Stell dir vor, du wachst morgens auf – nicht zum Klang der Pummerin, sondern zum Gebetsruf des Muezzins, der über den Donaukanal schallt. Vor deiner Tür: kein Billa, kein Spar, sondern ein gewaltiger Basar, auf dem Händler:innen in bunten Gewändern „Frische Feigen! Echte Seide! Original Wiener Schmäh!“ rufen. Willkommen in Bezistan, der Stadt, die fast war – und die wir uns manchmal, zwischen Bürokratie und Baustellen, heimlich zurückwünschen.
Bezistan: Die Stadt der 1.001 Basare
Vergiss die Mariahilfer Straße. Hier gibt’s die „Süleyman-Gasse“, wo du zwischen Gewürzständen, handgewebten Teppichen und (natürlich) Döner-Varianten, die es in dieser Dimension nicht gibt, umherirrst. Der „Billa“? Ersetzt durch den „Bez-Bazar“, wo du für dein Abendessen nicht nur einkaufst, sondern auch noch eine lebhafte Diskussion über die Qualität von Baklava mitbekommst.
Feilschen ist Pflicht. „5 Euro für eine Packung Kaffee? In Bezistan zahlt man 3,50 – und bekommt noch eine Geschichte über den Großvater des Händlers obendrauf!“
Öffnungszeiten? „Bis der letzte Kunde geht“ – also so gegen 3 Uhr morgens.
Minarette statt Stephansdom: Der Himmel über Bez
Der Stephansdom? Ein prächtiges Minarett, von dem aus man nicht nur die Stadt, sondern auch die neuesten Klatschgeschichten der Nachbarbezirke überblickt. Die Türme der Votivkirche? Mit Kuppeln verziert, und statt Glocke läutet hier der Muezzin – pünktlich um 5 Uhr morgens, damit auch der letzte Partygast im 7. Bezirk weiß: „Ja, es ist Zeit für einen Kaffee. Oder fünf.“
Touristenfotos? Nicht mehr vor der Karlskirche, sondern vor der „Süleymaniye-Moschee am Schwarzenbergplatz“ – mit dem obligatorischen Selfie im „Osmanischen Garten“ des Praters.
Heuriger? Abgelöst durch „Nargile-Bars“, wo man statt Most und Brettljause Wasserpfeife und Ayran serviert bekommt.
Verkehr: Pferdekutschen vs. Kamelkarawanen
Die U-Bahn? Ersetzt durch ein Netz aus unterirdischen Basargängen, in denen du dich verlaufen kannst – aber wenigstens findest du dabei das perfekte Geschenk für deine Tante. Die „Straßenbahnlinie 1“ fährt jetzt als „Sultan-Express“ und macht Halt an Stationen wie:
„Kaffeehaus der tausend Aromen“ (ehemals Café Central)
„Platz der verlorenen Schlüssel“ (weil jeder Wiener hier schon mal seinen Hausschlüssel verlegt hat)
„Tor zur Donau“ (wo die Schiffe nicht nach Bratislava, sondern nach Istanbul fahren).
Kulinarik: Von der Sachertorte zum Baklava
Die Wiener Küche? Fusion auf Osmanisch.
Sachertorte wird serviert – aber mit Pistazien statt Schokolade und einer Prise Rosenwasser.
Tafelspitz gibt’s immer noch, aber jetzt als „Sultan-Spitz“ mit Safranreis und Granatapfel-Dip.
Der Würstelstand um die Ecke? Jetzt ein „Kebap-Sultan“, wo du deinen Döner mit der Frage bestellst: „Mit oder ohne Goldfolie?“
Sprache: Wienerisch trifft auf Osmanisch
Die Wiener haben ihr „Oida“ und „Hobedieh“ – in Bezistan kommt jetzt noch ein „Maşallah!“ und „Inşallah“ dazu.
„I geh in’n Bez-Bazar, hoid!“
„Des woaß ma ned, ob’s a Guade is – frag ma den Händler!“
„Na, dann prost ma mit Ayran!“
Wir vermissen Bezistan ohne es wissen.
Am Ende wäre Bezistan vielleicht chaotischer, lauter und definitiv gewürzreicher – aber auch eine Stadt, in der Geschichten, Aromen und Kulturen auf eine Weise verschmelzen, die selbst der beste Wiener Schmäh nicht toppen kann.
Also tauschen wir Billa gegen Basar? Deinen Döner gegen ein echtes Kebap-Festmahl? Und den Stephansdom gegen ein Minarett, von dem aus man die ganze Stadt sehen – und hören – kann?
Oder ist dir die aktuelle Mischung aus Kaffeehaus, Bürokratie und „Irgendwie wird’s scho glei“ doch lieber?
;)