Seit etwa einem Jahr beschäftige ich mich ernsthaft mit dem Gedanken, nach Dubai auszuwandern. Nicht als Tagtraum, sondern ganz konkret: Was würde es kosten, wie funktioniert das mit den Steuern, was passiert mit meiner Sozialversicherung, und könnte ich mir das überhaupt leisten? Was als neugieriges Googeln begann, wurde schnell zu einem echten Recherche-Marathon. Ich möchte hier teilen, was ich dabei herausgefunden habe – für alle, die ähnlich denken.
Warum Dubai? Und warum gerade jetzt?
Zunächst das Offensichtliche: In den Vereinigten Arabischen Emiraten gibt es keine Einkommensteuer für Privatpersonen. Wer in Österreich oder Deutschland als Selbstständiger oder gut verdienender Angestellter arbeitet, kennt das Gefühl, wenn vom Brutto am Ende erstaunlich wenig übrig bleibt. In Dubai behalte ich mein Gehalt. Komplett. Das war der erste Gedanke, der mich überhaupt neugierig gemacht hat.
Aber es geht längst nicht nur um Steuern. Dubai hat sich in den letzten Jahren massiv verändert. Die Stadt investiert in Bildung, Gesundheitsversorgung, digitale Infrastruktur und Lebensqualität. Sie liegt geografisch perfekt zwischen Europa und Asien, hat einen der besten Flughäfen der Welt und eine Sicherheitslage, von der man in vielen europäischen Großstädten nur träumen kann. Und das Wetter? Gut, im Sommer wird es brutal heiß. Aber von Oktober bis April ist es schlicht paradiesisch.
Steuerfrage: Weniger einfach als gedacht
Keine Einkommensteuer klingt fantastisch. Aber so simpel ist es leider nicht. Seit 2023 gibt es in den VAE eine Körperschaftsteuer von neun Prozent – allerdings erst ab einem Gewinn von 375.000 AED, also knapp unter 100.000 Euro. Für kleinere Unternehmen fällt die also praktisch nicht an. Dazu kommt eine Umsatzsteuer von fünf Prozent, die im Vergleich zu den 20 Prozent in Österreich oder 19 Prozent in Deutschland geradezu bescheiden wirkt.
Was mich überrascht hat: Der eigentliche Knackpunkt ist nicht Dubai, sondern das Heimatland. Wer seinen steuerlichen Wohnsitz in Deutschland oder Österreich nicht sauber auflöst, bleibt dort steuerpflichtig. Die 183-Tage-Regel ist nur ein Faktor von vielen. Das Finanzamt schaut genau hin: Gibt es noch eine Wohnung? Familiäre Bindungen? Wirtschaftliche Interessen? Wer hier schlampig vorgeht, riskiert eine Doppelbesteuerung oder saftige Nachforderungen.
Mein Fazit nach etlichen Stunden Recherche: Ohne professionelle Steuerberatung würde ich diesen Schritt niemals gehen. Das Geld, das man sich dabei spart, ist minimal im Vergleich zu dem, was ein Fehler kosten kann.
Wie teuer ist Dubai wirklich?
Bevor ich angefangen habe zu recherchieren, hatte ich Dubai als unbezahlbares Luxus-Pflaster im Kopf. Die Realität ist deutlich differenzierter. Ja, eine Wohnung in Dubai Marina oder Downtown kann locker 80.000 bis 120.000 AED Jahresmiete kosten. Aber in Vierteln wie Jumeirah Village Circle, Dubai Hills oder Dubai South findet man Zweizimmerwohnungen schon ab 40.000 AED. Zum Vergleich: Für eine vergleichbare Wohnung in München oder Wien zahlt man ähnlich viel – bei deutlich höherer Steuerbelastung.
Benzin kostet einen Bruchteil dessen, was wir in Europa zahlen. Lebensmittel im Supermarkt sind auf ähnlichem Niveau, lokale Produkte sogar günstiger. Essen gehen bietet eine riesige Bandbreite: Ein gutes Mittagessen in einem lokalen Restaurant gibt es ab 20 AED, also etwa fünf Euro. Wer natürlich jeden Abend ins Nobu möchte, wird ein anderes Ergebnis bekommen.
Was wirklich ins Geld geht, sind Schulen für Kinder – internationale Schulen kosten zwischen 15.000 und 100.000 AED pro Jahr – und die Krankenversicherung, die in den VAE Pflicht ist. Aber auch hier gilt: Rechnet man die Steuerersparnis gegen, steht man in Dubai oft besser da als in der alten Heimat.
Visa und Firmengründung: Welche Optionen gibt es überhaupt?
Wer in Dubai leben will, braucht ein Residence Visa. Am häufigsten läuft das über eine Firmengründung in einer der über 40 Freezones. Das klingt komplizierter als es ist: Im Grunde gründet man eine Gesellschaft, erhält darüber sein Visum und kann mit dieser Firma international arbeiten. Die Kosten liegen je nach Freezone zwischen 15.000 und 40.000 AED pro Jahr inklusive Visum.
Die Alternative ist das Golden Visa, das für Investoren, Unternehmer und Fachkräfte geöffnet ist. Besonders beliebt: der Weg über Immobilien. Wer eine Immobilie im Wert von mindestens zwei Millionen AED kauft, bekommt ein Zehn-Jahres-Visum. Für ältere Semester gibt es zudem das Retirement Visa ab 55 Jahren.
Was mich positiv überrascht hat: Die Firmengründung in Dubai geht unglaublich schnell. In manchen Freezones hat man seine Lizenz innerhalb weniger Werktage. Verglichen mit dem bürokratischen Aufwand einer GmbH-Gründung in Deutschland ist das fast surreal.
Alltag in Dubai: Zwischen Klischee und Realität
Wenn man «Dubai» hört, denkt man an Wolkenkratzer, Luxusautos und Wüste. Der tatsächliche Alltag ist deutlich normaler – und angenehmer, als man vermuten würde. Die Infrastruktur ist hervorragend: Metro, saubere Straßen, schnelles Internet, alles digital. Behördengänge lassen sich oft komplett per App erledigen. Die Kriminalitätsrate ist extrem niedrig. Ich habe mit mehreren Auswanderern gesprochen, und das Thema Sicherheit kommt immer wieder als einer der größten Pluspunkte.
Die deutschsprachige Community in Dubai ist überraschend groß. Es gibt deutsche Schulen, Stammtische, Ärzte, die Deutsch sprechen, und aktive Netzwerke für Unternehmer. Man muss nicht befürchten, in eine völlige Isolation zu geraten. Gleichzeitig lebt man in einer Stadt mit Menschen aus über 200 Nationen – das erweitert den eigenen Horizont enorm.
Natürlich gibt es auch Schattenseiten. Die Sommer sind brutal, kulturell gelten andere Regeln als in Europa, und wer tiefe Verwurzelung in der Heimat hat, wird das Auswandern emotional nicht leicht finden. Man sollte sich das ehrlich eingestehen, bevor man den Schritt wagt.
Netzwerken hilft
Ein Punkt, den ich anfangs unterschätzt habe: In Dubai läuft sehr viel über persönliche Kontakte. Die Geschäftskultur basiert auf Vertrauen und Beziehungen, deutlich stärker als in Europa. Wer einfach nur sein Laptop aufklappt und von der Wohnung aus arbeitet, verpasst einen großen Teil dessen, was Dubai ausmacht. Networking-Events, Business Breakfasts und Branchentreffen gibt es ständig – und sie sind oft der Startpunkt für neue Geschäftsmöglichkeiten.
Für deutschsprachige Unternehmer gibt es mittlerweile eigene Netzwerke und regelmäßige Veranstaltungen. Die Community ist hilfsbereit und teilt Erfahrungen offen. Das hat mich in meinen Gesprächen mit Auswanderern besonders beeindruckt: Die Bereitschaft, Wissen zu teilen und sich gegenseitig zu unterstützen, ist in Dubai ausgeprägter als ich es aus dem DACH-Raum gewohnt bin.
Gesundheitliche Absicherung?
Ein Thema, das viele erst spät auf dem Schirm haben: die Krankenversicherung. In den VAE ist sie Pflicht, und das ist auch gut so. Die medizinische Versorgung in Dubai ist auf internationalem Spitzenniveau – allerdings hat das seinen Preis. Eine vernünftige Krankenversicherung kostet je nach Alter und Leistungsumfang zwischen 3.000 und 15.000 AED pro Jahr. Ohne Versicherung einen Arzt aufzusuchen, kann schnell sehr teuer werden.
Was viele nicht wissen: Wer Deutschland oder Österreich verlässt, fällt aus dem gesetzlichen Sozialversicherungssystem heraus. Das betrifft nicht nur die Krankenversicherung, sondern auch Rentenansprüche. Hier muss man sich frühzeitig Gedanken machen, ob man freiwillig weiter einzahlt oder private Alternativen aufbaut. Es gibt Lösungen, aber man muss sich aktiv darum kümmern.
Fazit: Was ich jedem raten würde
Erstens: Nehmt euch Zeit. Fahrt mindestens zwei- bis dreimal nach Dubai, bevor ihr euch entscheidet – und zwar nicht nur im angenehmen Winter, sondern auch mal im Sommer. Zweitens: Plant mindestens sechs bis zwölf Monate Vorlauf ein. Steuerfragen, Abmeldung, Dokumente apostillieren, Visa-Anträge – das braucht alles seine Zeit.
Drittens: Holt euch professionelle Hilfe. Ich habe mich intensiv selbst eingelesen und bin dabei auf einige wirklich gute Quellen gestoßen. Besonders hilfreich fand ich die Webseite der Privacy Management Group, einem Beratungsunternehmen, das sich auf Dubai und die VAE spezialisiert hat. Die haben einen ziemlich umfassenden Dubai Leben Guide zusammengestellt, der das Thema sehr umfangreich beleuchtet.
Dort findet man alles von Lebenshaltungskosten über Visa-Optionen bis hin zu konkreten Tipps für die Firmengründung – gut strukturiert und offensichtlich von Leuten geschrieben, die sich seit Jahren mit dem Thema beschäftigen. Hat mir bei meiner eigenen Planung auf jeden Fall enorm weitergeholfen.
Und viertens: Seid ehrlich zu euch selbst. Dubai ist großartig für Menschen, die unternehmerisch denken, eigenverantwortlich handeln und offen für Neues sind. Wer hingegen die Sicherheit des deutschsprachigen Sozialsystems braucht oder sich in einem vertrauten kulturellen Umfeld wohler fühlt, wird in Dubai möglicherweise nicht glücklich.
Ziehe ich um? Mein Fazit
Ich bin noch nicht umgezogen. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich es tun werde. Die Fakten sprechen für sich: geringere Steuerlast, hohe Lebensqualität, eine Stadt, die Unternehmer willkommen heißt, und ein Klima, das – zumindest acht Monate im Jahr – Lebensfreude schenkt.
Die Vorbereitung ist aufwendig, keine Frage. Aber wer sich die Mühe macht, alles richtig zu planen, kann in Dubai einen Neuanfang hinlegen, der sich wirklich lohnt. Und wer ähnliche Gedanken hat wie ich: Informiert euch gründlich, sprecht mit Leuten, die den Schritt schon gewagt haben, und trefft dann eine bewusste Entscheidung. Es muss nicht Dubai sein. Aber es schadet definitiv nicht, ernsthaft darüber nachzudenken.