"Corona-Tiere" - ein Ausländerproblem?

Ein Facebook-Posting einer Tierschutzinstitution erzählt von der Situation der Tierheime, die sich zur Zeit kaum noch retten können vor Neuzugängen. Sie verwenden dafür das Wort „Corona-Tiere“ auf Grund der Erfahrung, dass sich Leute während der pandemiebedingten Gesellschafts-Zwangspause Tiere angeschafft haben, die jetzt, da die Öffnung fortschreitet, nicht mehr gebraucht und deshalb im Tierheim abgegeben werden.

Da schreibt dann so eine naseweise Tussi ihren Kommentar darunter: „Und wie viele davon kommen aus dem Ausland?“

Liebe Susi T. (oder wie du sonst auch heißen magst): Thema verfehlt, nicht genügend, setzen! Mach dich hier doch nicht sooooo lächerlich! Aber ich erklär dir gerne mal, worum es geht.

Weißt du, nicht nur hierzulande, nein, in jedem einzelnen Land dieser großen weiten Welt leiden Tiere unter fast immer von Menschen verursachten unbeschreiblich trostlosen Zuständen, unter menschlicher Grausamkeit, Gier, Gedankenlosigkeit – einer der Gründe übrigens, warum der Begriff „menschlich“ für mich schon lang kein positiv besetztes Wort mehr ist.

Hungrige, frierende, einsame, gequälte, verstoßene, kranke, verletzte, sterbende Tiere, kein einziges ist schuld daran oder hat sich ausgesucht, wo und warum ausgerechnet dort es vom Schicksal in sein trauriges Dasein gestoßen wurde. Es sind einfach nur unschuldige Geschöpfe, von denen jedes ein warmes Plätzchen, genug Futter und etwas Zuwendung bräuchte und verdient hätte, lauter Dinge, für die man – das ist zumindest meine jahrzehntelange Erfahrung – mit unendlicher Dankbarkeit, Treue und Liebe entlohnt wird.

Und dann gibt es eben so Leute, die sich während diverser Lockdowns aus purer Fadesse, quasi zum Zeitvertreib, ein solches Geschöpf nach Hause holen, um es danach, wenn es nicht mehr gebraucht wird, weil eh wieder alles lustig wird, weil Kino, Wirtshaus, Party und Urlaubsflüge wieder möglich werden, einfach ruckzuck wieder abzugeben. Ein Schicksal, das die armen Viecher übrigens auch mit diversen Oster- und Weihnachtsgeschenken teilen. Zumal wenn sich darüber hinaus dann noch herausstellt - welche Überraschung aber auch! - dass das Halten eines Tieres nicht nur Spaß und Spiel, sondern unter Umständen auch Arbeit, Verantwortung, Zeitaufwand und Kosten bedeutet.

Da sitzen sie dann in ihren kahlen Tierheim-Zwingern, unglücklich, verwirrt, vergeblich wartend, nicht wissend, wie ihnen geschieht und was sie wohl falsch gemacht haben, weil ihre Menschen sie plötzlich nicht mehr haben wollen.

So mit fühlenden Lebewesen umzugehen ist natürlich Charaktersache. Schäbig, beschämend, jämmerlich und grausam.

Unsere Haustiere, egal woher sie kommen, kennen untereinander keine sprachbedingten Kommunikationsprobleme, keine Landesgrenzen, keine kulturellen Friktionen, und auch die Haut-, Fell- oder Federnfarbe ist für sie kaum jemals ein Grund, einander zu verachten oder zu fürchten.

Ihre herzzerreißenden Leidensgeschichten einfach großspurig und gedankenlos auf das leidige und nebenbei gesagt ja auch sehr traurige Ausländerthema herunterzubrechen (wie vermutlich dann eh alles andere auch, wenn man nur was auch immer irgendwie auf die Ausländer schieben kann…), tja, das ist ebenfalls Charaktersache. Ein Intelligenz- und Empathieproblem in jedem Fall sowieso. Und gleichfalls schäbig, beschämend, jämmerlich.

Carlos Anglberger / SachenMacher

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Spinnchen

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