Wer sind denn eigentlich die wahren Demokratie-Feinde?

Große Aufregung bei den moralisch hochstehenden Dauerempörten über einen Gast bei Markus Lanz. Mit Forderungen wie, „ladet solche Gäste nicht mehr ein“ oder Lanz hätte „sie hochkantig rausschmeißen müssen“, zeigen diese Leute ihre eigentliche Einstellung. Es darf in den öffentlich Rechtlichen nur das gezeigt und gesagt werden, was ihnen passt. Das ist aber gerade das Gegenteil dessen was Meinungsfreiheit und somit auch Demokratie heißt.

Um was ging es? Das ZDF hat eine Trump-Anhängerin eingeladen. Weil das Thema „Trump“ hieß. Und das ZDF hat sich da auch verteidigt:

Zitat: ***Nach den empörten Kommentaren in den sozialen Netzwerken, meldete sich jetzt auch das ZDF zu Wort – und weist die Vorwürfe, warum man Chittom überhaupt eingeladen habe, zurück. Eine Sprecherin erklärte gegenüber der Nachrichtenseite „Watson.de“: Die Gäste der Sendung würden „nach redaktionellen Gesichtspunkten passend zum jeweiligen Thema ausgewählt.“ Man wolle ein „umfassendes Bild der Gesellschaft“ abbilden. „Dazu gehören auch Vertreter von politischen Richtungen und Meinungen, die nicht mehrheitstauglich sind."***

Warum können wir nicht mehr die Meinung der Gegenseite aushalten? Was ist aus uns geworden? Fühlen wir uns wirklich dazu berufen, jegliche Meinung, welche uns nicht gefällt, auszumerzen?

Diese Frau vertritt ja auch mit ihrer Meinung eine nicht unerhebliche Anzahl von Menschen. Dürfen WIR das wirklich ausschließen wollen, dass solche Leute bei uns zu Wort kommen?

Anderes Beispiel, was passiert da gerade mit Michael Wendler? Darf man Menschen so behandeln, weil einem diese Meinung nicht passt? Ich weiß jetzt nicht genau um was es da geht und mir ist auch ein Michael Wendler völlig egal. Aber auch er ist ein Mensch und hat deshalb eine Menschenwürde. Wenn er krank ist, dann kommt noch hinzu, dass man dann ja ganz öffentlich über einen kranken Menschen herzieht, auch nicht gerade die feine Art.

Und wenn jetzt jemand anderer, einen Menschen der einer Minderheit angehört, so behandeln würde, würden da nicht wieder gerade die aufstehen und laut schreien, die jetzt diesen Menschen fertig machen?

Hoppla, eigentlich gehört er ja als Verschwörungstheoretiker, oder als kranker Mensch auch einer Minderheit an. Komisch, dass sich da jetzt gerade wieder unsere ach so Guten völlig andes benehmen. Es stinkt ganz schön, diese Doppelmoral, und sie tut sogar schon weh.

Heißt das denn nicht auch, es gibt also anscheinend Menschen die entscheiden dürfen, welchen Menschen Menschenrechte und die Menschenwürde zusteht und welchen nicht. Welche Menschen man mobben darf und welche man schützen muss. Und jeder der sich nicht diesen Entscheidern anschließt verliert sein Ansehen, seine Menschenrechte und seine Menschenwürde. Sehr unchristlich diese Gedankengänge und völlig an dem allgemeinen Demokratieverständnis vorbei.

Eine Demokratie ist ein Zusammenschluss vieler unterschiedlicher Menschen, die auch unterschiedlich denken und auch Unterschiedliches wollen.

Eine Demokratie muss deshalb auch immer mehrere Seiten berücksichtigen.

Eine Demokratie muss mit Kompromissen leben um (fast) allen gerecht zu werden.

Eine Demokratie lebt von der Vielfalt der Meinungen, der Ansichten und den Wünschen wohin man gemeinsam will.

Es gibt kein Recht darauf, dass in einer Demokratie nur eine Seite bestimmen darf, wohin der Weg zu gehen hat und was das Volk zu denken hat. Schon gar nicht eine Minderheit, denn die Demokratie lebt von der Mehrheit, die sie hinter sich versammeln muss.

Das heißt, man muss die „Mehrheiten“ davon ÜBERZEUGEN dass sie den Weg FREIWILLIG mitgehen MÖCHTEN.

Einfach nur diktieren wie das Volk zu sein hat, was sie für Ansichten haben und was sie noch sagen dürfen, ist nicht richtig. Einfach bestimmen und den Menschen diktieren, was man selbst für richtig oder falsch hält ist nicht demokratisch. Einfach immer auf „Teufel komm raus“ seine eigenen Meinung durchsetzen zu wollen, ist nicht demokratisch. Durch die Schulen oder Medien, die Menschen in die Richtung bürsten zu wollen, die man selbst für richtig hält, ist nicht demokratisch.

Wenn in China, Russland, Türkei, Belarus, Polen, Ungarn und ganz vielen anderen Ländern der Erde, diese Forderungen aufgestellt werden, dass eben nur die Leute eingeladen werden sollen, die den „bestimmenden“ Kräften genehm sind, die die gleiche Meinung und Ansichten haben, dann sind unsere moralisch so Hochstehenden sofort zur Stelle um das (zu Recht) zu kritisieren.

Was aber ist denn jetzt der Unterschied, wenn ich Leute nicht zu Wort kommen lassen will? Wenn ich verlange, „ladet diese Leute nicht mehr ein“, „gebt ihnen keine Plattform“, „ächtet sie“, dann ist das, jetzt mal völlig unabhängig von deren Meinung, vergleichbar mit dem was diese autokratisch regierten Staaten auch tun. Wenn man Leute die Karriere versaut, NUR einzig und allein, weil sie eine mir nicht genehme Ansicht auf die Dinge haben, verhalte ich mich nicht demokratisch. Das ist dann auch der Anfang einer Meinungsdiktatur.

Und wie man gelernt hat, ist jede Diktatur nicht demokratisch und auch völlig falsch. Auch wenn man denkt, man stehe auf der „Guten Seite“ ist es nicht richtig anderen die Meinung zu diktieren. Und dass man Leute dann das Leben zur Hölle macht, wehe sie weichen davon ab, erst Recht nicht.

Meinungsmache ist nicht der richtige Weg. Die Leute werden auch keine andere Meinung bekommen, sie werden ganz einfach nur den Mund halten um sich nicht selbst zu schaden. Man kennt das auch aus anderen diktatorischen Ländern, z.B. auch aus der ehemaligen DDR.

Wir machen also dadurch auch keine andere Meinung, sondern wir erreichen nur dass Leute sich eben nicht mehr äußern. Wir verlagern Meinungen dadurch in den Untergrund. Die Menschen verändern wir dadurch nicht wirklich. Es wird niemals ein Volk geben, in dem alle der gleichen Meinung sind.

Aber ist das denn erforderlich? Wollen nicht gerade auch die moralisch so Hochstehenden die Vielfalt der Menschen? Aber anscheinend ist ihnen die Vielfalt im eigenen Volk ein Graus. Da sollen alle gleich sein, gleich denken und gleich handeln.

Wolfgang Kubicki (FDP) hat die mangelnde Meinungsfreiheit in einem Buch abgehandelt. „Meinungs Unfreiheit von Wolfgang Kubicki“ Auch er wurde übrigens von Markus Lanz und den anderen geladenen Gästen angegangen, „wie er denn das sagen könne“. Pfui! Die Sendung zeigte eigentlich ganz schön was passiert, wenn jemand eine andere Meinung vertritt, er wird moralisch fertig gemacht. Es gibt Themen, darüber darf man anscheinend nicht mehr diskutieren, die darf man noch nicht einmal mehr ansprechen.

https://www.focus.de/politik/deutschland/im-tv-talk-von-markus-lanz-kubicki-findet-mohren-diskussion-albern-campino-widerspricht-sofort_id_12514410.html

Da scheinen unsere moralisch so Hochstehende die Deutungshoheit ganz allein für sich gepachtet zu haben. Aber das darf nicht sein. Man muss in einem demokratischen Land mit Meinungsfreiheit über alles diskutieren dürfen. Und es darf sich nicht eine Seite über alle anderen erheben und ihre Ansicht zur alleinig richtigen Sicht darauf erklären.

Übrigens, keine Tabuthemen, genau das haben wir in den 70er gefordert, so bin ich sozialisiert worden. Man muss alles ausdiskutieren. Es muss alles angesprochen werden. Jeder hat das Recht darauf sich eine eigenen Meinung zu bilden. Die Medien sollten dabei unparteiisch vorgehen um diese Meinungsbildung zu unterstützen. Die Nachrichten, sollten neutral gesprochen werden, die Nachrichtensprecher sollten weder emotional sprechen noch ihre eigene Ansicht zu diesem Thema zeigen. Um eine emotionale eigenen Meinung kundzutun, gab es damals den „Kommentar“.

Die Forderung dass es eben keine Tabuthemen geben darf, war lustiger Weise damals von den eher links rebellisch denkenden Leuten und die eher konservativen Leute wollten vieles damals unter den Teppich kehren und hielten an ihren Tabuthemen fest.

Fazit: Wir müssen darauf schauen, dass wir nicht unsere Demokratie verlieren, weil manche ‚Angst davor haben, dass wir unsere Demokratie verlieren.

Im Moment schaut es so aus, als wenn von diesen moralisch so hochstehenden Dauerempörten mehr Gefahr für unsere Demokratie ausgeht, als von denen, vor denen diese Leute warnen.

Es darf keine Zensur geben, es darf keine Ächtung von Leuten, die was sagen was uns nicht gefällt, geben. Die Demokratie lebt davon, dass jeder sich selbst ein Bild davon macht, was er glauben will und was nicht, dass darf man niemand diktieren wollen.

Freie Menschen, die sich frei entfalten und frei äußern dürfen sind die Grundpfeiler der Demokratie. Dazu sollten wir die Menschen befähigen. Das fängt schon in der Schule an, da muss man die Kinder schon lehren, wie man sich einen eigene Meinung bilden kann und wie man die Gefahren des Internet erkennen kann. Aber auch da darf nicht einen einzige Meinung von den Lehrern vorgegeben werden, sondern die Kinder sollten lernen viele Meinungen, auch solche die der eigenen widersprechen, auszuhalten.

Wir brauchen ganz einfach wieder eine Debattenkultur,und zwar überall, in der Politik, in den Medien, in der Schule, am Arbeitsplatz, in der Familie, usw. Da darf alles debattiert werden, da kann es auch mal heiß hergehen. Man tauscht seine Ansichten aus, aber es gibt keinen Zwang dass man die Ansicht des Gegenübers annehmen muss. Man muss diese Ansicht weder teilen noch gut finden. Aber man muss diesen Gegenüber als Mensch mit anderer Ansicht respektieren.

Die Würde des Menschen ist unantastbar, das gilt auch für Menschen, deren Ansichten man nicht teilt, deren Ansichten man doof findet, oder sogar gefährlich.

Es darf nicht sein, dass einige bestimmen was noch gesagt werden darf und was nicht. Die politische Korrektheit, so wie sie im Moment völlig übertrieben wird, ist eine Gefahr für unsere Demokratie.

Wir müssen ganz einfach lernen auch mal wieder etwas auszuhalten, unsere Demokratie ist nicht so schwach, als dass sie deshalb gleich crashen würde. Wir müssen wieder Vertrauen in die Menschen setzen. Eine ganz große Mehrheit der Bürger will die Demokratie behalten und die Meinungsfreiheit schützen.

Machen wir doch unsere Menschen stark. Denn starke Menschen, heißt auch starke Demokratie. Starke Menschen, sind auch nicht anfällig für diktatorische Bestrebungen, weder aus dem rechten noch aus dem linken Lager. Um stark zu sein, braucht man aber ein Umfeld, welches einem Vertrauen gibt.

Deshalb müssen die Politik, die Medien und auch die sonstigen hochrangigen Vertreter der Kirchen, Gewerkschaften, Kultur usw. aufhören mit dieser jetzigen Politik, die völligen Meinungszustimmung verlangt:

„Teilst du nicht meine Meinung, meine Werte, dann machen wir dich fertig, so dass du kein Bein mehr auf den Boden bekommst“.

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