Ich bin global interessiert, nicht nur das Handwerk in Deutschland interessiert mich, sondern auch was sonst der Welt vor sich geht. Folgende Ereignisse aus dem Süden Afrikas sollten zu denken geben:
Südafrika erlebt derzeit ein Szenario, das wie eine düstere Vorwegnahme des von Siegmunds Sachsen-Anhalt propagierten Remigrationsmodells wirkt – nur eben nicht theoretisch, sondern mit brutaler Realität. Die Pogrome gegen Migranten, angeheizt durch die fremdenfeindliche „March and March“-Bewegung, haben eine Massenflucht ausgelöst: Über 160.000 Menschen aus Malawi, Mosambik, Simbabwe, Lesotho und Eswatini wurden entweder vertrieben oder sahen sich gezwungen, das Land zu verlassen . Die Gewalt ist nicht nur symbolisch – Anhänger der Bewegung dringen in Häuser ein, zerren Menschen auf die Straße und übergeben sie der Polizei, wie deutsche Medien berichten N-TV. Unliebsame Jobs bleiben offen: Jagd auf Ausländer lässt Südafrikas Textilbranche bluten - n-tv.de.
Textilfabriken stehen still – Südafrika erlebt die Folgen des Fremdenhasses
Was folgt, ist die ökonomische Dialektik des Rassismus: Die Textilindustrie in Newcastle verlor zwischen 12 und 19 Prozent ihrer Belegschaft, ganze Reihen von Nähmaschinen stehen still, weil die qualifizierten Arbeiterinnen und Arbeiter aus den Nachbarländern fehlen . Die Jobs, die Migranten erledigten – schlecht bezahlt, körperlich hart, für viele Südafrikaner unattraktiv – bleiben nun offen. Fabrikbesitzer berichten, dass lokale Arbeitskräfte weder die nötigen Fähigkeiten noch die Bereitschaft mitbringen, diese Stellen zu übernehmen. In der Landwirtschaft, im Einzelhandel, in der Logistik und im informellen Sektor zeigt sich dasselbe Muster: Die Abwanderung reißt Löcher, die niemand füllt.
Ein Land auf Selbstzerstörungskurs: Südafrikas Pogrome und ihre Folgen
Ökonomen warnen seit Jahren, dass Migranten bis zu neun Prozent zum südafrikanischen BIP beitragen . Doch die fremdenfeindlichen Gruppen ignorieren diese Fakten – genauso wie jene politischen Kräfte in Deutschland, die Remigration als „Lösung“ verkaufen. Südafrika zeigt, was passiert, wenn man diesem Irrweg folgt: Die Wirtschaft verliert Leistungsfähigkeit, Unternehmen schließen, Versorgungslücken entstehen, und die Gewalt frisst sich in die Gesellschaft.
Dass die AfD aus diesen Fehlern lernen würde, ist nicht zu erwarten. Die Partei behauptet seit Jahren, nur „Bürgergeldempfänger“ oder „nicht integrierte Ausländer“ loswerden zu wollen – doch wie in Südafrika zeigt sich, dass solche Kampagnen schnell auf Fachkräfte, Ärzte, Unternehmer und ganze Branchen übergreifen. Die Dialektik ist immer dieselbe: Wer Migration bekämpft, bekämpft am Ende die eigene wirtschaftliche Grundlage.
Südafrika ist damit ein warnendes Beispiel – ein Land, das glaubte, sich durch Ausländerhass zu „befreien“, und nun erkennt, dass es sich selbst die Adern geöffnet hat.