Ein großer Spaß für die ganze Familie. So wurde es angekündigt, das Familienfest, ausgerichtet von der Firma NÖM in der Innenstadt von Baden, am 28. Mai 2016, also gleichzeitig mit der Veganmania. Die Familien wurden angesprochen, und sie strömten in Scharen. Die ganze Badener Innenstadt war vollgekleistert mit überdimensionalen Milchtropfen. Stationen fanden sich, an denen die Kinder sich austoben konnten und natürlich gab es jede Menge Kostproben. Zu Beginn befand sich ein überdimensionales Milchpackerl, dass man auch ja nicht irre gehen konnte. Ein einziger Stand fand sich, an dem wirkliche Informationen über die Milch bezogen werden konnten. Alles andere war dem Event geschuldet.

Nachgebaute Euter aus Plastik, bei denen die Kinder sich melkerisch betätigen konnten. Die Attrappe einer Kuh befand sich darüber. Fleißig wurde fotographiert, wie sich der hoffnungsvolle Nachwuchs an den künstlichen Kuhbrüsten zu schaffen machte. Stolzerfüllt die Brust, wenn es ihm tatsächlich gelang das Wasser durch die Löcher in den Eimer zu befördern. Ebenso fand sich ein großes Holzschild, das den Eingang zu einem Bauernhof signalisierte. Stillschweigend wurde unterstellt, dass die Kühe munter und lustig auf der Weide herumtoben dürfen. Mama, Papa und Kind in trauter Idylle vereint, so wie es eben auf einem Familienfest übermittelt werden sollte. Auch wenn die Wahrheit ganz anders aussieht. In verschiedenen Behältern konnte man erraten um was für Futter es sich handelt. Auch hier wurde dem Besucher weisgemacht, dass das Futter war, das die Kühe bekämen, Heu, Wiesenblumen etc., denn was hätte es sonst dort verloren gehabt.

Auch hier wurde kein Wort darüber verloren, dass die Kühe durchwegs mit Kraftfutter gemästet werden, weil sie sonst nicht den notwendigen Milchertrag bringen. Bringen sie nicht den nötigen Milchertrag, so kann der Bauer nicht wirtschaftlich arbeiten, denn die Preisdrücker sitzen auf der Abnehmerseite. Und wer ist die Abnehmerseite? Nun, unter anderem eine gewisse Firma NÖM. Aber auch darüber braucht man nicht zu reden. Schließlich soll es doch ein schönes Fest werden, an dem alle Freude haben. Da darf man schon ein wenig auf die Heile-Welt-Postkarten-Idylle zurückgreifen. Und wer wird es schon so eng sehen? Ist auch letztlich egal was mit der Kuh ist. Wichtig sind Spaß, Action und viele tolle Geschenke. Würde man genauer hinsehen, würde man sich einlassen das Leben einer Turbomilchkuh zu verfolgen, so würde man die Idylle zerstören. Aber wer will das schon?

Eigentlich sollte einem der Hausverstand sagen, dass bei diesem extrem niedrigen Milchpreis eine artgerechte Haltung nicht möglich ist. Eigentlich sollte einem der Hausverstand sagen, dass es unsinnig ist immer mehr Milch zu produzieren, obwohl das Angebot die Nachfrage bereits bei weitem übersteigt und damit der Preis noch mehr gedrückt wird. Eigentlich sollte einem der Hausverstand sagen, dass es wahnwitzig ist immer mehr und mehr Milchprodukte zu kaufen, weil sie so unheimlich billig sind, bloß um sie wegzuschmeißen. All das Leid der Tiere wird an diesem Punkt vollends absurd. Ein Leid letztlich für die Müllhalde.

Aber an diesem Samstag, da lassen wir die Kritik und auch den Hausverstand draußen, denn schließlich geht es ja um den Spaß. Und das Leid, das gibt es doch sowieso. Daran kann ja niemand was ändern. Oder vielleicht doch?

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