Wie jugonostalgisch-kommunistisch ist der ORF seit Babler-Lederers Putsch ?

Am Sonntag brachten Babler/Lederer als SPÖ-Vorsitzender bzw. SPÖ-ORF-Stiftungsratsvorsitzender den zu ÖVP-nahen ORF-GI Weißmann zu Fall, und schon spurt der ORF und gibt sich selbst eine linke Note, in Negierung zahlreicher wichtiger wirtschaftspolitischer Aspekte.

Die Arbeiterselbstverwaltung ist propagandistisch zurück, inklusive des Genossenschaftsmodells. (Die Arbeiterselbstverwaltung müsste in Zeiten des Genderns vermutlich ArbeiterInnenselbstverwaltung heissen, aber hier verhindert vielleicht die jugonostalgische Verankerung in der Vergangenheit ein heutiges Gendern)

https://oe1.orf.at/player/20260311/825633

https://oe1.orf.at/player/20260310/825581

(Dimensionen: Wenn Arbeiter Eigentümer werden)

Es geht hier nicht nur um die Frage, ob Arbeiterselbstverwaltung in einem kommunistisch-titoistischen Umfeld scheitern kann oder muss, sondern es geht auch um die Frage, ob Genossenschafts- und Arbeiterselbstverwaltungsmodelle in einer heutigen Marktwirtschaft funktionieren können.

Oder es sollte darum gehen, auch wenn zahlreiche Aspekte in diesen beiden Sendungen ausgeklammert wurden.

Ein wichtiger Aspekt, der in den Sendungen fehlt, ist folgender: wenn Mitarbeiterbeteiligungsmodelle als Pensionssystem funktionieren sollen, wie hier behauptet, dann sind es in einer Generation, wenn die heutigen Mitarbeiter-Besitzer in Pension gehen, eben keine Mitarbeiterbeteiligungsmodelle mehr, sondern Pensionistenbeteiligungsmodelle, und alle postiven Aspekte der Mitarbeiterbeteiligung (Identifikation mit dem Unternehmen, hoher Arbeitseinsatz, geringe Krankenstände, etc.) verschwinden dann wieder.

Weitere wichtige Aspekte, der in den Sendungen fehlte, sind folgende:

.) Die Frage der Größe: solange ein Genossenschaftsmodell klein ist, und z.B. nur bis zu 20 Genossenschafter umfasst, funktionert es oftmals gut, weil jeder jeden kennt, weil das Allmende-Problem auftritt, aber nicht virulent wird, sondern in der kleinen, kommunikativen Gruppe meist gütlich gelöst wird.

Aber wenn eine Genossenschaft eine gewisse Größe überschreitet, dann funktioniert es oftmals nicht mehr. Eben das war das Analyseschema des (früheren) österreichischen Nationalbankgouverneurs Ewald Nowotny (der übrigens ein SPÖ-Vertreter war) für den Konsum-Konkurs, also den Konkurs der österreichischen Konsum-Genossenschaft, eine der Stützen der früheren Sozialdemokratie. Und eben dieser Konkurs der Konsum-Genossenschaft fehlt in diesen Sendungen.

Es funktioniert auch eine kleine Gemeinde mit 2000 Einwohner völlig anders als eine Millionenstadt wie Wien mit ca. 2 Millionen Einwohnern. Modelle, die auf kleiner Ebene funktionieren, tun das auf großer Ebene oft nicht mehr. Die Familie mit begrenzter Mitgliederzahl (meist unter 10) funktioniert oftmals gut, aber das Familienmodell lässt sich nicht beliebig vergrößern.

In der Physik würde man das ein Emergenzphänomen nennen: bei Vergrößerung ändern sich die Funktionalitäten und die Arbeitsweisen.

.) die Frage der MitarbeiterInnenqualifikation: ArbeitnehmerInnen sind kein homogenes Gut, auch, wenn diese Ö1-Sendungen so tun, als ob.

Manche Berufe eignen sich mehr für Mitarbeiterbeteiligungsmodelle, andere weniger.

CC-BY-SA 3.0/ E.Schumm https://de.wikipedia.org/wiki/Ewald_Nowotny#/media/Datei:Univ-Prof-Dr-_Ewald-Nowotny.jpg

Univ.Prof. Ewald Nowotny, früherer SPÖ-Politiker und Nationalbankgouverneur, dessen Werk und Denken im von vermutlich Babler und Lederer nach Links-Aussen-geputschten ORF nichts mehr gelten.

Im Stalinismus wurden wirtschaftlich denkende Kommunisten als "verbrecherische Rechtsabweichler" dämonisiert, verurteilt, ins Gefängnis oder in den "Archipel Gulag" geworfen, eine zwangslagerartige Haftform.

So weit geht das im heutigen Bablerismus natürlich nicht, aber Totschweigen ist ja auch eine Methode, unliebsame Parteifreunde/Parteifeinde aus der Geschichte zu löschen, in einer Quasi-Orwell´schen Art wie im Roman "1984". Orwell verwendete in diesem Zusammenhang die Formulierung "Wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit, und wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft".

Orwell spielte damit darauf an, das es oft die Medienkontrolle ist, die den Unterschied macht zwischen Demokratie und Diktatur. Wer kann da nicht an Medienminister Babler denken ? Es sind nicht nur die Medientycoons und Medienzaren (die Dichands oder Mateschitze oder Musks oder Zuckerbergs), die eine Gefahr für die Medienvielfalt bedeuten können. Es können auch Medienminister quasi vom anderen politischen Extrem.

Und ja, die Headline ist ein bißchen vereinfachend, es ist keineswegs sicher, dass es eine Absprache zwischen Babler und Lederer gab, aber man kann eine solche vermuten.

Ich wiederhole mich: das Modell der Piratenpartei scheint besser zu sein als das Bablers: jeder Bürger und jede Bürgerin bekommt einen zweckgewidmeten Scheck (20 Euro oder 50 z.B.), den er/sie dem Medium seiner Wahl zukommen lassen kann, gewisse Problemmedien ausgenommen.

Die Ausschlussliste wäre transparent, die intransparenten Babler-Kommissionen mit ihren Kriterien der "gesellschaftlichen Relevanz", was alles oder nichts bedeuten kann, wären dann nicht-existent.

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