Die Meldung sorgt für Aufsehen: Lehrerbewerber ziehen ihre Zusagen für Stellen in Sachsen-Anhalt zurück. Als Grund nennen sie die politische Entwicklung nach dem starken Abschneiden der AfD.
Eigentlich sollte das niemanden überraschen. Gut ausgebildete Lehrer können sich ihren Arbeitsplatz oft aussuchen. Und viele haben wenig Lust, in ein Bundesland zu gehen, das zunehmend nach rechts driftet. Wer möchte seine berufliche Zukunft an einem Ort aufbauen, an dem ständig über eine „neue Schulpolitik“, die Abschaffung der Schulpflicht zugunsten einer Bildungspflicht und einen ideologischen Umbau des Unterrichts diskutiert wird?
Die Sorge vieler Pädagogen dürfte dabei weniger das Unterrichten selbst sein als die politische Atmosphäre. Lehrer verstehen sich als Vermittler von Wissen, Demokratie, Pluralismus und kritischem Denken. Wenn jedoch der Eindruck entsteht, Bildung solle politisch gelenkt und an national-konservative Weltbilder angepasst werden, dann suchen sich viele lieber andere Arbeitsorte.
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Natürlich kann niemand behaupten, Sachsen-Anhalt sei bereits ein faschistisches Bundesland. Aber ebenso wenig lässt sich leugnen, dass manche politische Forderungen und die öffentliche Stimmung bei vielen Menschen entsprechende Befürchtungen auslösen. Wer solche Warnsignale ignoriert, sollte sich nicht wundern, wenn Fachkräfte ausbleiben.
Vor diesem Hintergrund wirkt die Forderung nach einer Lockerung oder Abschaffung der klassischen Schulpflicht fast wie ein politischer Treppenwitz. Vielleicht ahnt man längst, dass der Lehrermangel noch dramatischer werden könnte. Wenn immer weniger Lehrer kommen wollen, braucht man am Ende weniger Schulen. Das löst zwar kein Problem, kaschiert aber die Folgen.
Die eigentlichen Leidtragenden sind die Schülerinnen und Schüler. Denn Bildung lebt nicht von Parteiprogrammen, sondern von engagierten Lehrkräften. Wenn diese Sachsen-Anhalt zunehmend meiden, dann ist das kein Randproblem, sondern ein ernstes Warnsignal für die Zukunft des Landes.