31 Tage Glück: Achtsam sein mit allen Sinnen – heute: achtsam sehen

Diese Woche möchte ich unseren fünf Sinnen widmen – dem Sehen, dem Hören, dem Riechen, dem Spüren und dem Schmecken und wie wir die Erfahrungen mit ihnen intensivieren können.

Erinnern Sie sich noch an das Spiel aus Kindertagen, „Ich seh´ ich seh´ was du nicht siehst“? Achtsames sehen bedeutet wirklich bewusst wahrnehmen.

Unser Sehsinn ist der Sinn mit der höchsten Fehleranfälligkeit. Gut beobachtet kann diese Tatsache werden, wenn man die Zeugenaussagen bei Autounfällen vergleicht. Jeder Zeuge wird Stein und Bein schwören, dass es so war, wie er es beschreibt, manche extrem kontrovers zueinander und doch ist jede mit Respekt zu behandeln. Wie kommt es zu so divergierenden Aussagen?

Unser Gehirn greift beim Sehen auf Bilder zurück, die es schon einmal wahrgenommen hat, d.h. es vergleicht mit unserer Erinnerung, da passieren schon einmal Fehler. Besonders deutlich wird das beim Lesen. Bestimmt können Sie mir diesen Text fehlerfrei vorlesen: Lebie Liserenenn und Lseer, gfelält Inehn mine Bolg? Sie können ihn unter zwei Bedingungen lesen: der erste und der letzte Buchstabes jedes Wortes müssen richtig sein und Sie müssen das Wort schon einmal gehört oder gelesen haben. Dann wühlt unser Gehirn in seinen kleinen grauen Zellen und bringt die richtigen Wörter zutage.

Was beim Sehen noch dazu kommt ist, dass wir nicht einen einzigen Gegenstand vor einer weißen Wand präsentiert bekommen, sondern ganz viel auf einmal – z.B. ein Straßenzug mit verschiedenen Häusern, Autos, Motorrädern, Fahrrädern, Menschen, Tieren, Farben…. Und wir konzentrieren uns dann auf das, was unsere Aufmerksamkeit am meisten auf sich zieht bzw. worauf wir uns konzentrieren wollen, z.B. unser eigenes Kind am Spielplatz, andere Kinder, die weiter entfernt in der Sandkiste sitzen, registrieren wir nur am Rande.

Ich lade Sie heute ein, den ganzen Tag „bewusst“ hinzuschauen, achtsam zu sehen. Wenn Sie z.B. morgens einen Sonnenaufgang sehen, versuchen Sie alle Farben einzeln wahrzunehmen – das Rosa, das Orange, das Gelb, das Blau, das Grau, das Violett, das Lachsfarbene, vielleicht sehen Sie auch Schwarz dabei oder Gold?

Wenn Sie eine Pflanze sehen, sehen Sie genau hin, welche Farben können Sie am Stamm erkennen, welche auf den Blättern, haben die Blätter vielleicht Blattadern, hat sich noch irgendwo eine frostige Blüte gehalten?

Sie können sich auch Ihre Lieblingsfarbe hernehmen und heute darauf achten, wie oft Ihnen Ihre Lieblingsfarbe unterkommt und in welchen Schattierungen – von der Schrift auf einem Plakat über einen Aufkleber auf einem Auto bis zur Farbe an einem Schmuckstück oder Schal.

Wenn Sie Ihre ArbeitskollegInnen beim Morgencafé treffen und dann wieder an Ihren Schreibtisch zurückgehen, wissen Sie noch, ob Frau Berger heute Ohrringe trägt, welche Farbe die Krawatte von Herrn Müller hat und welche Farben im bunten Rock der Sekretärin vorkommen?

Was trug Ihr Kind als es aus dem Haus ging und wann hatten Sie den lila Pulli zuletzt an? Welche Farbe hat das Nachthemd der Dame im Spitalsbett neben Ihrer Oma? Ist der wilde Wein an Ihrer Hausmauer schon bunt gefärbt und trägt der Strauch neben dem Gartentor noch Blätter?

Lenken Sie Ihre Achtsamkeit auch darauf, dass Sie beginnen sich in dem Raum in dem Sie sich befinden, wirklich achtsam umzusehen. Wenn es Ihr Wohnzimmer ist, Ihr Büro, vielleicht ist es auch Ihr Auto – wenn geht, nicht während der Fahrt – aber schauen Sie einmal, was Sie alles wahrnehmen? Wenn Sie in Ihrem Zimmer sitzen oder stehen, dann gehen Sie es wirklich mit den Augen von einer Seite bis zur anderen durch und registrieren Sie, wie viele Dinge Sie achtlos irgendwohin gelegt haben oder was Sie einmal als Souvenir von irgendwo mitgebracht haben, das jetzt nur achtlos verstaubt. Schauen Sie genau hin, womit Sie sich umgeben! Alles ist Energie! Auf welches Bild fällt Ihr Blick, wenn Sie vom Schreibtisch hochschauen? Was sehen Sie als erstes, wenn Sie morgens die Augen öffnen? Was sieht ein Gast, wenn er durch Ihre Türe tritt?

So wie wir auch die Sterne am Himmel manchmal in der Nacht nicht sehen können, so sind sie doch da. Genau so ist es mit unserem Geist. Wenn wir unsere Wahrnehmungen und die damit verbundenen Emotionen einfach ausblenden, und wirklich zur Ruhe kommen, ganz achtsam mit uns sind und in unsere Tiefe kommen, dann ist dort unser Geist immer ruhig und klar.

Nehmen Sie Ihre Umgebung und die Menschen rund um sich ab jetzt anders wahr – bewusster und wertschätzender.

Ich wünsche Ihnen einen farbenfrohen (All)Tag!

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