Ich gebe es ja zu, ich hätte mir so sehr gewünscht, dass Kanzler Kern wirklich was Neues auf dem Kasten hat. Gut, dieser Eindruck hatte sich schon bald nach seinem Nachrücken relativiert, denn wirklich Revolutionäres bisher hat der einstige ÖBB-Boss nicht zu bieten. Das fiel mir vor allem beim „Pensionisten-Hunderter“ auf, bei dem ich mich, als Vater, schon gefragt habe: Wo bitte, Herr Kanzler, bleibt der Kinder-Hunderter?

(Nicht, dass ich den Pensis den einen Grünen neidig bin, sondern ich hätte einen ebensolchen gerne auch für die Kids. Zusätzlich zur Familienbeihilfe.)

Jetzt habe ich ein Dejà-vu, wenn Kern sich für eine Erhöhung der (niedrigen) Pensionen einsetzt. Lang und breit wurde sichtlich an einem Modell gerechnet, bei dem sich dann sogar für jene, die 4.000 Euro im Monat Rente kassieren, auch noch ein kleines Plus ausgeht. Kern hat das schön verpackt, argumentativ, optisch, sprachlich.

Nur, Herr Kanzler: Wo bleibt die dringend nötige, an die Realität angepasste Förderung von Kindern?

Ich kann als Alleinerzieher aus eigener Erfahrung schöpfen. Mit den eher mickrigen knapp zweihundert Euro Kindergeld komme ich bei meiner bald 13jährigen Tochter nicht sehr weit. Nun, das Handy müsste vielleicht nicht sein, die Materialliste samt Nebengeräuschen (wie Schikurs & Co.) fürs Gymnasium sehr wohl. Wenn der/die betreffende AlleinerzieherIn nicht mit Alimente-Zahlungen gesegnet und vielleicht noch AlleinverdienerIn ist – dann ist’s bald dunkel im Börsel.

Es ist nur – wie schon immer bei diesem Thema – ein sehr durchsichtiger, opportunistischer Populismus, den Kern bemüht. Pensionisten sind eine dankbare Wählerschicht, die ständig in Angst um ihre Renten lebt. Ein Bissi was monatlich dazu, zur Beruhigung, und schon klappt’s auch in der Wahlzelle. (Hofft Kern.)

Kinder sind gar keine Wählerzielgruppe. Und vermutlich noch so undankbar, dass sie später, im Wahlalter, bereits vergessen hätten, wer sie (abseits der Eltern) rundum gut versorgt hat.

Eltern sind eine noch viel zähere Wählergruppe. Am Anfang hätten sie gerne mehr Elternzeit und Elterngeld, später Kindergartenplätze, gute Schulen, schöne kommunale Freizeiteinrichtungen und und und. Die Wunschliste stetig zu befriedigen wäre zwar die Aufgabe der Politik – denn nur auf dem Fundament von gut aufgezogenen und ausgebildeten Kindern lässt sich die Solidargesellschaft weiter bauen. Doch es ist einfach zu mühsam. Erst recht, wenn andauernd ein Koalitionspartner mitmischt, der schon aus Prinzip anderer Meinung ist. (siehe Bildungsreform, Familienrecht, etc.)

Zurück zu Kern. Wie gesagt, ich hatte Hoffnung, dass er den Karren Österreich aus dem Dreck ziehen könnte. Doch nun bemüht er – wie am Pensionisten-Beispiel – alle Klischees und Rezepturen erneut, die bereits in den vergangenen Jahrzehnten nicht funktioniert haben.

Für diesen Blog gibt es vielleicht eine Fortsetzung: Denn, ganz zufällig, sandte ich dem Kanzler gestern ein Mail mit ähnlichem Inhalt...

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