Gut, darauf kann man alles auslegen: Kinder, Partner, Hunde, Tiere – nur Katzen nicht –, die ihr Verhalten ändern, wenn sie beobachtet werden. Man könnte auch von Erziehungseinfluss sprechen.
Aber was ist, wenn es um winzige Teilchen in der Physik geht? Ein Teilchen verhält sich anders, sobald seine Bahn gemessen (also beobachtet) wird. Nicht morgen. Nicht später. Genau in diesem Moment. Das ist kein spiritueller Gedanke, sondern eines der bekanntesten Experimente der modernen Physik: das Doppelspaltexperiment. Bis heute diskutieren Wissenschaftler darüber, was diese Beobachtung wirklich bedeutet.
Anton Zeilinger ist ein österreichischer Quantenphysiker und Hochschullehrer an der Universität Wien. Ich hatte vor 15 Jahren das Vergnügen, ihm bei einem Vortrag zuzuhören, in dem er genau über dieses Phänomen sprach. Sein Resümee dazu war: „Wir wissen nicht, warum sie das tun …”
Ein Teilchen verhält sich also anders, wenn es beobachtet wird. Woher weiß es, dass du hinschaust? Das Experiment gehört zu den Schlüsselexperimenten der Physik. Und dennoch wissen wir noch immer nicht mit großer Gewissheit, warum das Teilchen so handelt.
Übertragen wir das Ganze einfach mal aufs normale Leben: Auf der gegenüberliegenden Straßenseite geht eine hübsche oder auch nicht so hübsche Frau. Wir – sprich ich – erkennen sie, bevor sie eine weitere Straße überquert, und schauen sie an. Würde sie mich nicht bemerken, würde sie einfach weitergehen. Würde sie mich jedoch sehen und denken: „Was für ein schöner Mann!”, würde sie ihr Verhalten ändern und wenige Minuten später um meinen Hals fallen. :) :) Aber genau an dieser Stelle beginnt unser unerklärliches Phänomen. Sie verändert ihr Verhalten. Sie geht nicht weiter, sondern biegt unerwartet in die nächste Seitengasse ab.
Was sagt uns das? Während die Wissenschaft noch Fragen stellt, sagen wir Normalsterbliche: Die hat uns auch gesehen, anders kann es nicht sein, und hat sich gedacht: Uhu, besser ich gehe andersherum. Grundsätzlich hat das Bewusstsein der Frau uns wahrgenommen und registriert. Aus ihrem geprägten Umfeld heraus hat sie eine Strategie abgeleitet und ihre Position verändert.
Übertragen auf dieses Teilchen, welches wir beobachten, würde das bedeuten, dass genau dieses kleine Teilchen ein Bewusstsein besitzt und uns erkennt, während wir es beobachten. Es müsste also ebenfalls ein Bewusstsein besitzen. Hallo, ein Teilchen besitzt Bewusstsein?
Damit landen wir zwangsläufig – auch wenn es uns wissenschaftlich nicht gefällt – in der Esoterik. Wo alles ein Bewusstsein besitzt. Du, deine schräge Tante, deine Umgebung, dein Fahrrad, dein Auto – selbst der „blöde” Gartenschlauch, weil er eben aus Teilchen besteht.
Machen wir uns nichts vor: Auch wenn ich Herrn Zeiliger sehr schätze und auch einen Hang zur Wissenschaft habe, muss ich sagen, dass die Wissenschaft offenbar noch ein paar Jahre benötigt, um zu der gleichen Erkenntnis zu gelangen, die die Esoterik seit Jahrhunderten besitzt: einen freien Blick auf das Bewusstsein.
Abschließend möchte ich einen Wissenschaftler (leider fällt mir sein Name derzeit nicht ein) zitieren, der einst sagte: „Egal, was wir messen oder erforschen, wir kommen irgendwann immer an unsere Grenzen und überschreiten in den Bereich der Esoterik.”
Die vielleicht spannende Frage wird lauten: Wenn schon ein winziges Teilchen auf Beobachtung reagiert … Wie viel Einfluss hat dann unser Bewusstsein wirklich auf die Realität? Was denkst du?