Eine Geschichte aus der Geschichte

Eine makabre Geschichte von früher™, als die Welt zwar auch nicht mehr gut aber doch besser war. Eine makabre Geschichte, die wie alle wirklich makabren Geschichten den Vorzug hat, wahr zu sein.

Im Dezember des Jahres 1982 hatte der Polizeipräsident von Niederbayern/Oberpfalz in den Landkreisen Freyung, Passau und Rottal-Inn verstärkte Alkoholkontrollen durchführen lassen. Die "Aktion Blasrohr" sollte bis in die Sommermonate 1983 hinein dauern und war eine Reaktion auf die in ganz Niederbayern auffallend hohe Unfallhäufigkeit unter Alkoholeinfluß. Da man die Kraftfahrer nicht in erster Linie mit Alkohol am Steuer erwischen, sondern sie vielmehr schon im Vorfeld vom alkoholisierten Fahren abschrecken wollte, war der ganze Plan ausreichende Zeit vorher in den Medien bekanntgemacht worden.

In den Monaten Dezember '82 und Januar '83 ging die Zahl der Unfallverletzten um 50 Prozent zurück, die Zahl der Unfalltoten gar von 4 in den beiden Vergleichsmonaten vom Vorjahr auf Null in diesem Jahr zurück.

Zahlen für Februar etc. konnten nicht erhoben wurden, da die Aktion Ende Januar 1983 wieder gestoppt wurde.

Die "Aktion Blasrohr" hatte nämlich den unliebsamen Nebeneffekt, daß nicht nur ganz offensichtlich die Zahl der Fahrten unter Alkoholeinfluß zurückging, sondern auch der Alkoholkonsum an sich.

Die darüber verärgerten Bierbrauer und Wirte klagten dem Passauer CSU-Bundestagsabgeordneten Dr. Klaus Rose ihr Leid, Dr. Rose schrieb einen Brief an das Bayerische Innenministerium, welches daraufhin die - zuvor im übrigen ministeriell gebilligte Aktion - wieder stoppte.

Was zum einen die ungemein sensible und rasch reagierende Rationalität der Trunkenheitsfahrer beweist, welche sofort auf die drastische Veränderung der Auffallenswahrscheinlichkeit reagiert hat. Ihre Kosten-/Nutzenrechnung war durcheinanderwirbelt worden, der Schadens-Erwartungswert für "Alkoholisiert Fahren" deutlich erhöht. Zwei Monate lang hat sich das Fahren unter Alkoholeinfluß in dieser Region nicht mehr ausgezahlt und sofort sind die Alkoholfahrten dramatisch zurückgegangen.

Zum anderen macht dieses Beispiel natürlich mit aller nur wünschenswerten Brutalität deutlich, daß jegliches Bemühen um eine Verbesserung pathologischen Alkoholkonsumverhaltens dort ihre Grenzen findet, wo eine tatsächliche Veränderung zu befürchten wäre.

Prost!

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