Ulrich Siegmund hat Wirtschaftspsychologie studiert, ein Fach, das irgendwo zwischen Psychologie und Betriebswirtschaft pendelt. Man untersucht dort Entscheidungen, Motivation, Konsum, Führung und Organisationen – also alles und nichts zugleich. Ein Studium, das menschliches Verhalten in Unternehmen und Märkten verstehen und beeinflussen soll, aber oft weder Fisch noch Fleisch ist.
Einige finden ja, ein solches Studium befähige zu vielem:
"Die ersten Wirtschaftswissenschaftler waren Soziologen. Später kam dann noch Psychologie dazu, und Mathematik eh. Ulrich Siegmund hat übrigens Wirtschaftspsychologie studiert, was ihn mir noch sympathischer macht als ohnehin schon ;)"
Die Frage ist jedoch, was hat jemand aus seinem Studium gemacht?
Nach seinem Studium machte sich Ulrich Siegmund 2014 selbstständig und begann, Raumdüfte zu vertreiben. Nicht als Gebietsleiter, nicht als Franchise‑Partner, nicht als Hersteller einer eigenen Produktlinie – sondern als klassischer Direktvertriebler, der fertige Produkte eines bestehenden Unternehmens verkauft. In Westfalen würde man sagen: ein Kiepenkerl, der mit Garn, Nadeln, Salz, Töpfen und all dem Kleinkram, den man auf den Höfen so brauchte, von Tür zu Tür zieht. Ein wandernder Händler mit einer Kiepe voller Alltagswaren, der überall ein bisschen etwas verkauft, aber nirgends wirklich ankommt. In moderner Sprache: ein Hausierer.
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Andere Tätigkeiten ausserhalb der AfD von Ulrich Siegmund sind nicht vermerkt.
Und nun gilt genau dieses Profil der AfD als ausreichend, um eine der wichtigsten politischen Rollen in Sachsen‑Anhalt zu übernehmen. Vor hundert Jahren hätte im Münsterland niemand einem Kiepenkerl mehr anvertraut als die Lieferung von Nadeln, Garn und ein bisschen Seife. Vielleicht war das damals übertrieben vorsichtig. Aber gleich ein ganzes Bundesland? Das ist schon eine bemerkenswerte Entwicklung.
Siegmund hat beruflich wenig vorzuweisen, aber reden kann er — das musste er als Hausierer schließlich lernen. Und ja, über Annalena Baerbock haben sich viele lustig gemacht, weil ihre rhetorischen Auftritte oft kritisiert wurden. Wir hatten in der deutschen Geschichte sogar schon einmal jemanden, der „irgendwas mit Werbung“ gemacht hat und hervorragend reden konnte — ein Werbemaler, dessen Redetalent später eine gefährliche politische Dynamik bekam.