"Die Österreicher sind ein fürchterlich hysterisches Volk", sagte der österreichische Philosoph Rudolf Burger einmal.

Und das, was sich rund um die Canakkale-Feiern in so mancher Wiener Moschee in Medien und Politik und Blogs abspielt, kann man durchaus als Hysterie und FakeNews bezeichnen.

Ich möchte einmal hier den advocatus diaboli spielen, und alles erwähnen, was in diesem einen, einzigen Fall im Unterschied zu Vielem Anderen für Erdogan und ATIB und für die Canakkale-Feiern spricht.

Dabei ist (abgesehen davon, dass damals 1915 das osmanische Reich mit Österreich-Ungarn verbündet war und dass der islamkritische Kemal Atatürk türkischer Oberbefehlshaber war) insbesondere der aussenpolitische Hintergrund zu berücksichtigen:

Die syrischen Sunniten sind die grossen Verlierer des Syrienkriegs, in dem die alawitisch-russisch-iranische Militärallianz in großem Umfang syrische Sunniten vertrieb. (Die syrischen Alawiten, denen auch die Assad-Familie angehört, steht dem Schiitentum und dem Iran nahe; zwischen Schiiten und Sunniten entwickeln sich oft Konflikte und Kriege).

Und die syrischen Sunniten werden schätzungsweise auch die großen Verlierer des sogenannten "Syrienfriedens" werden, der diese Bezeichnung wahrscheinlich gar nicht verdienen wird, weil es ein wahrscheinlich so ungerechter "Friedensschluss" werden wird, dass er möglicherweise neue Revanchekriege und / oder neuen Revancheterrorismus (möglicherweise auch in Form von Attentaten oder Attentatsversuchen auf Bashar al-Assad) verursachen wird.

Heute habe ich in einem der österreichischen FakeNews-Medien die Behauptung gelesen, hier würde durch die Canakkale-Feiern ein neuer Dschihadismus vorbereitet.

Soweit ich die Berichterstattung und die Bilder verfolgen kann, dürfte genau das Gegenteil der Fall sein: einem neuen Dschihadismus wird entgegengewirkt.

Hier wird Kriegsbegeisterung an Anfang und ein Haufen tote Kinder am Ende gezeigt und sonst gar nichts.

Die dschihadistische Inszenierung und Kriegspropaganda wäre völlig anders:

Statt tote, am Boden liegende Kinder zu zeigen, würde dschihadistische Propaganda Soldaten oder Kindersoldaten zeigen, die in den Himmel kommen, dort von Allah und Mohammed gelobt und beschenkt werden, vielleicht sogar im Falle von jungen Männern von Allah oder Mohammed mit sieben bis fünfzig Jungfrauen beschenkt werden.

Das, was ich erkennen kann, ist keine dschihadistische Propaganda, sondern eher eine anti-dschihadistische, säkulare, kemalismus-kompatible Inszenierung, die einem sich abzeichnenden Revanchismus entgegenwirkt.

Tote Kinder und nichts hinterher.

Die Türkei und Erdogan insbesondere sind, weil sunnitisch, logische Schutzmacht der sunnitischen Glaubensbrüder in Syrien.

Allerdings war die Türkei und auch Erdogan erstaunlich untätig in der Frage der sunnitischen Bruderhilfe in Zusammenhang mit den syrischen Sunniten, die die Hauptverlierer von sowohl Syrienkrieg als auch Syrienfrieden zu werden scheinen.

Es stellt sich die Frage, ob von EU und USA zwischen 2011 und 2013 Erdogan und der Türkei Annäherung an die EU versprochen wurde, für den Fall, dass Erdogan und die Türkei sich zurückhalten im Syrienkrieg.

(Für mich persönlich sieht es bei Zusammenrechnen aller Fakten der letzten sieben Jahre so aus). Und es sieht weiter so aus, als würde die EU dieses Versprechen an Türkei/Erdogan brechen, und als wäre dieser Versprechenbruch (auch und insbesondere durch Österreich) einer der Hauptgründe für die Entfremdung zwischen EU und Türkei.

Auch die vorgezogenen Neuwahlen in der Türkei haben aus meiner Sicht am ehesten den Hintergrund des wahrscheinlich ungerechten Syrienfriedens: die Position der alawitisch-russisch-iranischen Allianz ist durch militärische Siege und durch extreme Grausamkeit so stark, dass Erdogan und AKP nach diesem anti-sunnitischen "Friedenschluss" logischerweise bei Wahlen viel schlechter abschneiden wird, als bei vorgezogenen Neuwahlen.

Wiener Zeitung / Strasser https://austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Essays/Literatur/Meine_Position_zum_Staat_ist_anarchisch_%28Rudolf_Burger%29

Philosoph Rudolf Burger: Hat er recht mit seiner These, dass die Österreicher ein hysterisches Volk seien ?

Auch und insbesondere in Bezug auf Erdogan und ATIB in diesem Fall.

Er liess bei dieser seiner Bemerkung die Rolle mancher Medien unerwähnt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Revanchismus

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Dieter Knoflach

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