Zugegeben, wir als einfaches Volk sind praktisch nicht in der Lage, uns ein klares Bild über die tatsächlichen Vorgänge in der Welt zu machen. Unser Bild wird von der Berichterstattung der Medien und vorgeschriebenen Reden, öffentlich vorgebracht von Politikern, bestimmt. Lediglich anhand der unmittelbaren Auswirkungen, die die Weltpolitik auf uns nimmt, können wir ein wenig hinter den Vorhang blicken, indem wir politische Aussagen und Versprechen sowie kolportierte Medienberichte mit unserer Realität vergleichen. Jedoch entsteht auch dadurch nur ein Zerrbild, fehlt es uns doch an entscheidenden Fakten, um die jeweils aktuelle Lage vollständig zu beurteilen.

Damit zurück zur Frage, ob Amerika tatsächlich einen globalen Konflikt anstrebt.

Offensichtlich ja. Nicht zuletzt deshalb, weil sich die USA schon seit mehreren Jahren in einem Mehrfrontenkrieg mit dem Nahen Osten befindet, der mittlerweile ins Stocken gekommen ist. Die offensiven Aktionen seitens der USA haben abgenommen, da es am Willen der Bündnispartner mangelt, sich weiter moralisch Schuld aufzuladen, in dem sie auf Lügen gestützten Völkermord begehen, nur um Amerikas Rohstoffpolitik voranzubringen. Die USA haben sich daher verstärkt auf einen Kurs der Destabilisierungspolitik begeben, in dem sie Konfliktparteien wie Schachfiguren manipulieren. Eine Waffenlieferung da, die Unterstützung von Rebellen und dann wieder Regierungen dort. Wie es die Situation eben erfordert.

Vor kurzem ist das Schauspiel jedoch zum nächsten Akt übergegangen. Der Konflikt in der Ukraine, in dem Russland ein Hauptakteur ist, hat es Amerika  über die Bündnisabkommen ermöglicht, sich massiv in die europäische Politik einzumischen. Von einer Rückkehr zum Kalten Krieg ist die Rede. Europa setzt Russland mit Sanktionen unter Druck. Und neuerdings beabsichtigt die USA sogar, verstärkt Kriegsgerät in Europa gegen Russland in Stellung zu bringen. Doch damit nicht genug. Präsident Putin hat dieser Tage angekündigt, aktiv in den Konflikt Syrien-IS-Irak einzugreifen. In erster Linie politisch durch Zusammenführen der Konfliktparteien in Syrien. In einem zweiten Schritt wahrscheinlich militärisch, um die Front gegen den IS zu verstärken. Insbesondere die militärische Intervention soll durch ein UN-Mandat gestützt werden. Russland würde sich so den Vorwurf von einseitigem Vorgehen und Eigeninteressen ersparen. Verblüffend ist die erste Reaktion der USA - Russland solle sich aus dem Konflikt heraushalten, ein militärisches Eingreifen könnte als Aggression gegen die westlichen Bündnispartner ausgelegt werden.

Natürlich wissen wir nichts über die tatsächliche Motivation Putins. Es ist jedoch ein offenes Geheimnis, dass Präsident Assad mittlerweile stark geschwächt ist. Politisch wie militärisch. Das Vorrücken der IS in Syrien kann durch ihn alleine nicht mehr aufgehalten werden. Die von der Allianz Türkei-USA-Emirate geführten Luftangriffe gegen den IS haben sowieso eher nur einen Placebo-Effekt. Dies legt die Vermutung nahe, dass die Destabiliserungsstrategie der USA in Syrien, nämlich Assad zu entmachten, selbst wenn man dafür die IS in Kauf nehmen muss, dabei ist aufzugehen. Russland, als Assads Verbündeter, kann dies natürlich nicht zulassen. Zu wichtig ist Assad für die Phase des politischen Übergangs in Syrien, will man ein Machtvakuum wie z.B. in Libyen verhindern. Ein weiterer Grund kann die bereits in Europa eingesetzte Destabilisierung durch die Flüchtlingsströme sein. Politische Partner werden entzweit, die ohnedies durch Finanz- und Bankenkrise wirtschaftlich noch immer angespannte Lage in Europa wird aufs Neue gefordert und in Summe belastet es die Beziehungen innerhalb der EU. Hält man so Europa unter Druck, erleichtert dies die Einflussnahme auf Politik und Wirtschaft. TTIP, in der von Amerika gewünschten Form, ist lediglich ein Anfang. So gesehen ist die harte Reaktion der USA verständlich, wenn es um die Nichteinmischung Russlands geht. Scheinbar würde man dafür sogar einen sich global ausbreitenden Konflikt in Kauf nehmen.

Warum auch nicht. Eine atomar geführte Auseinandersetzung ist unwahrscheinlich, da es keine Gewinner gäbe. Bei einem konventionell geführten Krieg hätte die USA allerdings einen unbestreitbaren Vorteil - sie haben einen Kontinent für sich. Egal wo es auf der Welt brennt, sie würden weder den Feuerschein sehen, noch den Rauch riechen. Der Konflikt würde sich nicht mehr nur im Nahen Osten abspielen, sondern sich über Europa nach Russland und Teile Asiens ausbreiten. Sollte China Partei ergreifen, wären die Folgen unabsehbar.

Das zuletzt geschilderte Szenario soll jedoch keine Panikmache sein, sondern uns lediglich zur Vernunft gemahnen, Politik ernst zu nehmen und entsprechend mitzuwirken. Und ein Aufruf an die Medien, sich einer seriösen Berichterstattung zu widmen. Von der EU-Gemeinschaft ist gefordert, angesichts der aktuellen Lage nationale Interessen zugunsten eines größeren Ganzen hinten anzustellen. Sich nicht mehr nur als geografischen Fleck auf der Landkarte zu sehen, sondern in kontinentalen Ausmaßen zu denken.

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Mephistopheles

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