Rote Nasen in Aktion - die Klinikclowns kommen

Video: Mit Theo Plumps und Clownine Kunst von den Leipziger Klinikclowns in humortherapeutischer Mission unterwegs auf der Kinderstation der Klinik Wurzen.

Klinikclowns, Clownsdoktoren, Spaßtherapeuten - in jeder größeren Stadt besuchen Klinikclowns meist ehrenamtlich kranke Kinder und Senioren in Kliniken, Pflege- oder Palliativstationen und sorgen für strahlende Augen und glückliche Menschen. Die Leipziger Klinikclowns existieren seit über 15 Jahren (in der Nachfolge-Besetzung seit 6 Jahren) - damit gehört der Leipziger Klinikclown-Verein um Vereinsvorstand Gerald Ruppert und die Gründungsmitglieder Erika Rüde(✝) und Claudia Göpel zu den ältesten gemeinnützigen Organisationen im Bereich der Clownspflege in Deutschland und war der erste im Bundesland Sachsen.

Gelegentlich sind die ambitionierten Spaßmacher auch in Flüchtlingsheimen aktiv, um traumatisierten Flüchtlingskindern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Die Arbeit ist nicht immer ganz einfach, vor allem das Zeitmanagement gestaltet sich schwierig, denn die Clowns müssen Beruf und Ehrenamt unter einen Hut bringen. Sie arbeiten als Krankenpfleger, Texter, Grafiker, Kindergärtner, Hausmeister, Sachbearbeiter, Geologe, Veterinär oder sie studieren noch. Jeder von ihnen wendet 30 bis 40 Stunden* monatlich für die Klinikclownarbeit auf - Tendenz steigend, denn Klinikclowns sind aktuell gefragt wie nie. In Amerika, dem Ursprungsland der Klinikclowns, "erfunden" von Patch Adams, gehören die Spaßdoktoren längst zum Klinikalltag, sind fest angestellt und werden von den Krankenhäusern bezahlt.

In Deutschland sind wir davon weit entfernt. Hier wird die Klinikclownarbeit seit der Jahrtausendwende größtenteils von gemeinnützigen Vereinen bewerkstelligt. Während in einigen Großstädten wie Berlin, Leipzig und München mehrere Klinikclownvereine tätig sind, gibt es Bundesländer (zum Beispiel Thüringen), in denen man ehrenamtliche Clownsnasen an fünf Fingern abzählen kann. Zum Vergleich: In ganz Bayern sind etwa 60 Klinikclowns unterwegs - und das ist angesicht des Bedarfs immer noch zu wenig.

Eckart von Hirschhausen setzt sich mit seiner 2008 gegründeten Stiftung HUMOR HILFT HEILEN dafür ein, dass sich Klinikclownvereine bilden und Projekte durchführen können. Die Stiftungsgelder kommen jedoch bei den meisten bereits seit vielen Jahren aktiven Vereinen vor Ort nicht an, denn nur ein Bruchteil der Anträge auf Fördermittel kann bewilligt werden. In der Regel gibt es nur eine Anschubfinanzierung für Neugründungen.

*die durchschnittliche Stundenzahl beinhaltet die reine Auftrittszeit in den Kliniken (pro Termin 2-4 Stunden) sowie die Vorbereitungs- und Fahrtzeiten (je nach Einsatzort bis zu 4 Stunden). Hinzu kommen Schulungen, Versammlungen und Benefizveranstaltungen (bei denen die Klinikclowns andere Vereine aktiv beim Spendensammeln unterstützen, z.B. die Elternhilfe für krebskranke Kinder).

Einmal gegründet, müssen die aktiven Klinikclownvereine auf eigenen Füßen stehen und sich um ihre Finanzen selbst kümmern. Das heißt im Klartext: Klinikclowns müssen um Spenden betteln, damit sie überhaupt in Krankenhäusern, Hospizen und anderen medizinischen Einrichtungen auftreten können. Dabei kommt jeder Cent der Klinikclownarbeit zugute, weil die meisten kleinen Vereine keine Büros betreiben oder gar eine Sektretärin beschäftigen, sondern auch diese notwendigen Verwaltungstätigkeiten selbst wuppen - unentgeltlich.

Dennoch sind die Aufwendungen enorm: Fahrtkosten, Kostüme, Handpuppen, Zauberutensilien, Modellierballons, Weiterbildungen etc. Zuletzt besuchten die Leipziger Klinikclowns im März 2016 einen mehrtägigen Ballon- und Bodypainting-Workshop in Eisenberg bei der wunderbaren Katrin Geppert von Ballon Moments.

All dies kostet Zeit und Geld. Und völlig umsonst treten selbst ehrenamtliche Klinikclowns nicht auf - die Vereine müssen eine, wenn auch geringe, Aufwandentschädigung für ihre aktiven Mitglieder finanzieren. Clownshosen haben zwar große Taschen, die mit Leckereien, Luftballons und Spielzeug gefüllt sind - ups, doch auch diese Dinge wollen vorab gekauft werden.

Klinikclowns Leipzig - Claudia Göpel

Insgesamt gibt es drei Klinikclownvereine in der Sachsenmetropole, die verschiedene Einrichtungen besuchen. Speziell die Leipziger Klinikclowns sind seit der Jahrtausendwende ehrenamtlich sehr aktiv. Als Sonntagsclowns besuchen sie regelmäßig (und nicht nur sonntags) zu festen Terminen die Kinderstationen der Uniklinik Leipzig, der Kliniken Wurzen, Bitterfeld, Zeitz, Naumburg, Weimar, Jena und Annaberg-Buchholz sowie das Kinderhospiz Bärenherz Markkleeberg und das Ronald-McDonald-Haus Leipzig. In jüngster Zeit werden sie verstärkt von Flüchtlingsheimen in und um Leipzig angefragt und sie unterrichten sogar einmal jährlich Berufsschüler in Borna in den Bereichen Sozialkunde, Clownerie und Lachtherapie.

Natürlich treten einige der Humorspezialisten auch professionell auf Straßenfesten, in Kindereinrichtungen oder bei Privat- und Firmenveranstaltungen auf. Anfragen sind über den Verein oder direkt bei den einzelnen Clowns möglich - am besten fragen Interessenten in einer persönlichen Mail nach freien Terminen (Wunschtermin und Auftrittsort nennen). Wenn neben der Klinikclownarbeit Zeit bleibt, können die Rote-Nasen-Akteure als Kinder-Zauberer, Ballon-Künstler und/oder Mäusedompteure zu branchenüblichen Honorarsätzen für Hochzeiten, Kindergeburtstage und Schuleinführungen gebucht werden. Sie stehen für Walking Acts, Clownerie und Kinderschminken zur Verfügung oder gestalten auf Volksfesten zauberhafte Bühnenprogramme für Groß und Klein.

Schließlich wollen auch gesunde Menschen lachen - damit sie gesund und fröhlich bleiben. :)

© Claudia Göpel, Leipziger Klinikclowns, Film: Evangelisch in Sachsen

Auf den Bildern zu sehen: Daniela Baumann, Kornelia Richter, Erika Rüde(✝), Silvia Mlinarcsik, Claudia Göpel, Theo Mittmann, Gerald Ruppert

Ich bedanke mich herzlich bei @Gabriele von Szada-Borriszkowski für die Umwandlung des tollen Videos, beim Kamerateam des Regionalfernsehens, bei den mitwirkenden Kindern und Eltern für die Genehmigung, bei der Klinik Wurzen, bei den Machern des Blogportals @fischundfleisch für die Bereitstellung des Artikelplatzes, bei mir selbst für den Text und bei allen Lesern für ihre geschätzte Aufmerksamkeit. (woistderherzchensmiley?)

Verantwortlich für den Text: Claudia Göpel

Dienstwerk Textmanufaktur

Es gibt viele interessante Text-, Bild- und Ton-Beiträge über die Leipziger Klinikclowns im Allgemeinen und die Clownsarbeit im Besonderen, hier eine kleine Auswahl:

Lachen hilft heilen

Wie Klinikclowns kleinen Patienten heitere Medizin am Krankenbett verabreichen

Zaubersalz und Zuckertüte

Hurra, Hurra, der Clown ist da

Clown Ferdinand geht nach Leipzig

Clownine Kunst Zauberclown

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