Den Krieg in der Ukraine, die Eskalation im Nahen Osten und sogar den Aufstieg von Donald Trump verdanken wir am Ende des Tages eigentlich nur einer Bekannten meiner Tante – denn die ganz großen Strippen der Weltgeschichte werden eben nicht im Weißen Haus, in Teheran oder im Kreml gezogen, sondern im brandenburgischen Umland.
Gisela, so heißt die gute Frau, ist seit über 30 Jahren „spirituell erwacht“ und betreibt in ihrem Reihenhausgarten in der Uckermark eine mobile Lebensberatung für germanische Steinkreise und „Ahnen-Okkultismus“.
In regelmäßigen Abständen zieht sie sich mit ihren Anhängern in den Schrebergarten zurück, wo sie in bester braun-esoterischer Tradition den vermeintlichen „Geist der Vorfahren“ beschwört. Um den Hals trägt sie dabei eine Kette aus Eicheln und Runen-Imitaten, während sie am Lagerfeuer meditiert und mit den „höheren Mächten des Blutes und Bodens“ kommuniziert – tief im brandenburgischen Unterholz wohlgemerkt, wo man sich ganz der völkischen Naturmystik hingibt.
Jahrelang musste Gisela allerdings schmerzhafte Rückschläge einstecken. Als Winfried Kretschmann als grüner Ministerpräsident im Ländle triumphierte und Bodo Ramelow in Thüringen die Regierungsgeschäfte übernahm, liefen all ihre rituellen Pendelbewegungen und arischen Beschwörungsformeln komplett ins Leere. Sie schäumte vor Wut am Gartenzaun, weil ihre magischen Versuche, die rot-grüne Dominanz spirituell zu lenken oder zu brechen, gnadenlos versagt hatten. Die Geister schienen sie schlicht zu ignorieren.
Umso enthemmter jubiliert sie jetzt, nachdem ihr endlich ein echter „Sieg-mund“ gelungen ist: Nach wochenlangem Räuchern und Beschwören der alten, verblendeten „Thule“-Phantasien feiert sie diesen rituellen Durchbruch und den ersehnten Wahlerfolg vollkommen außer sich vor Freude als den großen Wendepunkt.
Berlin hingegen ist der alten Schamanin ohnehin völlig egal – dort hat sie der linken Mischpoke vor lauter Gleichgültigkeit erst recht den Weg an die Macht gebucht, einfach nur, um den ohnehin drohenden Untergang der Hauptstadt noch ein bisschen schneller und geräuschvoller zu beschleunigen.
Ich bin absolut sicher, dass Gisela nebenbei auch bei jeder globalen Krise – vom Iran-Krieg bis Trump – ihre unsichtbaren, völkisch-esoterischen Finger im Spiel hatte. Wer also fordert, dass hier endlich wieder „Ordnung“ einkehrt, möge sich bitte direkt an sie wenden.
Alle Beschwerden gehen am besten per telepathischem Ahnengeister-Zustelldienst direkt in den Schrebergarten. Heiliger Boden, versteht sich.