Der Bitcoin wurde während der Zeit der Weltwirtschaftskrise in den 2000er Jahren erstmals ausgegeben und erhielt vermutlich auch dadurch einen Popularitätsschub (*). Satoshi Nakamoto veröffentlichte damit 2008 vermutlich eher zufällig ein Währungssystem und einen Vermögensspeicher, welche unabhängig von Banken, die mit ihren Produkten die damalige Krise ausgelöst hatten, funktionieren und somit unabhängig vom FIAT-Geldsystem mit seiner zumeist inflationären Geldschöpfung sind. Das Blockchain-System Bitcoin arbeitet dezentral mit dem sogenannten Proof-Of-Work-Mechanismus, welcher dafür sorgt, dass alle Teilnehmer*Innen des Netzwerkes (Miner*Innen) Transaktionen validieren müssen, um die Sicherheit des Netzwerkes zu garantieren, das heißt, die Blockchain vor Angriffen und fehlerhaften Transaktionen zu schützen.

Vermutlich gibt es für China hier schon einige Probleme: Das Netzwerk ist dezentral, (pseudo)anonym und unabhängig vom staatlich regulierten FIAT-Geldsystem.

Ein Staat, dessen Ziel eine möglichst große Kontrolle seiner Bürger*Innen ist, kann sich so ein System natürlich nicht wünschen. Denn, wenn das Währungsmonopol fällt, fallen vielleicht auch bald andere Monopole und die Bürger*Innen könnten auch beginnen sich in anderen Bereichen der Gesellschaft selbst zu organisieren.

Offizielle Gründe wie die Umweltbilanz oder die Kriminalitätsaffinität des Bitcoin müssen natürlich ernst genommen werden, sind aber sicher nicht der Hauptgrund für Chinas Entscheidung. Immer mehr Miner*Innen steigen auf erneuerbare Energiequellen wie Wasserkraft oder Solarenergie zum Betreiben ihrer Farmen um, zuletzt hat El Salvador angekündigt mittels Vulkan-Energie Bitcoins schürfen zu wollen (1). Des Weiteren zeigt eine Studie, dass illegale Gelder an allen Krypto-Transaktionen nur 0,3% ausmachen - auch die Tagesschau berichtete darüber (2).

Für die Verbesserung der Energie-Effizienz und der Schnelligkeit von Transaktionen wurde das Lightning-Netzwerk (3) geschaffen, welches Bitcoin-Transaktionen neben den erwähnten Effekten des geringeren Stromverbrauchs und der Schnelligkeit auch massiv kostengünstiger machen.

Summa sumarum scheint die Ursache für den Kampf Pekings gegen den Bitcoin vor allem an dessen hohem Maß an Freiheit mit den Faktoren Dezentralität und (Pseudo)anonymität zu liegen, welche für das Notenbank-regulierte FIAT-Geldschöpfungssystem aber vor allem für ein totalitäres Regime wie China als Präzedenzfall und als Vorreiter für Bestrebungen zu weiteren Bürger*Innenfreiheiten gelten könnte.

(1) https://www.tagesschau.de/wirtschaft/technologie/bitcoin-schuerfen-el-salvador-vulkan-geothermie-ernergieverbrauch-101.html

(2) https://www.tagesschau.de/investigativ/funk/kriminalitaet-bitcoin-101.html

(3) https://www.grin.com/document/510835

(*) Korrigiert durch Anregung von invalidenturm und Hawaiipiraten von Österreich

4
Ich mag doch keine Fische vergeben
Meine Bewertung zurückziehen
Du hast None Fische vergeben
4 von 6 Fischen

bewertete diesen Eintrag

nzerr

nzerr bewertete diesen Eintrag 30.06.2021 14:37:14

Ttavoc

Ttavoc bewertete diesen Eintrag 30.06.2021 00:27:08

Benjamin

Benjamin bewertete diesen Eintrag 29.06.2021 19:38:49

Iris123

Iris123 bewertete diesen Eintrag 29.06.2021 18:07:46

54 Kommentare

Mehr von Stephan von Spalden