Tillschneider im Interview. Über weite Strecken das übliche Hickhack. Erst nach 25 Minuten wird es substantiell. Aber dann zeigt es sich das die AfD, jedenfalls in der Tillschneider-Variante, nicht nur die armen Verfolgten sind, sondern leider auch inhaltlich ziemlich arm.

Das übliche Gotcha-Spielchen

Leider beschäftigt sich der größte Teil des Interviews mit Aussagen Dritter. Die Antworten sind vorhersehbar: Die ehemaligen Rechtsradikalen seien nun geläutert, außerdem seien sowieso alle befangen und die Wahrheit sei ohnehin eine andere. Gähn, langweilig.

Tillschneider fungiert ist nunmal nicht als Sprecher für Herrn Höcke aus einem anderen Bundesland und äußert sich über Parteikameraden eben genau so, wie man es von jedem anderen Berufspolitiker erwarten würde.

Am Ende gab ihm das auch den Anlass, das Interview aus durchaus nachvollziehbaren Gründen abzubrechen.

Die politische Leere

Tillschneider gilt ja nun gemeinhin als intellektueller Kopf der AfD in Sachsen-Anhalt. Als das Interview dann doch mal inhaltlich wurde – und das ausgerechnet auf seinem Spezialgebiet, der Integration, war es mit der Substanz schnell vorbei. Stattdessen klang es eher nach dem Wahlprogramm der CDU.

  • Remigration ist nun bloße Abschiebung (im Rahmen der bestehenden Gesetze), also eine CDU-Position mit tollem Slogan. Gesetze sollen vielleicht irgendwie verschärft werden. Sein Glück, dass die Journalistin da nichts Konkretes hören wollte.
  • Einbürgerungen sollen nun das Schreiben eines Fließtextes erfordern (etwa 120 statt wie bisher 80 Wörter?) und schneller möglich sein – oder eben auch nicht.
  • Am absurdesten war dann aber doch noch sein Beispiel für gelungene Integration: Ein Moslem, der nicht an den Klimawandel glaubt, die Corona-Politik für falsch hält und auch bei ein paar anderen tagespolitischen Themen auf der Linie der AfD steht. Nicht nur, dass man sich fragen kann, warum gerade das die Anzeichen gelungener Integration sein sollen – der eigentliche Clou ist das Ignorieren des sprichwörtlichen Elefanten im Raum: Der promovierte Islamwissenschaftler hat mal eben die Sache mit der Scharia vergessen.
  • Und tatsächlich substanzielle, politische Maßnahmen zum Erreichen einer echten Integration? Fehlanzeige. Irgendetwas mit gemeinnütziger Tätigkeit soll es sein. Vielleicht im türkischen Fußballverein?

AfD wtf?

Ich weiß nicht, ob nun die Metapolitik sein Hirn gefressen hat, ob er nicht eigentlich wunderbar in die heutige CDU passen würde oder ob er schlichtweg politisch unfähig ist. Zum Glück muss ich in Sachsen-Anhalt nicht wählen. Sollen sie mal gewinnen. Eine Politik, wie sie von Tillschneider vertreten wird, wäre am Ende jedenfalls schlicht die einer neuen Altpartei.

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