Spahns feuchte Atomträume

Die AfD unterstützt in übrigen seinen Vorschlag. Es sind ja nur ein paar Milliarden Euro, die es kosten würde...🙄

Faktencheck: Die Wiederinbetriebnahme der abgeschalteten Atomkraftwerke (AKW) in Deutschland gilt aus mehreren Gründen als nicht sinnvoll – technisch, rechtlich, wirtschaftlich und organisatorisch.

Die letzten Reaktoren (Isar 2, Neckarwestheim 2 und Emsland) gingen im April 2023 vom Netz, und der Rückbau hat bei vielen Anlagen bereits begonnen.

1. Technische und praktische Hürden: Es ist kein einfaches „Wiederanschalten“ möglich ‼️

Der Rückbau startete unverzüglich nach der Abschaltung. Wesentliche Bauteile wie Hauptkühlmittelpumpen, Dampferzeuger, Frischdampfleitungen oder Teile des Reaktordruckbehälters wurden bereits demontiert oder sind nicht mehr funktionsfähig. Eine Reaktivierung würde einen aufwendigen „Rück-Rückbau“ erfordern, bei dem viele Komponenten neu beschafft und eingebaut werden müssten.

Das hat noch nie ein Land erfolgreich gemacht und wäre extrem aufwendig.

Zusätzlich fehlen:

➡️Frische Brennelemente (Beschaffung dauert 12–24 Monate, teilweise mit Abhängigkeit von Importen, z. B. aus Russland bei der Anreicherung).

➡️Qualifiziertes Personal (viele Fachkräfte sind in Rente gegangen oder haben die Branche gewechselt; ein überalterter Personalstamm und Fachkräftemangel erschweren den Betrieb).

Selbst bei den zuletzt abgeschalteten Anlagen schätzen Experten und Betreiber eine Vorbereitungszeit von mindestens 5–7 Jahren (inklusive Sicherheitsüberprüfungen und Modernisierungen). Bis dahin wäre der Beitrag zur Energieversorgung minimal oder gar nicht vorhanden.

2. Rechtliche und genehmigungsrechtliche Barrieren

Die Betriebserlaubnisse sind mit der Stilllegungsgenehmigung erloschen. Eine bloße Gesetzesänderung reicht nicht aus: Es wären Neugenehmigungen nötig, inklusive umfassender Sicherheitsprüfungen (ähnlich einer Periodischen Sicherheitsüberprüfung, die bei den letzten AKW schon überfällig war), europaweiter Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) und Öffentlichkeitsbeteiligung. Das Atomgesetz müsste grundlegend geändert werden, was juristische und politische Konflikte auslösen würde.

3. Hohe Kosten – mehr Aufwand als Nutzen

Eine Reaktivierung ist nicht kostenneutral:Bereits getätigte Ausgaben für Stilllegung und Rückbau müssten kompensiert oder rückgängig gemacht werden.

Hinzu kämen teure Sicherheitsnachrüstungen, neue Investitionen und zusätzlicher Atommüll.

Schätzungen für die Reaktivierung mehrerer Anlagen liegen bei mehreren Milliarden Euro pro Kraftwerk (teilweise 1–7 Mrd. € oder höher, je nach Rückbaustand). Die Betreiber (EnBW, RWE, Preussenelektra) lehnen das explizit ab, weil es sich nicht rechnet.

Verglichen mit dem Ausbau von Erneuerbaren Energien (Wind, Solar) sind die Stromgestehungskosten für Kernkraft hoch (bis zu 49 ct/kWh bei neuen oder reaktivierten Anlagen, inklusive Folgekosten). Erneuerbare liegen oft bei 4–9 ct/kWh (Onshore-Wind/Solar). Atomstrom wäre langfristig teurer und würde den Strompreis kaum senken.

4. Organisatorische und betriebliche Ablehnung

Die bisherigen Betreiber haben klar abgewunken: Der Rückbau ist für sie „praktisch irreversibel“, und sie sehen keinen wirtschaftlichen Sinn. Ohne ihre Beteiligung müsste der Staat neue Strukturen schaffen – was zusätzliche Risiken und Kosten birgt. Es fehlt an einer klaren Bereitschaft, das Risiko zu tragen.

5. Weitere Aspekte: Atommüll, Sicherheit und Abhängigkeiten

Jede Reaktivierung produziert weiteren radioaktiven Abfall, für den noch kein Endlager steht.

Sicherheitsrisiken steigen bei alternden Anlagen ohne aktuelle Prüfungen.

Uranversorgung bleibt importabhängig (u. a. aus instabilen Regionen oder Russland bei bestimmten Schritten der Brennstoffkette).

Selbst optimistische Schätzungen (z. B. von Dienstleistern) sprechen von Jahren Verzögerung und hohen Kosten – Zeit, in der Erneuerbare weiter ausgebaut werden können (2025/2026 schon über 50–60 % des Strommixes).

Zusammengefasst: Eine Wiederinbetriebnahme wäre technisch extrem aufwendig, rechtlich kompliziert, wirtschaftlich unattraktiv und käme zu spät, um kurzfristig zu helfen. Deutschland hat sich mit hohen Investitionen in Erneuerbare, Netzausbau und Speicher auf einen anderen Pfad festgelegt. Eine Rückkehr würde Ressourcen binden, die besser in den Ausbau flexibler, günstigerer und heimischer Energien fließen könnten. Die Debatte bleibt politisch kontrovers, aber die praktischen Hürden machen sie derzeit wenig sinnvoll.

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