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Es ward beraten und entschieden. Anders als unser deutscher Nachbar, wird in Österreich die betäubungslose Ferkelkastration nicht verboten. Der Grund dafür liegt darin, dass den Bauern nicht zumutbar ist, dass sie wegen solch einer Lappalie einen Tierarzt rufen. Und was tut das auch schon? Es sind ja nur zwei kleine Ritzer in der Haut, die Hoden werden herausgezogen und mit der Schere abgezwickt. Rasch und effektiv. Die kleinen männlichen Ferkel spüren ja fast nichts. Davon kann sich in diesem Video jeder selbst überzeugen. Ganz entspannt sind sie, und spüren auch gar keine Schmerzen:

https://player.vimeo.com/video/6100805?byline=0&portrait=0&color=b20012

So können wir dann unser billiges Schweinefleisch nach Deutschland exportieren, so der zynische Nachsatz nach der Ablehnung des Verbotes. Dabei geht es um wirklich große Summen. Einen Cent würde das Kilo Fleisch mehr kosten, wenn die Ferkel mit Narkose kastriert werden würden. Das ist natürlich ein großer Wettbewerbsvorteil, und diesen hat das Wettbewerbsministerium zu schützen. Oder hat irgendwer gemeint, es ginge beim Tierschutzministerium um den Schutz der tierischen Interessen? Offenbar geht es um den Schutz der menschlichen Interessen vor den tierischen.

Nicht nur, dass das Fleisch enorm verteuert wird, ließe man die Eber einfach Eber sein, dann stinkt das Fleisch. Und das kann man wiederum dem Konsumenten nicht zumuten. Dabei haben Studien festgestellt, dass dies nur in einem geringen Ausmaß der Fall ist. Auch was die angebliche Aggressivität betrifft, konnte der Nachweis erbracht werden, dass Eber zwar öfter aufreiten, sich dabei aber keine oder nur minimale Verletzungen zufügen. Da sind die Verletzungen, durch das gegenseitige Abknabbern von Schwänzchen und Ohren aus purer Langeweile, viel drastischer. Und Schweine langweilen sich schon mal, wenn sie auf engstem Raum eingepfercht werden.

Wieder einmal haben ökonomische Interessen über die Interessen der Tiere gesiegt. Wieder einmal wurde ein Urteil gesprochen, das unsägliche Schmerzen für 2,7 Millionen Tiere pro Jahr bedeutet. Wieder einmal wird es den meisten egal sein. Wenn sie das nächste Mal den sündhaft teuren Webergrill anwerfen, mit dem sie vor den Freunden und Bekannten prahlen, dann schmeißt man das geruchslose, billige Fleisch vom Diskonter ums Eck drauf, denn wer fragt denn schon danach woher das Fleisch kommt. Und während schmatzend das saftige Steak verputzt wird, werden irgendwo einem kleinen, lebenslustigen Ferkel die Eier abgeschnitten. Aber daran wird auch nicht gedacht, wenns schmeckt. Und wenn ich es erwähne? Dann werde ich aufgefordert nicht so grausliche Geschichten zu erzählen, nicht beim Essen. Ja, klar.

Wer die Eier hat das nicht einfach hinzunehmen, der kann immer noch auf www.armeschweine.at die Petition zugunsten einer schmerzfreien Ferkelkastration unterzeichnen, denn das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

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G. Szekatsch

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