Wie Islamisten und Rechtsextreme zusammen den Walzer des Todes tanzen.

Claude Hermant, ein langjähriger Aktivist der französischen extremen Rechten und Identitärer in Lyon, wurde durch seinen illegalen Waffenhandel zu einer Schnittstelle zwischen identitären und jihadistischen Milieus. Obwohl er ideologisch im rechtsextremen Spektrum verankert war, betrieb er über Jahre einen Handel mit mehr als 500 Waffen und versorgte islamistische und andere terroristische Gruppen mit Waffen. Über diese Kanäle gelangten auch sechs Waffen in die Hände von Amedy Coulibaly, der am 9. Januar 2015 den Anschlag auf den jüdischen Supermarkt „Hyper Cacher“ verübte und vier Menschen tötete. Hermant wurde 2019 wegen illegalen Waffenhandels zu sieben Jahren Haft und 30.000 Euro Geldstrafe verurteilt.

Der Fall zeigt, wie kriminelle Märkte ideologische Grenzen durchlässig machen. Rechtsextreme und jihadistische Akteure stehen sich politisch feindlich gegenüber, haben aber oft gleiche Ziele, wie die Zerstörung von Staat und gesellschaftlichen Strukturen, nutzen aber oft dieselben Schattenstrukturen: Waffenhandel, gefälschte Dokumente, Schmuggelrouten. Diese funktionale Nähe ist historisch mehrfach beobachtet worden. In Belgien etwa nutzten sowohl rechtsextreme als auch jihadistische Gruppen in den 2000er‑Jahren dieselben Waffenhändler. In Deutschland dokumentierten Sicherheitsbehörden Fälle, in denen Neonazis und Islamisten in denselben Fitnessstudios oder Kampfsportszenen rekrutierten – ohne gemeinsame Ideologie, aber mit ähnlichen Bedürfnissen nach Infrastruktur und Gewaltkompetenz.

Ein weiteres, gut belegtes Phänomen ist die Konversion Rechtsextremer zum Islam, teils sogar zum jihadistischen Spektrum. Diese Übertritte sind dokumentiert: In mehreren europäischen Ländern wechselten Einzelpersonen aus rechtsextremen Szenen in salafistische Milieus. Forschende erklären dies nicht durch ideologische Nähe, sondern durch ähnliche Muster von Radikalisierung, Identitätssuche und Schwarz‑Weiß‑Weltbildern.

Hermants Fall steht damit exemplarisch für eine paradoxe Realität: Feindliche Ideologien können sich im Untergrund berühren – nicht aus Sympathie, sondern weil extreme Milieus manchmal dieselben Grauzonen nutzen.

0
Ich mag doch keine Fische vergeben
Meine Bewertung zurückziehen
Du hast None Fische vergeben
0 von 6 Fischen

bewertete diesen Eintrag

1 Kommentare

Mehr von Carrhae