Wer die russische Literatur liebt, wird dieses Buch lieben. Liest der Leser zudem gerne jüdische Geschichten, dann wird er dieses Buch mit Vergnügen lesen. Das Buch ist für alle Juden geeignet, unabhängig davon, ob sie in der ehemaligen Sowjetunion, in Israel oder in den USA leben. Deutschland kommt nicht vor.

Puschkins Erben

von Svetlana Lavochkina (Autor), Diana Feuerbach (Übersetzer)

Verlag Voland & Quist (2019)

ISBN-13: 978-3863912420

368 Seiten 24 €

Die Akteure des Œuvre sind alle miteinander verwandt, so auch Puschkin. Zumindest sind sie davon überzeugt. Um auf dem Laufenden zu bleiben, ist es notwendig, zuweilen die letzte Seite aufzuschlagen. Hier darf der Leser nach Belieben den Stammbaum der Familie(n) bewundern.

Die Geschichte spielt in Moskau, in Saporischschja/Zaporischje (Zap) am Dnepr und in Odessa. Die letzten beiden Städte liegen heute in der Ukraine. Kurz kommen die USA, Israel und Armenien vor. Die Historie beginnt im Sommer 1820 und endet nie. Die Geschichte beginnt am Fluss Dnepr, wo Puschkin seinen Lieblingsring verliert und ein jüdisches Kind zeugt, auch wenn Puschkin kein Jude gewesen ist, genauso wenig wie Hemingway, der trotzdem eine wichtige Rolle im Roman spielt. Dafür ist Joseph Brodsky ein in die USA ausgewanderter Jude aus Leningrad, obwohl er sich in einem katholischen Friedhof in Venedig begraben lässt. Auch ein Armenier, der nie in Armenien gewesen ist, erhält eine wichtige Rolle. Der Leser ahnt es schon: Es könnte eine Liebesgeschichte sein! (Für Jugendliche unter 12 Jahren wenig geeignet).

Spezielles:

Chanel No. 5 heißt zu Zeiten der Sowjetunion „Rotes Moskau“. Damals (wie heute?) lautet der (literarische?) Trinkspruch zum Neuen Jahr: „Puschkin mit uns, Dickens mit denen!“

In einer sowjetischen Schule: Die Schüler werfen mit Papierkugeln ins Gesicht des Lehrers, spannen ein Seil zwischen den Bänken und kleben dem Lehrer einen Zettel mit seinem Spitznamen „Nachttopf“ auf den Rücken. Der Lehrer nimmt das nicht zu Herzen, denn er ist sich seines Bildungsauftrags allzeit bewusst. In Deutschland sind wir noch nicht so weit. Ich schwöre es bei Marx und Puschkin.

Kommunistische Höflichkeit aus dem Zoolautsprecher: Sonka ist im Paviankäfig gefunden worden. Sie sucht ihre Großeltern. Wir bitten um schleunigste Abholung, sonst kommt sie ins Waisenhaus!

Kommunistischer Antisemitismus: Nathan studierte Chemie. Weil es kein verlockendes Studienfach war, gibt es keinen Grund, die 3%-Zulassungsquote für Juden allzu streng anzuwenden.

Kommunistisches Gebet: Ich will zu Lenin und Marx beten, damit sie mich reich machen!

Kommunistische Gesundheit: Wenn du den ganzen Tag herumsitzt, Kaviar und Schokolade in dich hineinstopfst, wirst du aus dem Leim gehen. Deshalb putze das Haus!

Kommunistische Berufe (Reim): Raumfahrer fliegen zu Venus und Mars, Mumps und Masern heilt der Arzt, Rechnen und Leser lehrt der Lehrer, seinen Besen schwingt der Straßenkehrer.

Der sowjetische Jude: Unter seiner harten Schale verbirgt sich eine zarte Puddingfüllung.

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philip.blake

philip.blake bewertete diesen Eintrag 04.02.2020 19:07:56

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