Große soziale Netzwerke, von denen Sie wohl noch nie 'was gehört haben

Facebook, Twitter, Instagram, Pinterest und Co. kennt jeder. In den letzten Jahren haben sich aber eine Reihe anderer, auch schon sehr großer Netzwerke etabliert. Die kennen zwar zumindest in Europa die meisten nicht, sie haben aber eine signifikante Größe erreicht.

Da gibt es etwa Doximity, ein soziales Netzwerk für Ärzte, in welchem sich Spezialisten unter einander austauschen und können. In den USA sind bereits 40 Prozent aller Ärzte registriert. Spiceworkswiederum ist ein Netzwerk für IT-Professionals. Programmierer, Systemadministratoren und Co. können hier ihre Erfahrungen teilen und sich bei Problemen helfen, mittlerweile gibt es sechs Millionen User. Edmododeckt mit dem Slogan „Where Learning Happens“ einen großen Teil des Bildungsbereiches ab. 50 Millionen User von 300.000 Schulen diskutieren auf Englisch, aber auch auf Spanisch und in anderen Sprachen, die pädagogischen Vorgänge. Ein weiteres Beispiel für spezielle Bedürfnisse und eine sehr eng definierte Zielgruppe ist Rallypointfür ehemalige und aktive Militärangehörige.

Netzwerke wie diese haben einen ganz klaren Fokus und sie verifizieren ganz genau, ob man wirklich zu der Zielgruppe dazu gehört. Diese Plattformen sind „vertikal“ - im Gegensatz zu „horizontal“ wie die eingangs erwähnten. Während sich auf Facebook und Co. quasi jeder registrieren kann, ist bei den vertikal organisierten vorgegeben, wer mitmachen darf. Es treffen sich nur Gleichgesinnte und das ist genau das, was sie wollen. Durch diese strikte Abgrenzung ergeben sich ganz andere Möglichkeiten der Interaktion als bei einem komplett offenen Netzwerk. Das ginge freilich theoretisch auch in einer Facebookgruppe, aber die Spezialnetzwerke gehen weit darüber hinaus.

Zunächst liegt das daran, dass die Zielgruppen andere Anforderungen haben, die in für andere keine Rolle spielen können. Bei den Ärzten ist es so, dass sie nicht via E-Mail mit ihren PatientInnen kommunizieren dürfen, also keine Befunde verschicken können. Darum gibt es sichere Kommunikationswege, etwa, dass über das Programm Faxe verschickt werden können.

Zudem hat sich Facebook in den letzten Jahren stark verändert. Zumindest bei mir treten die Meldungen aus dem Freundeskreis mehr und mehr in den Hintergrund, ich bekomme wohl um die 90 Prozent Newsmeldungen rein, nur noch zehn Prozent sind die Statusmeldungen, dass X auf Urlaub ist und Y ein Lebensereignis hatte. Genau diese sozialen Interaktionen – ob wegen des eigenen Berufsstandes oder einfach um sich auszutauschen – sind in den Spezialnetzwerken mehr im Fokus.

Unter anderem auch aus diesem Grund gibt es neben klar definierten Zielgruppennetzwerken auch Nano- oder Mikronetworks, wie etwa Nextdoor. Hier geht es darum, die Nachbarschaft unter einander zu verbinden. Auch Nextdoor und vergleichbare Anbieter wollen über Verifizierungen der tatsächlichen Identität in diesem Fall kleine Gruppen bauen. Die Inhalte hierbei sind alltäglicher: Wer mäht den Gemeinschaftsrasen oder wer hat ein Auge auf mein Haus hat, wenn ich auf Urlaub bin. Laut Betreiber gibt es schon über 50.000 solcher Online-Nachbarschaften.

All diese neuen Netzwerke sind freilich in den USA leichter umzusetzen, fällt dort doch die Sprachbarriere weitgehend weg, was auch die Finanzierung erleichtert. Das Hamburger Online-Nachbarschaftsportal „niriu“ musste jüngst nach ein paar Jahren zu sperren, weil eben keine entsprechende Größe erreicht wurde.

Diese neuen sozialen Netzwerke werden Facebook und Co. allerdings kaum den Kampf ansagen können. Aber sie werden daneben existieren und den wichtigen Indikator der verfügbaren Onlinezeit auf Facebook doch auch minimieren. Denn wer seine Nachbarschaft oder sein Berufsfeld auch via Social Media beobachten kann und interagieren kann, der ist dann wohl auch weniger auf den „klassischen“ Plattformen.

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Herbert Erregger

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