Wie Facebook zum Brandstifter in Myanmar wurde

Stell dir vor, ein riesiger Spielplatz, auf dem plötzlich alle nur noch Lügen und böse Geschichten über eine bestimmte Gruppe von Menschen erzählen – nämlich über die Muslime in Myanmar, die man Rohingya nennt. Genau so einen Spielplatz gab es im Internet: Facebook.

In Myanmar war Facebook für fast alle Menschen das gesamte Internet. Wenn das Handy anging, war Facebook da. Das wussten auch das Militär und ein paar radikale Gruppen. Sie nutzten die App, um den Menschen schreckliche Angst einzujagen. Sie schrieben jeden Tag Dinge wie: „Die Rohingya sind wie Ratten“ oder „Sie wollen uns alle vernichten.“ Das ist das Gegenteil von Wahrheit, aber es klang für viele aufregend.

Und hier passierte der große Fehler von Facebook: Der Computer, der die App steuert (der Algorithmus), liebt Streit und Wut. Wenn jemand etwas total Böses und Aufregendes schreibt, klicken viele Menschen darauf. Facebook wollte aber, dass die Leute möglichst lange auf der Seite bleiben. Also hat der Computer dafür gesorgt, dass diese bösen Hetz-Nachrichten besonders vielen Menschen gezeigt wurden. Je lauter und hasserfüllter die Lügen waren, desto weiter wurden sie verbreitet.

Hilfsorganisationen haben Facebook immer wieder gewarnt: „Hört zu, hier sterben bald Menschen wegen dieser Lügen!“ Aber Facebook hat lange weggeschaut. Sie hatten kaum Mitarbeiter vor Ort, die die Sprache verstanden oder sich für das Land interessierten.

Als dann 2017 das Militär in Myanmar anrückte, um die Dörfer der Rohingya zu verbrennen und die Menschen zu vertreiben, war Facebook schon wie ein riesiges Megafon für den Hass gewesen. Die Menschen auf der Straße waren durch die vielen Lügen im Internet so wütend und verängstigt gemacht worden, dass sie dachten, sie müssten sich wehren – obwohl die Rohingya gar nichts Böses getan hatten.

Ein UN-Bericht hat später klipp und klar gesagt: Ohne Facebook und diesen ständigen Strom aus Lügen wäre diese schreckliche Katastrophe und die Vertreibung Hunderttausender Menschen so niemals möglich gewesen.

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