Päpstestreit Grund für Spaltung der katholischen Kirche ?

In einer Artikel in der "Welt" hat der frühere Papst Ratzinger / Benedikt XVI. nun eine Gegenposition zu Papst Franziskus / Bergoglio in der Sache des Zölibats bezogen.

Auch in anderen Angelegenheiten, beispielsweise in der Frage des Islam gab es Meinungsunterschiede zwischen den beiden: während Benedikt in seiner Regensburger Rede den byzantinischen Kaiser Manuel II. mit seiner Islamkritik zitiert hatte, sah Franziskus / Bergoglio im Islam und in islamischer Zuwanderung nie ein Problem.

Für mich als Randkatholiken ist auch diese Konfrontationsstellung zwischen den beiden Pästen irgendwie blöd, weil ich in Fragen des Zölibats auf Seiten von Bergoglio/Franziskus, hingegen in Fragen der Islamkritik auf Seiten von Benedikt/Ratzinger bin.

Auch wenn eine Kirchenspaltung daher irgendwie naheliegend erscheint, ist es keinesfalls so, dass sie alle Probleme lösen würde.

https://www.msn.com/de-at/nachrichten/chronik/%e2%80%9eich-kann-nicht-still-bleiben%e2%80%9c-%e2%80%93-benedikt-xiv-warnt-papst-franziskus/ar-BBYSX92?ocid=ACERDHP17

https://www.welt.de/vermischtes/video204970212/Priesterliches-Zoelibat-Frueherer-Papst-Benedikt-XVI-appelliert-an-Nachfolger-Franziskus.html?wtrid=onsite.onsitesearch

Letztlich sollte man die Frage auch im Kontext sehen der Vorbildwirkung auf andere Religionen: gerade, was Gewaltfrage und Derogationsprinzip betrifft (Derogation der Alkoholerlaubnissuren durch Alkoholverbotshadithen, also später gesammelte Aussprüche von Mohammed) kann man die These vertreten, dass der Islam sich stärker am Vorbild des Christentums orientieren sollte und an seiner Tendenz, oft die Frage danach zu stellen, was die Urchristen taten.

Aber da der erste Papst, nämlich Petrus, verheiratet war und Kinder hatte, muss man hier gemäß dem Urreligionsprinzip eigentlich das Zölibat abschaffen, und kann dann auch auf den Pazifismus des Ur-Islam und auf die Alkoholerlaubnis im Ur-Islam hinweisen, was dann wiederum zahlreiche interreligiöse Konflikte entschärfen könnte.

Das wäre dann so gesehen eine von anderen Religionen abhängige Interpretation der eigenen Religion: man sieht nicht nur auf die eigenen religiösen Grundlagen, sondern bedenkt bei der Interpretation der eigenen Religion mit, welche Auswikrungen diese Interpretation auf die Interpretation anderer Religionen haben kann.

https://www.fischundfleisch.com/dieter-knoflach/gibt-es-im-islam-ueberhaupt-ein-alkoholverbot-61976

Aber ich begrüße auf jeden Fall, auch wenn ich die Zölibats-Position kritisiere, die offene Kritik von Ratzinger an Bergoglio. Diese kann man auch als Verletzung des Dogmas von der Unfehlbarkeit des Papstes sehen, so wie es am Ersten Vatikanischen Konzil beschlossen wurde, dem ich ohnehin ablehnend gegenüberstehe.

Eine offene Debatte ist immer noch besser als irgendwelche Wahnsinnstaten, die die Folge sind, wenn man Dinge nicht offen debattieren kann.

Auf seine Art ist Ratzinger ein unorthodoxer Intellektueller, auch wenn ich seine Positionen oft nicht teile.

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Margaretha G

Margaretha G bewertete diesen Eintrag 15.01.2020 00:48:04

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