Nachdem ich gestern vollmundig versprochen habe eine andere Sicht auf den Islam zu posten, tu ich das hiemit.

Gleich vorweg – ich schmücke mich mit fremden Federn und zitiere nachfolgend aus einem längeren Text.

Einen Satz aus diesem Text möchte ich, da ich mit diesem völlig übereinstimme, an den Anfang stellen:

Fanatiker gleich welchen Hintergrundes waren schon immer das Produkt von sozialen oder politischen Problemen.

Die westlichen Islamkritiker sind bereit, die Koran-Interpretation der Extremisten zu akzeptieren, um ein Terrorpotenzial in seinen Quellen ausmachen zu können. Warum aber kommen sie nicht auf den Gedanken, dass nicht eine bestimmte Lesart des Koran zur Gewalt führen muss – sondern die Lust an der Gewalt zur entsprechenden Lesart? Islamisten ziehen sich aus 6.000 Versen sechs heraus, um ihre menschenverachtende Ideologie zu rechtfertigen. Sie behaupten zu wissen, was der "wahre" Islam sei.

Der Koran ist kein Nachschlagewerk, wie viele Menschen im Westen – und auch viele ungebildete Muslime – glauben. Es ist ein Buch, das als Gesamtwerk im historischen und textuellen Kontext verstanden werden muss.

Im Koran heißt es explizit, dass nur diejenigen sich verteidigen dürfen, denen "Unrecht geschehen ist" und die "unberechtigterweise aus ihren Wohnungen vertrieben worden sind, nur weil sie sagen: Unser Herr ist Allah!"

Der Islam ist deshalb keine pazifistische Religion. Es gibt Koranverse, die Gewalt rechtfertigen.

Aber für den Krieg gibt es Regeln und Grenzen

"Verstümmelt keine Leichen, tötet keine Kinder, keine alten Männer und keine Frauen!" (at-Tabarī). Sie durften keine Bäume fällen, Tiere töten, Andersgläubige beim Gebet stören oder Kirchen und Tempel zerstören. Diese Regeln kennt die gesamte islamische Orthodoxie. Der IS-Terror kennt sie nicht.

Der Koran untersagt außerdem, dass Gefangene getötet werden – der IS köpft sie vor laufenden Kameras. Sklaverei wurde durch den Propheten Mohammed schrittweise abgeschafft. Mehrere Koranverse fordern eine Freilassung von Sklaven. Auch die beim IS beliebte Zwangskonvertierung widerspricht unzähligen Koranversen. So heißt es zum Beispiel: "Und wenn dein Herr wollte, würden die, die auf der Erde sind, alle zusammen gläubig werden. Willst nun du die Menschen (dazu) zwingen, dass sie glauben?" (10:99).

Mohammed steht im Koran hingegen eher für seine unzähligen Akte der Gnade, Liebe und des Mitgefühls. Im Koran heißt es sogar: "Wir entsandten dich nur als eine Barmherzigkeit für alle Welten" (21:107). Gemäß Eigendefinition ist der Koran eine "Rechtleitung für die Rechtschaffenen" (2:2), die "Gereinigten" (56:79) und nicht für Menschen gedacht, "in deren Herzen Verderbnis wohnt" (3:7). 113 der 114 Suren des Koran beginnen mit den Worten "Im Namen Gottes des Gnädigen des Barmherzigen".

Auch eine Trennung von Staat und Religion ist im Islam vorgesehen. Die "Charta von Medina", die der Prophet Mohammed im Jahre 622 mit jüdischen, christlichen sowie polytheistischen Stämmen aufsetzte, sah vor, dass das Sakrale und Säkulare im Islam nebeneinander existieren – die Neutralität des Staates war gesichert. Den Stämmen wurden ihre jeweiligen Grundfreiheiten eingeräumt. Unparteiische Richter trafen die rechtlichen Urteile.

Übrigens prophezeite der Prophet Mohammed, dass eine Zeit kommen würde, in der nichts vom Islam übrig bleiben werde, außer der bloße Name und nichts vom Koran als seine Worte. Die Moschee würden voll sein von Betenden, aber der göttlichen Leitung beraubt. Die Religionsgelehrten jener Zeit würden die schlimmsten Kreaturen auf der Erde sein. So weit muss es ja nicht kommen. Denn bisher sind die Islamisten eine kleine Minderheit.

Hier geht’s zum ganzen Text

Zum Abschluss zitiere ich den Philosophen Friedrich Stadler und seine – zutreffende - Aussage über das Mängelwesen Mensch und hoffe, damit zum Nachdenken anzuregen.

Der absolute Wahrheitsbegriff war immer Gegenstand philosophischer Kontroversen. Sicherheit, Wahrheit, Beweisbarkeit waren die höchsten Ansprüche an den Erkenntnisprozess und es hat sich gezeigt, dass das im Alltag nicht immer umsetzbar ist. Daher gab es ja diese Reaktion in der modernen Philosophie, zum Beispiel im Wiener Kreis: Dass die Erzeugung und Begründung von Erkenntnis nur in der Empirie liegen kann; dass uns die Logik dabei hilft, diesen Prozess zu strukturieren, aber dass sie keineswegs selbst diese Erkenntnis liefert; und dass wir es immer mit fehlbarem Wissen zu tun haben. Wenn wir diese zugegeben unbefriedigende Situation akzeptieren, dann wird das Wahrheitsproblem auf eine menschliche Dimension reduziert. Wenn wir aber weiter absolute Sicherheit haben wollen, dann wird es immer dazu kommen, dass sich robustes Wissen auflöst.

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