Alice Weidel hat es quasi in einem Interview unmissverständlich auf den Punkt gebracht: „Ich liebe diesen Mann“, sagte sie über Viktor Orbán und legte nach, er sei die Zukunft.

Für sie ist der ungarische Regierungschef nicht einfach nur ein Kollege, sondern wohl das leuchtende Vorbild für ein Europa, das die Nationalstaaten über alles stellt.

Doch wer hinter die Fassade blickt, sieht ein Land, das innerlich zutiefst zerrissen ist.

Orbáns Politik funktioniert nach dem Prinzip der Belohnung: Wer absolut ins System passt, wird gefördert. Die massive finanzielle Unterstützung für junge Ehepaare und sehr kinderreiche Familien klingt auf den ersten Blick fantastisch. Es gibt Kredite, die gestrichen werden, und lebenslange Steuerbefreiungen für Mütter.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Diese Geschenke gibt es nämlich nur für diejenigen, die ohnehin schon fest im Sattel sitzen.

Die harte Realität in Ungarn ist: Wer arm ist, wird sicherlich auch arm bleiben.

Das soziale Sicherheitsnetz wurde fast komplett demontiert. Das Arbeitslosengeld ist auf lächerliche drei Monate begrenzt – ein Negativrekord in Europa. Wer danach nichts findet, landet in staatlichen Arbeitsprogrammen für Hungerlöhne oder ist auf sich allein gestellt.

Es gibt kaum Wege nach oben, weil die gesamte Steuerpolitik darauf ausgelegt ist, die reiche Oberschicht und die loyale Mittelschicht zu entlasten, während die Schwachen am Rand der Gesellschaft schlicht vergessen werden.

Gleichzeitig wird das Geld des Staates nicht in die Grundversorgung gesteckt, sondern in den Machterhalt.

Während hochmoderne Fußballstadien in winzigen Dörfern aus dem Boden gestampft werden (oft dort, wo Orbán selbst aufgewachsen ist), verfällt die öffentliche Infrastruktur.

Das Gesundheitswesen ist das deutlichste Beispiel für diesen Niedergang. Krankenhäuser sind oft in einem erschreckenden Zustand, es mangelt an einfachstem Material und vor allem an Personal. Wer eine wichtige Operation braucht, muss entweder Jahre warten oder tief in die eigene Tasche greifen, um sich privat behandeln zu lassen. Die Gesundheitsausgaben liegen bei etwa 6,4 % des BIP – der EU-Durchschnitt liegt bei etwa 10 %.

Eine echte Zweiklassenmedizin ist dort längst kein Schreckensszenario mehr, sondern geleiteter Alltag.

Dazu kommt eine Korruption, die nicht mehr nur ein Nebenprodukt ist, sondern zum Betriebssystem gehört. Öffentliche Aufträge gehen bevorzugt an einen engen Kreis von Geschäftsleuten, die dem „großen Führer“ treu ergeben sind. So entstehen innerhalb kürzester Zeit riesige Vermögen bei Menschen, deren einzige Qualifikation die Nähe zur Macht ist.

Alice Weidel bewundert also diesen „starken Mann“, weil er sich gegen Brüssel auflehnt, doch der Preis für diese vermeintliche nationale Stärke ist hoch: eine freie Presse, die fast nur noch aus Regierungs-PR besteht, eine Justiz unter Druck und ein Land, in dem der soziale Aufstieg für die ganze unteren Schichten zu einem unerreichbaren Traum geworden ist.

Das „Modell Orbán“ ist eben nur für die glänzend, die bereits oben angekommen sind – für alle anderen ist es ein Kampf ums Überleben in einem maroden System.

Aber das hat jetzt ein Ende.

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