Berührendes Westerwelle-Interview - "ich will unbedingt weiterleben" (gest. 18.3.16)!

Im STANDARD las ich unter Westerwelle gestorben - "De mortuis nihil nisi bene" einen nur vernichtend negativen Beitrag, obwohl man "über Tote nichts Negatives nachsagen soll" und schon gar nicht , wenn man die Leidensgeschichte Westerwelles durchgemacht hat.http://derstandard.at/2000033193321/Guido-Westerwelle-ist-tot

Der STANDARD sinkt immer tiefer im Niveau!!!

SPIEGEL - berührendes Interview Westerwelle “Ich will unbedingt weiterleben” (Blutkrebs 6/2014)….FAZ: “Schreiben, um ein Mensch zu bleiben”…Guido Westerwelle erzählt in seinem Buch “Zwischen zwei Leben” vom Kampf gegen die Leukämie, der Tod war näher… Es ist die Geschichte einer Läuterung, der laute Westerwelle ist leiser geworden….Zu pflichtbewusst“ sei er gewesen und zu dumm: „Zu dumm zu erkennen, dass man nicht lebt, um zu arbeiten, sondern arbeitet, um zu leben”….Was bereuen Sie im nachhinein am meisten?… “Ich habe zuviel gearbeitet”….“Carpe diem”.. Man freut sich an den kleinen Dingen des Lebens: “Nutzen wir unser Leben und vergeuden es nicht”!

Was bereuen Sie im nachhinein am meisten?

“Ich habe zuviel gearbeitet”….

Meine Eltern waren beide Juristen und hatten keine Zeit für mich. Im Leben ging es ihnen immer nur um Leistung, über Gefühle wurde nicht gesprochen.

Meine Mutter meinte, meine Homosexualität wächst aus und schickte mich zu einem Psychologen. W. ist mit einem Mann verheiratet und betont, dass die “Homosexuellen-Ehe” keine Ehe zweiter Klasse ist. Er hat mich am meisten gestützt.

Ich wurde viel kritsiert und attackiert, holte für die FDP jedoch das beste Wahlergebnis. Zu kurz gekommene Heckenschützen in der eigenen Partei schossen Westerwelle wegen eine negativen HartzIV-Äußerung ab.

Ich blicke jetzt ohne Groll zurück, das ist eben so in der Politik. Deutschland enthielt sich unter seiner Zeit als Verteidigungsminister beim Libyen-Konflikt. Die Früchte der Lybienintervention sieht man jetzt (Migrationswelle). Soldaten zu schicken, ist die härteste Währung in der NATO. “Kollateralschäden” , für den Tod vieler unschuldiger Kinder und Frauen verantwortlich.

Krebs (seine Leukämie) und der Tod sind “egalitär”, sie machen alle Menschen gleich. Westerwelle erlebte auch einen allergischen Schock, wo er dem Tod näher als dem Leben stand. Ich weiß jetzt, wie sich das Sterben anfühlt. W. bekam eine Immuntherapie und damit auch eine andere Blutgruppe, das alte Immunsystem wurde durch die Chemo vernichtet. Die Chemo waren keine schwachen Pillen. Kafka-Vergleich “Die Verwandlung” mit Gregor Samsa im Roman.

Merkel lud ihn zum Mittagessen ein.

Was hätte Merkel machen sollen, Wasserwerfer oder Waffengewalt gegen Flüchtlinge. Diese Bilder wären um die Welt gegangen. Wie wäre Deutschland dann dagestanden.“Die Menschenwürde sei nicht auf Deutschland beschränkt” war ein großer Satz Merkels. Den Zustand Europas betrachte ich mit Sorge, die Fliehkräfte werden stärker.

“Carpe diem”..

Man freut sich an den kleinen Dingen des Lebens:

“Nutzen wir unser Leben und vergeuden es nicht”!

FDP-Politiker Westerwelle: “Ich will unbedingt weiterleben”

Dmitrij Leltschuk/ DER SPIEGEL

Der frühere Außenminister Guido Westerwelle hat den Krebs besiegt. Im Gespräch mit dem SPIEGEL spricht der FDP-Politiker über die tückische Krankheit, seine Angst vor dem Tod - und darüber, wer ihm in der schwierigsten Phase seines Lebens Halt gegeben hat.

Guido Westerwelle hat schwere Zeiten hinter sich, aber er hat den Krebs besiegt. Erstmals seit seiner schweren Erkrankung geht er jetzt an die Öffentlichkeit, unter anderem in einem ausführlichen Gespräch im SPIEGEL. “Sie glauben gar nicht, was der Mensch alles aushält”, sagte der ehemalige Außenminister und frühere FDP-Vorsitzende über die vergangenen Monate. Im Juni 2014 war die Krankheit - Leukämie - bei Westerwelle zufällig entdeckt worden. Seine Ärzte drängten den Blutkrebs mit einer Transplantation von Stammzellen zurück. Nun muss sich sein Körper an das neue Immunsystem gewöhnen. “Ich wollte und ich will unbedingt weiterleben”, sagte Westerwelle

Im SPIEGEL erzählt er nun von der zufälligen Entdeckung seiner Krankheit, von den Qualen der Chemotherapie, vom Warten auf einen Spender, von seinen Hoffnungen, Enttäuschungen und Ängsten.

“Schlimm war, als ich dachte, ich muss sterben”, so Westerwelle. In dem Gespräch, das in Köln geführt wurde und vier Stunden dauerte, berichtet er auch freimütig von seiner Jugend in Bonn, von einem Versuch, ihm seine Homosexualität auszureden, von seinen guten und bösen Erfahrungen in der Politik und von dem Halt, den er bei seinem Ehemann Michael Mronz findet.

Westerwelle hat seine Erfahrungen auch in einem Buch mit dem früheren Stern-Chefredakteur Dominik Wichmann festgehalten, das in diesen Tagen erscheint und das er an diesem Sonntag zusammen in der Hauptstadt mit dem Journalisten vorstellt. Seit seiner Erkrankung hatte sich Westerwelle fast vollständig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, gelegentlich gab es Bilder von seltenen Auftritten, wie etwa vom Besuch des Großen Preis von Aachen im Mai 2015. Aus der Politik zurückgezogen. Die Rückkehr an die Öffentlichkeit hatte Westerwelle vorsichtig eingeleitet. Erstmals hatte der 53-Jährige im September wieder in der Hauptstadt einen öffentlichen Termin wahrgenommen, zu dem auch Journalisten eingeladen waren - in den Räumen der von ihm kurz nach seinem Abgang als Außenminister mitgegründeten “Westerwelle-Foundation”.

Aus der Politik hat sich Westerwelle zurückgezogen. Zwar steht er gelegentlich in Kontakt mit FDP-Chef Christian Lindner, doch äußert er sich nicht öffentlich zu Parteiinterna. Lindner war auch im September dabei, als in Düsseldorf die nordrhein-westfälische Ministerpräsidenten Hannelore Kraft (SPD) Westerwelle den Verdienstorden des Landes verlieh. Westerwelles Wahlkreis war bis zu seinem Ausscheiden aus der Politik Bonn, seine Heimatstadt.

Die FDP hatte Westerwelle bis zu dem von Parteimitgliedern erzwungenen Abgang im Frühjahr 2011 zehn Jahre lang geleitet. Von Herbst 2009 bis zum Dezember 2013 war er Außenminister der Bundesrepublik Deutschland. Unter seiner Führung hatten die Liberalen 2009 ihr bislang bestes Ergebnis erzielt (14,6 Prozent), konnten aber während der darauffolgenden schwarz-gelben Koalition ihr Wahlversprechen - Senkung der Steuern - nicht umsetzen. Das wurde auch Westerwelle angekreidet. Vor zwei Jahren kam die FDP erstmals in ihrer Geschichte nicht mehr in den Bundestag. In jüngsten Umfragen liegt sie bei fünf Prozent und könnte so die Rückkehr ins Parlament schaffen.

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Es ist gar nicht unwahrscheinlich, dass jener Tag, an welchem Guido Westerwelle sein Ministeramt verlor, ihm letztlich das Leben gerettet hat. Als Deutschlands Außenminister hätte Westerwelle die Schmerzen in seinem rechten Knie, die ihn seit einem Fehltritt beim Jogging plagten, vermutlich nicht so ernst genommen. Nicht so ernst auf jeden Fall wie all die Termine und Dienstreisen und all die anderen Dinge, denen viele Erfolgsmenschen mehr Beachtung schenken als dem eigenen Körper. Dem abgewählten Politiker und Privatier hingegen, der Urlaubstage auf Mallorca und in New York auch zum Sport nutzen wollte, wurden die Beschwerden dann doch lästig genug, um einen Arzt aufzusuchen. Allein durch die Blutabnahme kurz vor der Meniskusoperation erfuhr Westerwelle, dass er an akuter myeloischer Leukämie erkrankt war, und ohne schnelle Behandlung wahrscheinlich bald sterben würde.

Autor: Jörg Thomann, Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Folgen:

In seinem Buch „Zwischen zwei Leben“, das am Dienstag beiHoffmann und Campe erscheint, sinniert Westerwelle über „die Macht des Schicksals“, das die frühe Entdeckung des Krebses möglich machte. Zugleich jedoch fragt er sich, ob sein jäher Absturz aus der Beletage der Politik ihn überhaupt erst krank gemacht hat. Dieses Abwägen, die Ahnung, dass es einfache Wahrheiten nicht gibt, das ist etwas, was man von Guido Westerwelle nicht unbedingt gewohnt ist.

Man hatte nicht mehr viel gehört von ihm seit jenem 20. Juni 2014, an dem er über sein Büro seine Erkrankung verkünden ließ und darum bat, seine Privatsphäre zu respektieren. Sollte sich jemand daran nicht gehalten haben, so drang er jedenfalls nicht an die Öffentlichkeit durch. Im Sommer dieses Jahres hatte sich ein gealtert und geschwächt wirkender Westerwelle bei einem Reitturnier seines Ehemanns Michael Mronz blicken lassen. Sein Comeback als öffentliche Person feiert – diese Vokabel darf hier getrost verwendet werden – er jetzt mit seinem Buch, das er geschrieben hat, „um ein Mensch zu bleiben“.

„Der Verhasste“

Dass er überhaupt einer war, haben ihm seine Feinde mitunter abgesprochen. Kein Politiker der jüngeren Geschichte hat hierzulande den Hass und die Häme in solchem Maß auf sich gezogen wie Westerwelle, dem man wenig schmeichelhafte Etiketten anheftete: Er war der kalte Sozialdarwinist, der nervige Spaß- und Steuerpolitiker, der vorlaute Besserwisser.

Ein Juristenspross, der das Recht stets auf seiner Seite wusste. Die einen schmähten ihn, weil er dem Neoliberalismus ein oft verbissenes Gesicht gab, die anderen, weil er schwul war und es nicht zugab; wieder andere, weil er es später zugab.

„Der Verhasste“, betitelte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 2011 ein Porträt über ihn, „Der Egonaut“ hieß eines aus dem Jahr zuvor. „Der Ungemochte“ überschrieb 2009 der „Spiegel“ sein Stück über den Politiker, der seine FDP gerade zu einem triumphalen Wahlerfolg geführt hatte und kurz davorstand, Außenminister Deutschlands zu werden. Gerade sechs Jahre ist das erst her, und es kommt einem vor wie eine Ewigkeit.

Mit seiner Aggressivität wirkte Westerwelle fast wie ein Relikt aus alten bundesrepublikanischen Kampfestagen, obschon er immer einer der Jüngsten war: mit 33 Generalsekretär, mit 39 Parteichef, mit 40 – auch wenn dies mehr ein übermütiger Marketing-Gag war – Kanzlerkandidat der FDP. Bei alledem wirkte Westerwelle so schneidig und selbstbewusst, dass man seinen Karriereweg für glatter und geradliniger halten konnte, als er es tatsächlich war, und übersah, dass er von Anfang an hatte kämpfen müssen – spätestens, seit der von der Trennung seiner Eltern tief getroffene Junge vom Gymnasiasten zum Realschüler abgestiegen war.

Nächte der Ängste und Albträume

„Eine Niederlage, was für eine Niederlage“, konstatiert Westerwelle in seinem Buch. Eine Niederlage, die ihn „zu einem Besessenen“ werden ließ: „„Du musst besser als die andern sein, dann kann dir keiner was.“ Am Ende schien der Mann, der stets mit Höchstgeschwindigkeit unterwegs war, nicht mehr bremsen zu können. Mit 52 war er zum Elder Statesman geworden. Mit 53 war er fast tot. Dass er noch lebt, verdankt er wahrscheinlich auch jener Eigenschaft, die ihn schon in seiner Zeit als Politiker ausgezeichnet hat: der Fähigkeit, kämpfen zu können.

So eine Autobiographie, wie sie Westerwelle geschrieben hat, möchte eigentlich niemand schreiben müssen, schon gar kein Politiker. Mit wohltemperierter Welterklärung, wie sie zwangspensionierte Staatsmänner alle paar Jahre vorlegen, hat „Zwischen zwei Leben“ nichts gemein. Und ist gerade deshalb zum wohl besten Politikerbuch der vergangenen Jahre geworden. Das liegt sicher auch an Westerwelles Koautor Dominik Wichmann, einem Journalisten, den er seit langen Jahren kennt und dem er in entscheidenden Etappen Einblicke in sein Leben gewährte – und der, seit er seinerseits 2014 als Chefredakteur des „Stern“ abgesägt wurde, mit Westerwelle die Erfahrung teilt, plötzlich nicht mehr gebraucht zu werden.

Als Deutschland in Brasilien Fußballweltmeister wurde, lag der Mann, der das Land einst im Ausland repräsentiert hatte, in seinem Krankenzimmer, nicht in der Lage, sein Bett zu verlassen. Er durchlitt Nächte der Ängste und Albträume. Näher am Tod als je zuvor wähnte sich Westerwelle, als es zu einem allergischen Schock kam.

Ein Schock ganz anderer Art war es, als der behandelnde Arzt ihm eröffnete, dass – was der Mediziner an dieser Klinik noch nie erlebt habe – der Knochenmarkspender, dessen Stammzellen Westerwelles Rettung bedeuten sollten, abgesprungen war.

Westerwelle war „zu pflichtbewusst“

„Zwischen zwei Leben“ bezieht sich auf jenes Stadium der Transplantation, wenn das eigene, kranke Knochenmark nach einer Ganzkörperbestrahlung zerstört ist und die fremden Stammzellen noch keine neuen Blutzellen produziert haben; in dieser Phase ist der gemarterte Körper so anfällig für Infektionen wie nie. Medizinisch kann man einiges aus Westerwelles Buch lernen.

Natürlich aber ist mit dem Titel noch viel mehr gemeint. So unbarmherzig, wie die Medikamente in seinem Körper toben, so schonungslos durchdringt Westerwelle sein Seelenleben. „Weil ich mich nach der Anerkennung sehnte, die mir lange Zeit verwehrt geblieben war“, analysiert er, habe er zu viel gearbeitet. „Zu pflichtbewusst“ sei er gewesen und zu dumm: „Zu dumm zu erkennen, dass man nicht lebt, um zu arbeiten, sondern arbeitet, um zu leben.“ Er sei „oft zu forsch“ gewesen, „weil ich oft unsicher war“, schreibt Westerwelle und hadert mit seinem Image: „Weder bin ich ein sturer Rechthaber noch ein unsensibler Eisklotz. Ich stand mir manchmal einfach nur selbst im Weg.“ Der Politiker, der keine Fehler tolerierte und schon gar keine eigenen, will nun erkannt haben, „dass Gelassenheit und Güte keine Indizien für Schwäche sind“. Das Buch bewahrt Balance und Würde

Den Krebs konnte er nur besiegen, weil er zuvor eine andere, eine Berufskrankheit überwand: niemand anderem zu vertrauen als sich selbst. Endlich einmal die Kontrolle abgeben. Zugleich erfuhr der Einzelkämpfer Guido Westerwelle ein ungeahntes Gemeinschaftsgefühl. Durch die Mitpatienten, bei denen er nicht der Minister a.D., sondern nur der kranke Guido war. Und durch die vielen Menschen, die Anteil an seinem Schicksal nahmen: „Noch nie in meinem Leben habe ich so viel Zuspruch und Zuneigung erfahren wie in den schwarzen Stunden.“

So ist „Zwischen zwei Leben“ auch die Geschichte einer Läuterung, eine Art Bildungsroman: Die neuen Leiden des nicht mehr ganz so jungen W. Dass jemand, der dem Tod ins Auge blickt, erkennt, worauf es wirklich ankommt im Leben, ist zwar keineswegs originell, sondern bei dieser Art von Büchern der Standard-Plot, doch selten ist der Protagonist so faszinierend wie Guido Westerwelle.

Ausgerechnet er, der seine Emotionen nie zeigen mochte, hat nicht nur ein Buch über den Krebs geschrieben, sondern auch eines über seinen Sehnsuchtsort Mallorca, über das Lebensgefühl der Stadt Köln, über das Dasein als homosexueller Politiker und, auch dies, über die Liebe.

Bisweilen kommt man dem einst so Distanzierten so nahe, dass es fast irritierend ist, wenn er etwa schreibt über „den kleinen runden Fleck neben Michaels linker Pupille, diesen Fleck, in den ich mich schon während unserer ersten Verabredungen verliebt hatte“. Doch Westerwelle und Wichmann gelingt es, im Buch die Balance und die Würde zu bewahren und den Politiker so zu präsentieren, wie ihn zuvor vielleicht nur sein – offenbar recht großer – Freundeskreis erlebte: als rundum sympathischen Kerl.

Von dem man auch dieses lesen darf: Die „Lehre meines zweiten Lebens“ sei die Erkenntnis, dass die Starken alles unternehmen müssten, damit sich „auch die Schwachen ihren Wunsch nach Freiheit erfüllen können. Man mag es Chancengleichheit nennen. Oder Gerechtigkeit.“ Guido, das Schreckgespenst der Sozialpolitiker, hat das G-Wort gesagt. Die Töne fallen heute leiser aus

Mit Angela Merkel, für die er nur lobende Worte findet, hat Westerwelle im Mai, wie er erzählt, „über die Bedeutung von Mitgefühl und Verantwortungsbewusstsein“ gesprochen. Es ist ein abenteuerlicher Gedanke – aber wer weiß: Vielleicht hat die Kanzlerin bei ihrem vielgescholtenen Schwenk hin zu einer empathischeren Politik in der Flüchtlingskrise ja auch den neuen Guido Westerwelle im Kopf gehabt.

Bei aller Gleichmacherei, die der Krebs betreibt, ist Westerwelle dennoch privilegiert gewesen: Nicht jedem ist solch ein intaktes Umfeld vergönnt, nicht jeder kann es sich leisten, vor der Transplantation bei einem mehrwöchigen Sylt-Urlaub wieder zu Kräften zu kommen, und nicht jeder wird von José Carreras, ebenfalls ein Leukämie-Überlebender, zu Hause besucht. In der Prominenz des – vorläufig geheilten – Patienten Westerwelle liegt aber auch eine große Chance für seine Leidensgefährten, die auf eine Knochenmarkspende hoffen.

Am heutigen Sonntagvormittag wird Westerwelle sein Buch im Berliner Ensemble den Journalisten vorstellen, am Abend ist er bei Günther Jauch zu Gast. Die „Bild“-Zeitung bekam einen Vorabdruck, der „Spiegel“ ein Interview, für das er sich mit einer Titelstory bedankte. So wie früher rührt Guido Westerwelle die ganz große Trommel, allerdings fallen die Töne heute leiser aus.

Als einer, der künftig weniger polarisieren und mit Worten nicht mehr verletzen möchte, dürfte sich Westerwelle im Politbetrieb mit seinen Rivalitäten und Ränkespielen nicht mehr zu Hause fühlen. Insofern markiert „Zwischen zwei Leben“ den endgültigen Abschied des Politikers Guido Westerwelle. Der Mensch Guido Westerwelle jedoch, in welcher Rolle auch immer, dürfte der Gesellschaft noch viel zu geben haben.

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