Lagos, Nigeria – 16. Januar 2026
Amnesty International Nigeria
In Makoko, einer traditionellen Fischergemeinde auf Stelzen am Lagos Lagoon, hat die Regierung von Lagos erneut Abrisse durch schwer bewaffnete Sicherheitskräfte durchführen lassen. Seit dem 5. Januar 2026 sind Wohnhäuser, Schulen, Märkte, Gesundheitszentren und Orte der Andacht zerstört worden. Tausende Familien stehen damit vor dem Verlust ihres Zuhauses und ihrer Lebensgrundlagen.
Makoko, oft als „Venedig von Lagos“ bezeichnet, ist eine der ältesten und bekanntesten Fischer-Communities der Stadt. Auf Stelzen gebaut, leben hier Menschen seit Generationen vom Fischfang. Die Gemeinde ist zudem ein kulturelles und soziales Zentrum für den Lagos Lagoon.
Schenk uns bitte ein Like auf Facebook! #meinungsfreiheit #pressefreiheit
Danke!
Bereits in der Vergangenheit kam es in Lagos immer wieder zu gewaltsamen Zwangsräumungen: Im März 2025 traf es die Ilaje-Otumara-Gemeinschaft, bei der über 10.000 Menschen obdachlos wurden. Die aktuelle Maßnahme reiht sich in eine Serie von Zwangsräumungen ein, bei denen die Stadtverwaltung Grundstücke von Menschen in Armut für städtische Entwicklungsprojekte beansprucht – unabhängig von den sozialen und wirtschaftlichen Folgen.
Bewohner berichten von zerstörtem Eigentum, verletzten Menschen und dem Verlust ihrer Boote, die für den Fischfang essenziell sind. Schulen und kleine Gesundheitsstationen wurden zerstört, was langfristige Auswirkungen auf Bildung und Versorgung hat. „Wir haben alles verloren. Wo sollen wir jetzt hingehen?“, sagt ein Bewohner, der anonym bleiben möchte.
Stadtplaner und Sozialexperten kritisieren das Vorgehen als symptomatisch für die ungleichmäßige Entwicklung Lagos’: Die Stadt wächst rasant zu einer Megacity, während die am stärksten benachteiligten Gemeinschaften für das Versagen der Stadtplanung bezahlen.
Hilfsorganisationen sehen dringenden Handlungsbedarf: Eine Aussetzung von Massenausweisungen, die Untersuchung von Gewalt bei Abrissen und die Bereitstellung von nachhaltiger Unterstützung für die Betroffenen sind zentrale Forderungen.
Makoko steht exemplarisch für die Spannungen zwischen urbaner Expansion und sozialer Gerechtigkeit. Solange diese Fragen ungelöst bleiben, bleibt die Fischergemeinde ein Symbol dafür, wie städtische Entwicklung Menschenleben gefährden kann.