Macht, Geld, Straflosigkeit: Wie Männer Frauen zerstören – und die Gesellschaft wegschaut

Ich geb's zu, ich hab den Glauben an die Menschheit weitgehend verloren. Oder sagen wir konkreter: An den männlichen Teil der Menschheit.

Man dachte ja irgendwie, es liefe ganz gut mit dem Feminismus. Wir kriegen das hin mit dem Patriachat. Hätte man denken können...

Und dann kam Epstein.

Ein ganzes Geflecht aus reichen und mächtigen Männern, die Frauen und junge Mädchen und sogar Kinder kaufen, vergewaltigen, misshandeln und sich an ihnen ausleben. Und das Schlimmste daran: Obwohl es tausende Zeugenaussagen und Millionen Seiten Berichte dazu gibt, es passiert enervierend wenig.

Epstein, das Monster selbst ist tot. Feige in den Selbstmord geflohen, so wie man es von den schlimmsten Verbrechern der NS-Zeit kennt.

Ansonsten? Schweigen im Wald.

Hier ein Skandälchen, da ein paar Stunden Untersuchungshaft. Konsequenzen? Fehlanzeige.

Anderer Fall. Frankreich.

Gisèle Pelicot litt an unerklärlichen Schmerzen, hatte Gedächtnislücken. Kein Arzt konnte sich ihr Leiden erklären. Bis das unfassbare zu Tage kam: Ihr eigener Ehemann hat sie über Jahre heimlich betäubt und anderen Männern (insgesamt rund 50 bekannte Täter) zur Vergewaltigung angeboten.

Ein lukratives Geschäft offenbar.

Sie hat geschafft, was den Epstein-Opfern bislang noch verwehrt blieb: Ihr widerfuhr Gerechtigkeit vor Gericht. Sie hat gewonnen. Ihr Mann, von dem sie sich mittlerweile scheiden ließ, und zahlreiche seiner Komplizen müssen hinter Gitter.

Ein kleiner Lichtblick.

Und dann wird es auch schon wieder zappenduster: Es kochen gerade Kriegsverbrechen aus den 90ern hoch. Aus dem Jugoslawien-Krieg.

Wieder sind es Männer in hohen Positionen, die in Geld schwimmen und die denken, dass sie sich alles erlauben können. Es war anscheinend ein regelrechter Tourismuszweig: Menschen abschlachten wie bei der Großwildjagd.

Sie fuhren nach Sarajewo oder anderen Kriegsschauplätzen, um aus sicherer Entfernung von den Bergen über der Stadt auf Menschen zu schießen. Frauen und Kinder mit Vorliebe, die kosteten extra. Alte waren umsonst.

Das Unfassbare daran: Man weiß das nicht erst seit gestern. Dreißig Jahre lang schon sind diese Verbrechen bekannt. Auch die Namen derer, die sie verübt haben.

Und wieder: Konsequenzen? Kaum.

Vor ein paar Tagen ging Collien Fernandez an die Öffentlichkeit. Man kann sich vorstellen, wie schwer ihr das gefallen sein muss. Aber ihr Bericht ist so eindringlich, so schmerzhaft, so authentisch, dass es eigentlich keinen Zweifel geben kann, dass sie die Wahrheit sagt.

Sie beschuldigt ihren Ex-Ehemann, den Schauspieler Christian Ulmen, in ihrem Namen Fake-Profile auf Social Media angelegt zu haben und darüber mit Männern in Kontakt getreten zu sein. Sie selbst, ahnungslos, kämpfte über 10 Jahre dagegen an, dass ständig neue Deep-Fake-Pornos von ihr auftauchten. Nacktbilder, die täuschend echt aussahen, Videos, die sie scheinbar beim Sex zeigten. Sie konnte sich nicht erklären, wer dahinter steckte und abstellen ließ es sich auch nicht.

Heute weiß sie, wer der Urheber war: ihr eigener Mann.

Er hat es ihr gestanden.

Jetzt lässt er sich anwaltlich vertreten und schweigt. Klar.

Wie unfassbar mutig von Collien. Was muss sie für eine starke Frau sein, dass sie sich hinstellt und wissend, wie in den Epstein-Fällen und vielen anderen verfahren wurde. Nämlich dass es fast nie die Männer sind, die zur Rechenschaft gezogen werden.

Die Opfer bleiben zurück mit der Scham, mit dem Entsetzen, mit Traumata. Viel zu oft.

Collien kämpft für uns alle. Für alle Frauen und Mädchen.

Ich kann nicht anders, als den Hut vor ihr zu ziehen und ihr zumindest aus der Ferne zuzurufen: GO COLLIEN!!! ✊

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