Vom "Gefangenen in der Löwengrube" zum Triathlon-Vizeweltmeister

Ohne dem österreichischen Bundesheer wäre aus dem Amstettner Bernhard Keller nie ein Triathlet geworden. Ohne seinen unbändigen Willen, den "inneren Schweinehund" zu besiegen, allerdings auch nicht.

Nach einem abgebrochen Studium der Veterinär-Medizin stand Keller vor der Wahl: Lehre oder Bundesheer - und er entschied sich zunächst für den Grundwehrdienst. Im September 1992 wechselte er dann in die Militärakademie nach Wiener Neustadt, um die dreijährige Ausbildung zum Berufsoffizier in Angriff zu nehmen.

"Die geistigen Voraussetzungen dafür hatte ich, die körperlichen aber sicher nicht!"

Und relativ bald wurde Bernhard Keller die Rechnung für seinen unmäßigen Alkohol- und Zigarettenkonsum ("Ich rauchte wie ein Schlot und es gab Tage, da trank ich eine Flasche Whiskey aus";) präsentiert:

Beim militärischen Hindernislauf scheiterte er mit seinen 92 Kilogramm bei 1,79 Meter Körpergröße kläglich beim Versuch aus der "Löwengrube", einem zwei Meter tiefen Betonquader, wieder heraus zu klettern. Als ihm seine Kameraden heraushalfen, stellte der Ausbildner unmissverständlich fest: "Entweder Du nimmst ab und wirst sportlich oder du suchst Dir einen anderen Job!"

Bernhard Keller entschied sich für die erste Möglichkeit. "Internet gab es ja noch keines, also kaufte ich mir zahllose Bücher über Ernährung, Krafttraining und Ausdauersport. Bezüglich Ernährung habe ich vieles probiert: Ich aß wochenlang nur Gemüse, verzichtete zur Gänze auf Wurst und Fleisch - und wurde zum Vegetarier. Dabei habe ich gemerkt, dass mich einseitige Ernährung nicht wirklich weiterbringt!"

Keller fand dann selbst den "Stein der Weisen". Gemeint ist damit, dass nur eine gesunde und ausgewogene Mischnahrung der "Schlüssel zum Erfolg" ist. Es kommt auch einzig und allein auf die Energiebilanz an. Und dazu gibt es eine sehr einfache Rechnung: "Wenn man mehr Energie (durch Nahrung) dem Körper zuführt, als man verbraucht, dann nimmt man an Körpergewicht zu. Und wenn man mehr Energie verbraucht, als man zugeführt hat, dann nimmt an ab!"

Mit der Bewegung kann man das Ganze natürlich auch sehr gut steuern. Bernhard Keller dazu: "Wenn ich ausreichend Bewegung mache (zum Beispiel Laufen, Rad fahren oder schwimmen), dann kann ich gleich viel essen wie vorher und nehme trotzdem ab!"

Größtmögliche Effizienz bei der Änderung der Nahrungsaufnahme erzielt man mit Kellers Geheimtipp, dem "Dinner canceling": Das bedeutet nicht anderes, als dass man nach dem Mittagessen nichts mehr isst. Der Hintergrund des Erfolges ist schnell erklärt: "Wenn man mit leerem Magen schlafen geht, wacht man auch am nächstem Tag mit leerem Magen auf und es kann sich kein großes Hungergefühl und schon gar nicht ein Heißhungergefühl einstellen. Die Folge ist dann einfach, dass man automatisch weniger isst."

Und bei Bernhard Keller begannen die Kilo zu purzeln. Nach zwei Jahren hatte er 20 Kilogramm abgenommen. Statt 92 Kilogramm brachte er nur mehr 72 Kilogramm auf die Waage. "Dass ich mit dem Rauchen aufgehört und dem regelmäßigen Alkoholkonsum abgeschworen habe, muss ich aber schon auch dazu sagen!"

Keller wählte als "erste Bewegungsform" das Laufen und er steigerte seine Laufumfänge kontinuierlich. 1995 absolvierte er seinen ersten Marathon in der Wachau. Ein Bundesheer-Kollege brachte ihn dann auf die Idee, einmal an einem Triathlon teilzunehmen. "Diese Sportart hat mich sofort fasziniert, weil das Trainíng sehr abwechslungsreich ist!"

Schnell stellte sich heraus, dass Bernhard Keller über die längeren Distanzen besser unterwegs war, als bei den "kurzen und giftigen" Wettkämpfen.

Im Jahr 2000 startete der Amstettner erstmals bei einem Ironman-Trithlon - 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren und 42,2 Kilometer laufen - und er finishte in 9 Stunden und 42 Minuten. Dieser Erfolg motivierte ihn, sein Trainung auf 20 bis 24 Stunden pro Woche zu steigern.

2004 gewann Bernhard Keller beim Ironman in Klagenfurt die Alterklasse der 35- bis 39-Jährigen, ein Jahr später wurde er Zweiter. 2006 erreichte er seinen ersten sportlichen Zenit: Über einen vierten "Age-Group-Platz" in Australien qualifizierte er sich für die Weltmeisterschaft in Hawaii und krönte sich dort dann mit 8:54,52 und dem zweiten Platz zum Vizeweltmeister in seiner Altersklasse! Sechs Jahre später wiederholte Bernhard Keller diesen großen Erfolg und wurde auch in der Alterklasse 40 Vizeweltmeister!

Seit ein paar Jahren ist Bernhard Keller geprüfter Trainer für Triathlon und Radsport. Als Cheftrainer der "RATS Amstetten" versucht er seine Erfahrungswerte an Kinder, Jugendliche und Erwachsene weiterzugeben - und das mit großem Erfolg! Wie zahlreiche Titel seiner Schützlinge beweisen.

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