Gerade im Geschäft um den Tod gibt es eine Vielzahl an Ritualen und Traditionen. Das gilt gleichermaßen für den Soldaten- wie für den Jägerstand. Und wer wäre wohl besser geeignet sich für als Zeremonienmeister für die Durchführung manch solcher Rituale herzugeben, als die katholische Kirche?

Hier wie da werden Waffen gesegnet. Ein besonderes Ritual im Rahmen der Jagd bildet die sogenannte Hubertusmesse. Diese findet alljährlich am 03. November statt, am Gedenktag des Hl. Hubertus, des Schutzpatrons der Jägerschaft. Es wird behauptet, dass die Legende des Hl. Hubertus uns sagen soll, dass man sich als Jäger von der Jagd aus Vergnügen abwenden und der Hege und Pflege zuwenden all. Sieht man sich jedoch die Lebensgeschichte des genannten Heiligen ein wenig genauer an, so muss man feststellen, dass diese Vereinnahmung nicht unbedingt gerechtfertigt ist oder der Schluss, der gezogen wird.

Hubertus war ein Edelmann, der aus Trauer über den frühen Tod seiner Frau, der Jagd frönte. Er tat es um den Schmerz zu vergessen. Eines Tages sah er einen weißen Hirschen. Nachdem Hubertus dieses prächtige Tier tagelang verfolgt hatte, blieb es offenbar stehen, wandte sich dem Jäger zu. Zwischen dem Geweih erschien ein Kreuz. Jesus selbst wollte Hubertus darauf aufmerksam machen, das Leben zu bewahren. Daraufhin legte Hubertus die Waffen nieder, aber nicht um sich der Hege und Pflege zu widmen, sondern um seinen ganzen Besitz zu verschenken und Priester zu werden.

Dieser Tag wird also zum Anlass genommen Waffen, Jäger, Hunde und tote Tiere zu segnen. Darin ist wohl letztlich etwas zu sehen, was sich über die gesamte Kirchengeschichte hinzieht, die Verbrüderung der Kirche mit dem Adel. War doch die Jagd über eine lange Zeit hinweg Privileg des Adels, der keineswegs aus der Not sich nähren zu müssen, jagte, sondern es als Zeitvertreib sah, während Menschen, die jagten um nicht zu verhungern, als Wilderer verfolgt und auch verurteilt wurden. Ein Überbleibsel dieser feudalen Spaßjagd findet sich auch heute noch in den Jagdgattern, die nach wie vor in vier Bundesländern in Österreich erlaubt sind, und in denen gezüchtete Tiere gejagt werden. Diese Verquickung von Obrigkeit und Kirche wird also nach wie vor zelebriert und zur Schau gestellt, was sich in einer demokratischen Gesellschaft überaus treffend ausmacht.

Aber es ist auch insofern passend, als dass die Kirche, allein schon aus ihrem Auftrag, einen genuinen Bezug zum Tod hat. Deshalb ist es auch nur recht und billig, dass sie ihren Segen dazu gibt. Denn wer daran glaubt, dass der Mensch die Krone der Schöpfung ist, der glaubt auch, dass er mit seinen Mitgeschöpfen verfahren darf wie er will. Dazu gehört es auch, sie nach Lust und Laune zu ermorden.

Amen!

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