In den letzten Monaten zeichnet sich in Europa ein überraschendes, aber lang ersehntes Phänomen ab: Der Zerfall extremistischer Parteien. Statt weiter an Einfluss zu gewinnen, zerbröseln sie an innerer Zerrissenheit, Machtkämpfen und ideologischen Grabenkämpfen. Besonders drei Beispiele zeigen, wie tief die Spaltung geht – und warum sie kaum noch zu kitten ist. Doch nicht nur in Europa, auch in den USA verliert eine einst geschlossene Bewegung zunehmend an Halt: Die MAGA-Bewegung unter Donald Trump zeigt ähnliche Symptome der Orientierungslosigkeit.
BSW: Vom Hype zur Selbstzerstörung
Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) startete mit großem Medienrummel und dem Anspruch, eine „vernünftige Alternative“ zu den etablierten Parteien zu bieten. Doch schon nach wenigen Monaten zeigt sich: Die Partei ist ein zerrissenes Konglomerat aus Linkspopulisten, Ex-SPD-Mitgliedern und konservativen Querdenkern. Wagenknechts autoritärer Führungsstil und ihre widersprüchlichen Positionen – mal systemkritisch, mal regierungsnah – haben die Basis gespalten. Während die einen eine klare Abgrenzung vom „Establishment“ fordern, wollen andere pragmatische Kompromisse. Die Folge: Austrittswellen, öffentliche Streitigkeiten und ein rapider Vertrauensverlust. Ohne klare Linie und mit einer Führung, die sich in Widersprüchen verliert, zerfällt der BSW nun in unversöhnliche Lager.
Wilders’ PVV: Vom Triumph zum Debakel
Geert Wilders’ Partei für die Freiheit (PVV) feierte nach den niederländischen Wahlen 2023 einen historischen Sieg – doch der Jubel währte kurz. Die PVV, bekannt für ihre anti-islamische und EU-feindliche Rhetorik, scheiterte kläglich an der Regierungsbildung. Wilders’ radikale Forderungen nach einem „Nexit“ und der Abschaffung des Koran stießen selbst bei potenziellen Koalitionspartnern auf Ablehnung. Intern eskalierten die Konflikte: Gemäßigtere Kräfte warnten vor der politischen Isolation, während Hardliner jede Kompromissbereitschaft als Verrat brandmarkten. Als Wilders schließlich versuchte, seine Rhetorik zu mäßigen, verließen ihn die radikalsten Anhänger. Die PVV, einst eine geschlossene Protestbewegung, zerfällt nun in unvereinbare Flügel – zwischen pragmatischen Machtpolitikern und ideologischen Puristen.
AfD: Der offene Parteikrieg
Die Alternative für Deutschland (AfD) steckt in einer ideologischen Krise. In der AfD Sachsen-Anhalt tobt kurz vor der Landtagswahl 2026 ein offener Machtkampf: Der Landesvorstand leitete Parteiausschlussverfahren gegen Jan Wenzel Schmidt und Matthias Lieschke ein – Vetternwirtschaft - falsche Abrechnungen, dazu verschiedenste Schmutzecken - heimliche Video- und Tonbandaufnahmen - Leaken interner Dokumente - Kungeln mit extrem rechten Kreisen - Geschichtsrevisionismus - Relativierung von NS-Verbrechen - Verbrüderung mit der Identitäeren Bewegung, stehen präsent im Raum. Schmidt kontert mit eigenen Anschuldigungen gegen die Führung. Trotz hoher Umfragewerte schwächen interne Streitigkeiten und öffentliche Schlammschlachten die Partei. Die erträumte Regierungsverantwortung rückt durch die Zerrissenheit in weite Ferne. In Thüringen eskaliert der Konflikt, als Höcke-Anhänger Weidel-Vertraute aus Ämtern drängten. Die Partei zerbröselt in zwei unvereinbare Lager: die „Ultrarechten Höcke-Jünger“, die offen mit Verfassungsfeindlichkeit sympathisieren, und die „nur-rechtsextreme Weidel-Staffel“, die sich noch an den Rand des demokratischen Spektrums klammert.
MAGA-Bewegung: Fremdeln mit Trump*
Auch in den USA zeigt sich ein ähnliches Bild: Die einst so geschlossene MAGA-Bewegung verliert zunehmend ihre Orientierung. Während Donald Trump weiterhin als unangefochtener Anführer auftritt, wächst die Unzufriedenheit in den eigenen Reihen. Viele Anhänger fühlen sich von seiner zunehmend erratischen Rhetorik und den juristischen Skandalen entfremdet. Gleichzeitig drängen jüngere, radikale Kräfte wie die „Groypers“ oder die „America First“-Aktivisten in den Vordergrund und fordern eine noch kompromisslosere Linie – weg von Trump, hin zu einer neuen, noch extremeren Führung. Die Bewegung, die einst auf der Ablehnung des politischen Establishments gründete, zerfällt nun in unzählige Splittergruppen, die sich gegenseitig die Legitimität absprechen. Trump selbst scheint zwischen den Fronten zu stehen: Zu radikal für die Gemäßigten, zu unberechenbar für die Hardliner.
Selbstverschuldeter Niedergang
Der Niedergang dieser Parteien und Bewegungen ist kein Zufall, sondern Folge ihrer eigenen Radikalität. Extremismus lebt von klaren Feindbildern und einfachen Lösungen – doch Realpolitik erfordert Kompromisse. Wo diese verweigert werden, bleibt nur der Zerfall. Der BSW scheitert an seiner ideologischen Beliebigkeit, die PVV an ihrer Unregierbarkeit, die AfD an ihrem offenen Bürgerkrieg, und die MAGA-Bewegung an ihrer wachsenden Orientierungslosigkeit. Vielleicht ist das der Beweis: Extremismus frisst seine Kinder – und am Ende sich selbst.