Der Unterschied zwischen uns und unseren Vorfahren von vor 5000 Jahren ist nur Wissen. Wäre der Weg des Menschen ein stetiger Weg zur Zivilisation, sollten wir seit 1000 Jahren im Weltall sitzen. Warum ist das nicht so?

Die Lösung dürfte in der Natur der Zivilisation liegen. Die Zivilisation ist nicht das Ziel von Menschengruppen sondern scheinbar eine Anomalie, also ein Abweichen vom Normalzustand.

Aber was ist überhaupt „Normal“?

Was wir ständig sehen ist das was wir für Normal halten. Unglücklicherweise ist das oft nicht wirklich das was jenseits unserer Auffassungsgabe als normal gelten kann.

Wenn wir über das Universum nachdenken dann sehen wir alles entweder als fest, flüssig oder gasförmig weil alles rund um uns eben fest, flüssig oder gasförmig ist.

Plasma hingegen schafft es nicht einmal in jedes Lehrbuch. Sollte es aber: Weit über 99% des Universums in genau diesem Zustand.

Wir leben eben in einem Bereich des Universums der völlig anders ist als das was man als „normal“ bezeichnen sollte.

Auf sozialer Ebene ist es ähnlich. Wir leben in einem mikroskopischen Platz im Universum in dem wir über fließendes Wasser verfügen, genügend Essen und hohe relative Sicherheit. Die restliche Menschheit lebt aber überwiegend in einem deutlich weniger luxuriösen Zustand. Die Lehmhütte ist deutlich normaler als der Wolkenkratzer.

Wenn Zivilisationen aufsteigen werden auch die Gebäude höher. Fallen die Zivilisationen, werden Paläste schlagartig wieder zu Hütten. Platz bleibt nicht leer und der Platz den die Zivilisation eingenommen hat wird nach ihrem Fall von Barbaren besetzt. Diese Barbaren versuchen entweder die Paläste mit ihren Flaggen zu schmücken und zu erhalten, etwas das sie praktisch niemals schaffen, oder aber sie schleifen die eroberte Kultur und verleugnen die Errungenschaften der Vergangenen. Jahrhunderte später werden dann Zeugen dieser Kulturen aus der Erde gegraben und man stellt die Frage warum nur so Weniges überdauerte.

Die Idee dass eine Kultur nützliche und weit überlegene Werkzeuge zerstört und dann mit weniger da steht als vorher vorhanden war erscheint absurd, ist aber was wir in der Geschichte immer und immer wieder beobachten konnten. Man möchte fast meinen der Mensch sei nicht sonderlich rational.

Viele Hütten stehen auf den Trümmern von Hochkulturen und die meisten Bewohner dieser Hütten verachten die Paläste der Alten und haben nicht die geringste Motivation an der Errichtung einer neuen Hochkultur mitzuarbeiten.

Im Gegenteil. Ein bedeutender Anteil der Bevölkerung einer Hochkultur ist mit Hochdruck damit beschäftigt genau diese Kultur zu Fall zu bringen. Die dominante Idee hierbei ist dass die Zivilisation korrupt wäre, unnatürlich, ja geradezu: abnormal.

Die Zivilisation zu zerschlagen und zurück zu einem „natürlicheren Zugang“ zu finden klingt für viele verlockend, zumal ihnen nicht klar ist dass dieser natürlich Zustand Hunger, Karies und Kindersterblichkeit bedeutet.

Diese Nachteile sind nicht ersichtlich und genau daher fallen Zivilisationen. Nicht weil sie von Barbaren erobert werden sondern weil die Mitglieder der Zivilisation die Anomalität der Zivilisation für den Naturzustand halten.

Krisen aber geben einen Vorgeschmack auf das Normale. Menschen die wie verrückt Klopapier kaufen, ohne Rücksicht auf alle anderen, ist der Normalzustand der Gesellschaft, das leere Regal ist der natürliche Zustand des Handels und Armut ist der Naturzustand des Menschen an und für sich.

Die aktuelle Krise könnte uns bewusst machen was wir haben und wie kostbar und selten es ist.

Oder aber wir nehmen das Kostbare weiterhin als selbstverständlich an und vergehen unter dem Vorschlaghammer derer die nach uns kommen.

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