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Vielleicht wie in keiner anderen Periode zuvor, stand der Begriff „Wahrheit“ und was sich dahinter verbirgt, so sehr auf dem Prüfstand, wie heute. Wenn wir aber von „Der Wahrheit“ reden, was meinen wir damit? Ist die Wahrheit möglicherweise nur ein philosophischer Sammelbegriff, ähnlich einer Analogie, für unser subjektives Verständnis von Ereignissen und scheinbaren Tatsachen? Oder ist Wahrheit ein Konstrukt aus unwiderlegbaren Fakten? Oder ist die Wahrheit vielleicht die auf Logik basierende Verknüpfung aus der subjektiven Wahrnehmung von Fakten?

Der Wahrheit auf der Spur

Wikipedia gibt zum Begriff „Wahrheit“ wie folgt Aufschluss:

Die Wahrheit ist eine Eigenschaft von Aussagen, mit dem Sachverhalt, den sie widerspiegeln, übereinzustimmen.[1][2] Dem Begriff Wahrheit werden verschiedene Bedeutungen zugeschrieben, wie Übereinstimmung mit der Wirklichkeit, einer Tatsache oder einem Sachverhalt, aber auch einer Absicht oder einem bestimmten Sinn bzw. einer normativ als richtig ausgezeichneten Auffassung („truism“ oder Gemeinplatz) oder den eigenen Erkenntnissen, Erfahrungen und Überzeugungen (auch „Wahrhaftigkeit“).

Das zugrundeliegende Adjektiv „wahr“ kann aber auch die Echtheit, Richtigkeit, Reinheit oder Authentizität einer Sache, einer Handlung oder einer Person, gemessen an einem bestimmten Begriff, beschreiben („Ein wahrer Freund“).[3] Alltagssprachlich kann man die „Wahrheit“ von der Falschheit, der Lüge als absichtlicher Äußerung der Unwahrheit und dem Irrtum als dem fälschlichen Fürwahrhalten abgrenzen.

Die Frage nach der Wahrheit gehört zu den zentralen Problemen der Philosophie und der Logik und wird von verschiedenen Theorien unterschiedlich beantwortet. Dabei können grob die Fragen nach einer Definition der Wahrheit und nach einem Kriterium dafür, ob etwas zu Recht „wahr“ genannt wird, unterschieden werden. In bestimmten formalen Semantiken werden Sätzen Wahrheitswerte zugeordnet, die das Erfülltsein in bestimmten Kontexten beschreiben. Der etwa für die Grundlagen der Mathematik bedeutende Begriff der Beweisbarkeit lässt sich mitunter mit solchen semantischen Wahrheitsbegriffen in Verbindung bringen, ein Beweis demonstriert dann die Wahrheit.

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„Alternative Fakten“ – der Unterschied liegt im Detail

Eines der berühmtesten Zitate aus 2017 stammt von der Präsidenten-Beraterin (D.Trump) Kellyanne Conway, als sie in einem Interview versuchte, den vorangegangenen Falschaussagen des Pressesprechers Sean Spicer zumindest einen Anschein von Wahrheit zu geben und dazu von „alternativen Fakten“ sprach.

Ungeachtet der tatsächlichen Hintergründe dieses Vorfalls, zeigt sie uns praktisch die Problematik auf, die sich aus der Bekundung von Wahrheit auftut. Denn je größer der Faktenrahmen ist, den wir als wahr erachten, umso eher riskieren wir, der Unwahrheit Boden zu bereiten. Dies liegt u.a. an einem Faktor der Unschärfe, der entsteht, wenn man Fakten, Aussagen, Ereignisse – wohlgemerkt, jedes für sich kann dabei als wahr erachtet werden – zu einer viel größeren Aussage verbinden und diese Betrachtern als Wahrheit anbieten. Um eine verallgemeinernde Aussage zu formulieren, werden die Details unterschiedlich gewichtet, in Zusammenhänge gebracht, die ihrer punktuellen Aussage nur noch teilweise entsprechen, und zu guter Letzt, damit sie vom Zuhörer auch als Wahrheit empfunden werden kann, rhetorisch entsprechend interpretiert. Hinzu kommen dann noch, ausgehend von einer ausreichenden Verfügbarkeit der zur Formulierung einer Gesamtaussage notwendigen Fakten, die jeweilige Sachkenntnis und verbalen bzw. intellektuellen Fähigkeiten des Verfassers, sowie dessen Absichten bis hin zu charakterlichen Eigenschaften.

Auf Seiten des Empfängers verhält es sich ähnlich. Eigene Sachkenntnis, Fakten als un/richtig zu bewerten, die intellektuelle Fähigkeit, aus der empfangenen Botschaft ausreichend Informationen entnehmen zu können, um diese wiederum im Einzelnen zu verifizieren, und natürlich unser Wille, trotz vorgeprägter Meinung, möglichst wertfrei auf „Wahrheiten“ zu reagieren, erzeugen erst recht ein Bild von Wahrheit, das, in dieser Form weitergegeben, selbst sehr schnell zur Unwahrheit werden kann. Stichwort: Römische Post.

So kann man ruhigen Gewissens behaupten, dass die Wahrheit ausschließlich Fakten und Details für sich beanspruchen können, während wahrheitsgemäße Behauptungen lediglich Interpretationen sind, die mehr oder weniger versuchen, sich an diesen Fakten zu orientieren.

Unwahrheit oder Lüge?

Eine Kernfrage lautet nun: ist die Unwahrheit nun logischerweise eine Lüge? Nicht zwangsläufig, denn die Lüge entsteht erst mit der Absicht, im besseren Wissen eine Unwahrheit zu erschaffen. Meist in Verbindung mit der Absicht, sich Vorteile daraus zu verschaffen. Die Unwahrheit, gemessen am Grad der Fahrlässigkeit ihres entstehens, beschreibt in erster Linie den Irrtum und ist zumindest in ihrer naiven Form frei von negativen Absichten.

Ausnahmen bilden hierzu lediglich Konstrukte wie die „Notlüge“, wo in guter Absicht die Unwahrheit behauptet wird, weil die Wahrheit möglicherweise Schaden anrichten könnte. Diese Interpretation ist jedoch hochgradig subjektiv und beruht wahrscheinlich an einem Mangel der Fähigkeit, die Wahrheit samt ihren auslösenden Folgen, selbst zu bewältigen.

Die Kompetenz zur Wahrheit

Mediale Berichterstattung, Dokumentationen, Vorträge, politische Auftritte, Werbung, soziale Netzwerke etc., sind ein Orchester der Information, das uns mit seinem Getöse in jedem Winkel erreicht. Ob Zeitungen und Magazine, gedruckte und digitale Werbebotschaften, TV und Film, Internet via Computer, Tablet und Smartphone, machen uns durch die hohe Verfügbarkeit von Informationen längst blind für die Details und Fakten hinter der Wahrheit, die sie angeblich verkünden. Krisen stumpfen uns gegen den Empfang der für uns tatsächlich wichtigen Informationen ab. Machen uns praktisch unerreichbar für eine sinnorientierte Wahrheit, die uns weiterbringen könnte. Fundamentale Notwendigkeiten, wie Zugang zu Bildung, die uns eigentlich erst in die Lage versetzt, Fakten sachlich zu bewerten, oder der soziale Friede, der uns die innere Ruhe gibt, uns nicht nur in trivialen Zwistigkeiten zu verzetteln, sind als Folge die Opfer einer emotional missinterpretierten Wahrheit oder gar einer mit voller Absicht grobfahrlässig verbreiteten Unwahrheit.

Es geht darum Medienkompetenz aufzubauen. Schon frühzeitig in Schulen die Erkenntnis zu fördern, dass Wahrheit nur auf Basis von Wissen entstehen kann. Und wenn wir dann doch einmal nicht beurteilen können, ob eine Botschaft der Wahrheit entspricht, eine einfache und wertfreie Analyse beginnen, inwieweit die zugrunde gelegten Fakten tatsächlich den Fakten entsprechen, ohne uns leichtfertig an der Meinungsverbreitung von Demagogen mitschuldig zu machen.

Polemik – die vielleicht schlimmste Form der Unwahrheit

Die Polemik ist die Kunst, Fakten derart zu verdrehen, dass man sie als Argument gegen einen Streitpartner einsetzen kann, obwohl dieser dieselben Fakten für seine Argumentation benutzt. Nicht zuletzt deshalb, treffen wir die größten Polemiker in der Politik an. Denn, wann immer es um die Sorgen und Nöte der Bevölkerung geht, gelten weitgehend die gleichen Fakten als Grundlage für Entscheidungen. Es ist ein wenig wie mit des Kaisers Bart, um den sinnlos gestritten wird. Eines der Resultate ist Zeitverschwendung bei der Lösungsfindung. Im Licht ihrer Worte sonnen sich die Redekünstler, argumentieren mit allgemein-meinungsfähigen Worthülsen, ohne sich wohlweislich auf die Details ihrer Lösungsansätze einzulassen. Diskreditieren ihre politischen Kontrahenten mit Zerrbildern von Fakten, während sie sich selbst für Umstände verantwortlich machen, die stark zum Nachteil derer gereichen, denen mit den vorgenannten Worthülsen werbend nach dem Munde geredet wird. Würden die Umworbenen über die Körpersprache und die eloquenten Satzbauten hinausblicken und auf einer detaillierten Beschreibung der angestrebten Lösungswege bestehen, würde das glorreiche Bildnis ihrer gewählten Vertreter wie eine Seifenblase zerplatzen.

Warum die Wahrheit wichtig ist

Tatsächlich treffen wir jeden Tag Entscheidung mit entsprechender Tragweite. Wenn wir Regierungen wählen, Menschen in unserer Umgebung einer Klassifizierung unterziehen, welche Haltung wir gegenüber der Natur und unserem Planeten einnehmen usw.. Was uns dabei weniger bewusst ist, welchen Quellen wir Glauben schenken, wie wir die an uns herangetragenen Informationen in unser Verständnis von Gesellschaft und Umwelt integrieren und inwieweit wir überhaupt in der Lage sind, manche Information richtig zu hinterfragen. Damit ist nicht gemeint, ob wir vielleicht zu dumm dafür sind – beileibe nein. Es würde den meisten von uns aber auch nicht einfallen, einem Raketeningenieur zu erklären, wie er seinen Job zu machen hat.

Genau deshalb ist es notwendig, dass wir lernen die Informationsflut auszublenden und uns selektiv jene Quellen heraussuchen, die wir zur Beurteilung brauchen. Hinterlegt mit einer guten Allgemeinbildung, die es gilt, ein Leben lang zu vertiefen, sind wir gegen viele Unwahrheiten gut gerüstet. Zu hinterfragen welcher Meinung wir uns anschließen wollen, ist somit kein reiner Willensakt mehr, sondern wird so zum Produkt der Vernunft.

Falsches mag bei näherer Betrachtung richtig erscheinen und umgekehrt – eine falsche Entscheidung bleibt trotzdem falsch!

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