe und kündigte Vance an, dass dieser eine ganz besondere Pflicht habe: „Habibi, there is this delicious irony in the fact that you're constitutionally obligated to swear me in, in January.“ Vance wird ihn also eigenhändig im Amt vereidigen müssen.
In diesem Zusammenhang stellt sich für viele Beobachter die Frage, ob El-Sayed bei seiner Vereidigung oder Amtshandlungen eine bestimmte Gottesformel nutzen wird und inwiefern diese an den Islam angepasst sein wird – analog zu traditionellen Eidesleistungen auf religiöse Schriften. Die US-Verfassung verbietet zwar religiöse Tests für Ämter, doch traditionell spiegeln solche Zeremonien den Glauben der Mandatsträger wider.
Langfristig wirft dieser Erfolg eine noch größere Frage auf: Erleben wir gerade das Ende einer Ära? Genau wie die unumstößliche Dominanz der evangelikalen Christen in Teilen der US-Politik längst Brüche zeigt und sich wandelt, verblassen auch die harten ideologischen Dogmen der MAGA-Bewegung. Politische Bewegungen, die auf Ausgrenzung und Angst basieren, sind nicht für die Ewigkeit gemacht. El-Sayeds Erfolg zeigt, dass sich die demografische und gesellschaftliche Realität der Vereinigten Staaten verändert – und dass auch rigide Denkmuster ein Verfallsdatum haben. Die Zeiten, in denen eine bestimmte religiöse oder nationalistische Strömung den alleinigen Anspruch auf das amerikanische Identitätsverständnis erheben konnte, geraten spürbar ins Wanken.