Dem Theologen David Berger ist es zu verdanken, dass ich auf eine Frage aufmerksam wurde, die bislang zu Unrecht keine große Rolle in meinem Denken spielte: Wie halten es eigentlich die Päpste mit der Pornographie? (Eine Anmerkung: um die Gefühle meiner Leser*innen nicht zu sehr zu verletzten, werde ich im weiteren Verlauf meiner Ausführungen zu alten Sprachen oder Abbreviaturen greifen, wenn es um heikle Begriffe geht.)
In einem seiner Texte erwähnt Berger die zahllosen Klagen von Christen, die sich zwischen „Porno-Sucht“ einerseits und ihrem Glauben andererseits gleichsam zerrieben fühlen. Zu Beginn geht er auf die Ubiquität der Pornographie ein, die vor allem der leichten Verfügbarkeit durch soziale Medien (Internet, www (=world wide web)) geschuldet ist. Dies führt selbst Christen, die im Glauben gefestigt sind, in eine täglich neue Versuchung, wie zahlreiche Berichte in den sozialen Medien nahelegen. „Eine alarmierend große Anzahl christlicher Männer kämpft mit Pornographie“ lese ich auf „evangelium 21“, und, so möchte ich ergänzen, verliert diesen Kampf.
Denn, machen wir uns nichts vor, die Porno-Sucht ist ja keine nach der künstlerisch gestalteten Darstellung der immissio penis allein, sondern danach, ut manu turbetur, was eigentlich nicht beschädigt werden sollte, id est, zu „woxeln“, wie es der Autor Eckhard Henscheid für den süddeutschen resp. zu „entsaften“, wie es Heinz Strunk für den norddeutschen Sprachraum formulierte. Hier ist guter Rat teuer, wie man von dieser Sucht wieder loskommt, von diesem „Propagandaarm der sexuellen Revolution“ (E.M. Jones nach Berger, „Arm“ ist hier metaphorisch gemeint). Denn die sexuelle Revolution seit 1968 (Dutschke! Reich! Adorno! Kulturmarxismus!!) untergräbt die Säulen Ehe, Familie und Keuschheit und die Pornographie ist der Abraumbagger. Man stelle sich nur einmal vor, dass ein Mann durch Pornographie dazu verleitet wird, von seiner Frau das zu verlangen, was die Frau im Film macht, also sein G. zu f.! Oder wenn die Frau den Mann im Film mit ihrem Gatten vergleicht und bemerken muss, dass jener weitaus b.b. ist! Wir erkennen, wie fatal die Pornographie auch für eine christliche Ehe sein kann. Doch hält das Internet nicht nur die Sünde bereit, sondern zum Glück auch Hinweise darauf, wie man sich ihrer entledigt: „Gebet (…) Fasten und Abtötung des Fleisches (…) Lesen der Heiligen Schrift (…) wöchentliche Beichte“, „eine Hingabe an unsere liebe Frau (…) entwickeln“, „bete jeden Tag den Rosenkranz“ usw.
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Das Problem Pornosucht macht nicht einmal Halt vor denjenigen, die ihr ganzes Leben Gott geweiht haben. Papst Franziskus musste vor 4 Jahren resigniert feststellen, dass auch Priester und Ordensfrauen dem Laster des Pornoguckens frönen. Dies aber sei das Tor, durch das der Teufel in die Seelen eintrete, welcher, so ist zu vermuten, entweder bei der Herstellung des Materials oder zumindest bei der Entwicklung des Genres Pate gestanden haben muss. Hier stellt sich für den an theologischen Themen Interessierten die Frage, wie der Papst die Erscheinung des Teufels in den Produkten der Pornosuchtindustrie registriert hat: Wird er sich, horribile dictu, in einer stillen Stunde Filme, in denen die partes pudendae (oder, sit venia verbo, partes nicht mehr ganz so pudendae) die Hauptrolle gespielt haben, er, der Stellvertreter Gottes auf Erden? Oder hat er, was vielleicht noch eine größere Sünde darstellt, seine engsten Vertrauten und Berater dazu verdonnert, diese Filme zu begutachten? Und wie lange mussten sie ihre Studien betreiben, bis die Epiphanie des Beelzebub einwandfrei geklärt war? Und wie viele Rosenkränze mussten sie im Anschluss beten? Resigniert stellen wir fest, wie komplex die theologischen Fragestellungen werden, sobald wir uns näher mit dem Thema „Papsttum und Pornosucht“ befassen. Aber schön, dass wir es einmal versucht haben.