Alice Weidel, Björn Höcke & Kay Gottschalk - "Endspiel Deutsche"

Am 27. Januar 1945 wurde Auschwitz befreit. Soldaten der Roten Armee drangen in das Konzentrationslagerder Nationalsozialisten ein. Sie fanden ein System der Unmenschlichkeit. In kargen Zellen waren Männer, Frauen und Kinder inhaftiert. In Gaskammern hatten die Nazis die Anderen umgebracht. Es war ein industriell betriebener Massenmord. Zwischen 1,1 und 1,5 Millionen Menschen sind in Auschwitz umgekommen. Der Tag der Befreiung ist in Deutschland seit 1996 ein Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, seit 2005 auch international.

Häufig wird der Slogan "Nie wieder" verwendet, um an die Schrecken des Nationalsozialismus zu erinnern. Der Hashtag #NieWieder wird dieser Tage auch von einer Initiative des deutschen Fußball verwendet. Die Aktion "Nie wieder" wurde 2004 im KZ Dachau gegründet und will das Gedenken in die Fußballkultur holen und sich für Toleranz im Stadion einsetzen. Rassismus widerspricht den Satzungen von Fußball-Klubs. Er widerspricht auch dem Ethik-Kodex des Deutschen Fußball-Bundes, in dem es heißt:

"Im Fußball spiegelt sich die Vielfalt der Gesellschaft, der Sprachen, Kulturen und Lebensweisen wider. Wir achten diese Vielfalt auf und abseits des Platzes und dulden keine Diskriminierungen, Belästigungen oder Beleidigungen, sei es aufgrund von Geschlecht, ethischer Herkunft, Hautfarbe, Religion, Alter, Behinderung oder sexueller Orientierung. Rassistischen ... sowie diskriminierenden Verhaltensweisen treten wir entschieden entgegen."

Es vertrage sich nicht mit der Vereins-Satzung, die AfD zu wählen, hatte Präsident Peter Fischer von der Eintracht Frankfurt daraus gefolgert. Darf ein Fußballverein Aufnahmeanträge ablehnen? Die juristische Antwort ist klar: Er darf. Das ist keine Diskriminierung, das ist Recht:

Ein Verein kann sich aussuchen, wen er zum Mitglied haben will. Eine Pflicht zur Aufnahme ergibt sich nur, wenn dies in der Satzung ausdrücklich geregelt ist. Ansonsten kann der Verein nicht gezwungen werden, Querulanten, Problembären oder sonst ihm missliebige Personen aufzunehmen. Ausnahmen kann es dann geben, wenn der Verein Monopolstellung hat, und der Bewerber (zum Beispiel, weil er aktiver Sportler ist) auf ihn angewiesen ist, um bei Wettkämpfen antreten zu können. Dann wäre Ablehnung rechtsmissbräuchlich. Das ist nicht die Konstellation mit der Frankfurter Eintracht. Dennoch überzog die AfD Fischer mit Strafanzeigen. (Quelle: sueddeutsche.de)

Auch der ehemalige Vorsitzende des Seniorenrates des HSV, Peter Gottschalk, hat beantragt, dass „AfD-Mitglieder oder gleichgesinnte Personen nicht Mitglied im Hamburger Sport-Verein“ sein sollen. „Kein Platz für Rassismus! Toleranz und Solidarität sind Werte, die innerhalb jeder Sportart zählen.“ Der stellvertretende Bundesvorsitzende der AfD, Kay Gottschalk, scheute sich darauf hin nicht, zweifelhafte historische Vergleiche zu ziehen. Er fühle sich an die Zeit von 1933 bis 1945 erinnert und stellte den Antrag auf eine Stufe mit dem Ausschluss von Juden aus dem HSV in der NS-Zeit. „Will man jetzt ernsthaft wieder an diese Zeit anknüpfen?“, fragte er und fügte hinzu: „Wehret den Anfängen!“

Nazi-Vergleiche politischer Gegner haben System bei der AfD

Nazi-Vergleiche politischer Gegner haben System bei der AfD: Kurz vor Weihnachten nahm Alice Weidel die Kirchen ins Visier. Die AfD-Fraktionschefin warf den Kirchen vor, heute wieder wie im Dritten Reich zu agieren. Wiederholt hatten die katholische wie die evangelische Kirche vor der AfD gewarnt, vor allem vor deren Flüchtlingspolitik. So sagte Berlins evangelischer Landesbischof Markus Dröge im Mai: „Ich kann mich als Christ nicht in einer Partei engagieren, die Ängste dramatisiert, Misstrauen sät und Ausgrenzung predigt.“ (Quelle: sz-online.de)

Am Jahrestag der Befreiung von Auschwitz zieht die AfD erneut eine Parallele zu einem Nazi-Erlass. Sie bezeichnet sich selbst als ausgegrenzte Minderheit. Dazu verwendet sie den Hashtag #NieWieder - ausgerechnet die AfD, die die Ausgrenzung von Minderheiten seit Jahren betreibt, die einseitig die Religionsfreiheit von Muslimen und Juden einschränken möchte, das Schächten von Tieren oder die Beschneidung von Jungen verbieten möchte, beides religiöse Praktiken von Muslimen und Juden.

Die AfD verunglimpft andere Parteien als "Systemparteien" - wie einst Adolf Hitler in "Mein Kampf". Und da wundert sie sich, dass selbst die FDP nicht mit ihr zusammen arbeiten möchte und ein besonders zweifelhafter AfD-Politiker, Sebastian Münzenmaier, nicht im FC Bundestag aufgenommen wird?

Die AfD beschimpft etablierte Medien als "Lügenpresse" - wie einst die  Nationalsozialisten. Und da beschwert sich Alice Weidel, dass sie nicht zu Talkshows eingeladen wird?

Björn Höcke möchte eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad". Und da wundert er sich, dass ihn die Gedenkstätte Buchenwald nicht am feierlichen Gedenken an die Opfer des Holocaust teilnehmen läßt?

Höcke möchte gar in der Türkei den Islam verbieten, sobald die AfD an der Macht ist. Und da wundert er sich, dass selbst hartgesottene AfD-Anhänger ihm nicht mehr folgen möchten?

Kay Gottschalk hatte in der vergangenen Woche entsprechend gefordert, türkische Geschäfte in Deutschland zu boykottieren. Er wollte das als Erdogan-Kritik verstanden wissen – der Spruch erinnert aber gefährlich an die Nazi-Losung "Kauft nicht bei Juden!"

Rassismus muß verurteilt werden, Geschichtsrevision ebenfalls

Die AfD Berlin vergleicht ihren eingebildeten Opferstatus nun ausgerechnet mit der Minderheit, die am stärksten unter dem Nationalsozialismus zu leiden hatte. Das ist mehr als perfide. Es zeigt, dass die AfD die deutsche Geschichte nicht nur etwa vergessen machen, sondern gleich komplett umdeuten will. (Quelle: bento.de)

Man darf sachlichen Kritikern von Merkels Flüchtlingspolitik oder des Islams nicht als Neo-Nazis oder Rechtsradikale bezeichnen. Doch man darf Politiker, die rassenbiologische und anderslautende nationalsozialistische Rhetorik benutzen als Neo-Nazis bezeichnen - so wie Björn Höcke. Und man darf Politiker, die Konzepte der "Neuen Rechten" und "Reichsbürger" benutzen, als Rechtsradikale bezeichnen - wie Alice Weidel.

Die ZEIT titelte gestern: "Wer die AfD ausgrenzt, wird unsere Gesellschaft weiter spalten". Ein anderes Argument lautet, die AfD würde bei einer Ausgrenzung ihre "Opferrolle" spielen dürfen. Nein! Die demokratischen Kräfte dürfen sich nicht von der AfD vor sich hertreiben lassen. Es sind Rassisten der AfD und ihrer Anhänger, die unser Land spalten. Die AfD und viele ihrer Anhänger wollen sich nach eigenen Angaben nicht in unsere demokratische und pluralistische Kultur "integrieren" - sie wollen "Fundamentalopposition" betreiben. Lassen wir sie gewähren, wird sich unser Land noch weiter spalten. Ja, die AfD ist eine demokratisch gewählte Partei und nicht verboten - doch das war einst die NSDAP ebenfalls. Hätten sich damals Demokraten so wie heute Peter Fischer, Peter Gottschalk oder Politiker der etablierten Parteien gegen Rassisten und Rechtsextreme zur Wehr gesetzt, wäre der Welt viel erspart geblieben.

Lasst uns klare Zeichen setzen gegen den Rassismus der AfD und Ihrer Anhäger! Lassen wir nicht zu, dass die AfD den Bock zum Gärtner macht, indem sie die Geschichte umdeutet! Verhindern wir, dass die AfD das "Endspiel Deutsche" spielt wie es sich Beatrix von Storch wünscht. Laßt unsere "Nationalmannschaft" weiterhin mit Mesut Özil und Jérôme Boateng erfolgreich sein!

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Dieter Knoflach

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