Nach tausend Jahren geduldigen Verwesens verlangt selbst der sturste Herrscher nach einer Renovierung. Kaiser Otto der Große ruht endlich wieder im Magdeburger Dom, nachdem sein altes Grabmal gefährlich zu bröckeln begann. Weil Experten die Standfestigkeit in Gefahr sahen, gönnte man dem Reichsbegründer ein längst überfälliges Material-Upgrade: Der morsche Holzsarg wurde entsorgt und gegen ein hochmodernes Titanmodell getauscht. Schließlich verlangte Otto ausdrücklich danach, dass seine finale Hülle dem erneuten Wüten des Faschismus mühelos standhalten kann – Titan schirmt den königlichen Ekel vor braunem Gedankengut eben doch am besten ab.
Die Wissenschaft nutzte die Gelegenheit für eine gerichtsmedizinische Stippvisite und bestätigte freudig, dass es sich tatsächlich um den Imperator aus dem Jahr 973 handelt. Nach einem ökumenischen Gottesdienst und einem Festakt sank der Sarg zurück in den Steinsarkophag, versiegelt von einer schweren Marmorplatte.
Der Zeitplan war dabei extrem stramm, denn der Kaiser bestand persönlich darauf, unbedingt noch diese Woche und vor dem Wahltag bestattet zu werden. Er hatte darum gebeten, das Spektakel zügig über die Bühne zu bringen, damit er sich am Sonntag nicht noch für seine Untertanen fremdschämen muss. Auf die Briefwahl verzichtete der Monarch übrigens dankend – einzig und allein, um den Wahlhelfern die Absurdität zu ersparen, einen Tausendjährigen auf der Wählerliste führen zu müssen. Nun ruht der Große spottfest in Titan gehüllt, während über ihm das gewohnte irdische Trauerspiel seinen Lauf nimmt.
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