Dass „echt cool“ keine Temperaturangabe bedeutet, das ist wohl inzwischen jedem klar geworden. Dass man aber bald ohne Englischkenntnisse kein Deutsch mehr versteht, das zeigt der folgende Text, der die Augen ins Stolpern bringt.

Dass Personalabteilungen sich Human Resource Management nennen, obwohl in vielen Fällen laut den Mitarbeitern gar keine Ressourcen gemanaged werden, daran hat man sich mittlerweile gewöhnt. Welche intelligent klingenden Wortschöpfungen in der Branche sonst noch herumgeistern, das zeigt der Blick in eine Personalzeitung. (Übrigens: die folgenden Begriffe wurden nicht erfunden, sondern existieren schwarz auf weiß in gemischter Groß/Kleinschreibung, nachlesbar in einer HRS-Publikation).

Da werden recruiter informiert über Chatbots, Candidate Experience, Employer Branding, Active Sourcing und Mobile Recruiting. Wichtig ist auch der Handlungsbedarf bei den Touch Points. Top-Performer berichten über ihre Social-Media-Strategie und die Zusammenarbeit mit Job- und Talent-Recommendern. Die Kreativität bei der Titelfindung scheint unbegrenzt zu sein. Da gibt es den Head of Employer Branding and Social Innovation und den Global Director Employer Branding. Da berichtet der Director Group Human Resources über Employer Value Proposition, oldschool Personaler und Hiring Manager.

Im “War for Talents” geht es dann um Employer-Branding-Strategien, Bullet-Point-Listen und Soft-Skill-Wunschbilder. Ein Head of Sales und ein Head of Key-account-Management informieren über Technologie-Cluster, ein anderer über die Virtual Reality-Panorama-Galerie. Ein Vice President Strategy and Innovation klärt über zielgruppengerechten Content auf, ein weiterer Experte berichtet über Candidate Experience, CV-Parsing und Matching-Algorithmen. Sie entwickeln z.B. EVP, die Employer Value Proposition mit der eine moderne, authentische Employer Brand entwickelt werden kann.

Der Mitarbeiter einer Abteilung Labour Law, Labour Relations and Pensions Group informiert über Active Sourcing, Social Media Monitoring, automatisierte Matching-Verfahren und Predictive Analytics. Ein Fachmagazin bietet Informationen im Recruiting von Inbound Marketing bis Social Referral, von Big Failure bis Best Practice und von People Business bis Chatbots. Beim Thema Team ist Team-Involvement und der Onboarding-Prozess ganz wichtig. Der Head of Recruitment Process Services macht auf Compliance-Checks und Sourcing-Methoden aufmerksam. Entscheidend scheint der Recruiting-Workflow bei der Suche nach Talent Scouts zu sein.

Im Internet of Things darf auch die Artificial Intelligence und die State-of-the-Art Cloudlösung mit einem Bewerber-Feedbackmodul nicht zu kurz kommen. Wichtig ist, dass das gesamte Hosting dann zu 100 Prozent Made in Germany ist. Auf der Content-Plattform findet man dann „Talentry Jobs“ und „Talentry Stories“. Der Vorteil: geringere cost-per-hire und die Verkürzung der Time-to-hire. Beim innovativen recruiting ist das Employer Branding Profil wichtig, um innovatives Candidate Relationship Management zu betreiben.

Da gibt es im Bereich Recruiting Content-Autoren und Frontend-Entwickler, die eine Vorauswahl mittels Code-Challenge entwerfen, um die optimalen Mitarbeiter-Benefits sicherzustellen. Letzendes sollen Mitarbeiter sich nicht mit der Work-Life-Balance, die Arbeit und Freude trennt, auseinandersetzen, sondern mit dem Work-Life-Blend, der beides verbindet. Schließlich geht es um das wellbeing, das das commitment der Mitarbeiter fördert. Mit dem Tool Total Reward Optimization werden nach der Conjoint-Analyse die Präferenzen der Mitarbeiter ermittelt. Das search-Business wird schließlich beim Thema Gender Diversity im Executive Search echt herausgefordert. Zum rechtskonformen, operativen Doing gehören auch eine Car policy, ein konsistentes Grading-System, kurz von den Basics bis zum Long Term Incentive Plan, vielleicht auch ein Retention-Plan, so ein HR-Steering-Partner.

Wer nun glaubt, nur die HR-Branche leide unter einer babylonischen Sprachverwirrung, nein, auch in der Gastronomie finden sich kreative Wortschöpfungen. So suchte ein Hotelbetrieb einen Backgroundprofi (gemeint war ein Hausmeister, der auch spülen kann) und einen Foodrunner (einen Aushilfskellner). Dass man Begriffe aus anderen Sprachen übernimmt (Portemonnaie, Boulevard usw.) ist nicht ungewöhnlich. Dass Sprache sich im Laufe der Zeit verändert, gehört zur Evolution. Aber muss es unbedingt im Sekundentakt sein?

geralt/pixabay

7
Ich mag doch keine Fische vergeben
Meine Bewertung zurückziehen
Du hast None Fische vergeben
6 von 6 Fischen

bewertete diesen Eintrag

Margaretha G

Margaretha G bewertete diesen Eintrag 29.07.2018 03:39:05

Spinnchen

Spinnchen bewertete diesen Eintrag 23.07.2018 15:40:17

berridraun

berridraun bewertete diesen Eintrag 22.07.2018 10:44:13

Frank und frei

Frank und frei bewertete diesen Eintrag 21.07.2018 22:24:02

Persephone

Persephone bewertete diesen Eintrag 21.07.2018 18:43:24

Markus Andel

Markus Andel bewertete diesen Eintrag 21.07.2018 18:41:18

philip.blake

philip.blake bewertete diesen Eintrag 21.07.2018 18:36:04

4 Kommentare

Mehr von Jürgen W. Goldfuß