Wie wird man ein guter Amish? Teil 1

Zuallererst, wenn du ein guter Amish werden wollen, empfehle ich dir, mehr wie die Amish zu leben, um zu sehen, ob du damit umgehen kannst.

Zunächst mal die gute Nachricht: Deutsch ist ihre Muttersprache, doch die Heimat ihrer Vorfahren haben sie seit Jahrhunderten nicht gesehen. Sie sind Getriebene ihres Glaubens und sie leben abseits der Highways in den Tälern zwischen den Hügeln Pennsylvanias.

Ganz bewusst suchen die Menschen, die sich zu den Thesen der Amish bekennen, die Distanz zu allen Facetten des Fortschritts. Vielmehr erhoffen sie sich die Erfüllung in der Abgeschiedenheit ihres amerikanischen Zuhause und im Zusammenhalt ihrer Familien.

Das Land, das sie ernährt, erfährt Tag für Tag ihre Verehrung, denn sie sind davon überzeugt, dass sie den von ihren Vätern geerbten Boden letztlich nur von ihren Kindern geliehen haben.

In den modischen Shops von Philadelphia im Lancaster County wird man die Anhänger der Amishen so gut wie nie antreffen. Die Art der Bekleidung spielt für sie offensichtlich eine untergeordnete Rolle, denn die männliche Bevölkerung entscheidet sich fast immer für dunkle Farben und schlichte Formen.

Und alle bekleiden sich beim Gang zur Kirche oder in der Freizeit mit einem Hut – die Frauen sind häufig mit einer Haube unterwegs. Das verbreitetste Transportmittel ist seit jeher die Pferdekutsche und dank der fruchtbaren Felder und ihrer Tiere in den Höfen und auf den Weiden steht die Landwirtschaft fast überall hoch im Kurs.

Die Brunnen auf den Bauernhöfen sind vielerorts von Hand gegraben. Das so gewonnene Wasser gelangt durch Zisternen in die Wohnhäuser. Im Bestreben, sich selbst und die Familie zu versorgen, spielt der eigene Garten mit Obst und Gemüse bei den Amishen noch immer eine überragende Rolle. Und wenn die kalte Jahreszeit beginnt, füllen stets unzählige Gläser mit Gemüsen und mit Früchten die Weckgläser.

Honig, Ahornsirup und Marmelade lagern in den kühlen Vorratsräumen. Die Menschen benötigen in ihrer Abgeschiedenheit keine Autos, und viele lehnen sogar den Strom aus der Steckdose als Bequemlichkeit der unerwünschten Zivilisation ab. Ihr Streben gilt allein dem Bestellen der kostbaren Felder vor ihren Haustüren.

Strenge und Einfachheit sind die Elixiere eines Lebens in der Gemeinschaft der Amishen. Jene, die ihren Glauben ohne Wenn und Aber verinnerlicht haben, sehen in ihrem Familienverbund und in ihrer Gemeinde so etwas wie den Vorhof zum Paradies. Für sie ist dieser ihren Traditionen zugewandte Lebensstil alles andere als ein Auslaufmodell, und ihre eher „unamerikanische“ Philosophie erfreut sich mittlerweile in einigen Bundesstaaten eines unerwartet starken Zulaufs.

In einem Gebiet von Ohio bekennen sich offiziellen Angaben zufolge 42 Prozent der Einwohner zu den Ritualen und Überzeugungen der Amish. Segnungen der Zivilisation, wie Fernsehen, Kinos, Telefon, Musik oder Radio lehnen so gut wie alle ab.

Dies wird zunächst dein Einstieg zum Leben der Amish sein. Im zweiten Teil werd ich dir erklären, wie lange die Bärte sein dürfen und wie der Kirchgang vor sich geht.

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