Zwischen Wäsche, Wollust und Wartemodus

Regentag. Alleinerziehend. Wochenende mit Kind. Zeit, den aufgestauten Wäscheberg schmelzen zu lassen. Emotionen, die kontrovers zu denen des letzten Wochenendes erscheinen, als Kind bei seinem Papa war, und Frau Zeit hatte, die zweite Pubertät auszuleben, zehn Gin Tonic runterzuspülen, wollüstig sich einem ihrer „friends with benefits“ zu widmen, wilden Sex zu genießen, den sie die 14 Jahre in ihrer Beziehung nicht mal annähernd so intensiv erlebte. Wie aufregend.

Dieses Wochenende heißt es nun: back to reality. Kochen, putzen, Kind erziehen. Frau fühlt sich in zwei Welten lebend, die sich in ihrer Vorstellung nur schwer miteinander verbinden lassen. Dabei die Frage, welches Leben denn nun das sei, das sich Frau in 10 Jahren vorstellt. Getrieben von Gedankensprüngen zwischen verantwortungsvoller Mutter und verdorbener Schlampe.

Ein facettenreiches Leben sozusagen. Jahrelang gab es einen breiten Weg in die Zukunft, dann kam die große Weggabelung, die die Richtung wechseln ließ, nun ein Weg mit unendlich erscheinenden Abzweigungen, auf der Suche nach dem einen Weg zum Ziel. Aber was ist das Ziel? Das lässt sich wohl kaum konkret definieren. Schon gar nicht jetzt. Jetzt ist es Zeit zu (er)leben.

Frau bügelt die Wäsche, gedanklich noch bei den atemberaubenden Fesselspielchen des letzten Wochenendes, danach Puzzle bauen mit Kind, emotional bei der Sache, als würde Frau gerade ihr eigenes, zerstreutes Leben zu einem Ganzen zusammensetzen wollen.

Irgendwann dann die Erkenntnis: Alle halbwegs brauchbaren Männer in Frau’s Alter - entweder in Beziehung lebend, Workaholics oder gebrochen von letzten Beziehungen. Wie soll sich da bloß jemand finden lassen, um das hohe Alter nicht allein bestreiten zu müssen? Nahezu aussichtslos. Frustration kehrt ein.

Wartemodus – dann die Idee: Tinder, Lovoo und Co. helfen Frau auf der Suche nach dem perfekten Mann - gebildet, erfolgreich, gutaussehend. Die Auswahl ist groß, die eigenen Kriterien klar. Hunderte Anfragen, ein Chat dort, ein Küsschen da. Nun endlich! Nach gefühlten 1000 „Hi wie geht’s“, und 2000 „Wischern“ eine wirklich anregende Konversation, geprägt von philosophischen Gedanken, unendlich erscheinenden Gemeinsamkeiten und sexuellen Vorlieben. Ansprechende Fotos.  Das muss er sein. Es kommt zum Treffen. Dann der Schock. Der Mann, ein Barba“papa“, plötzlich verwandelt in ein Wesen, das Frau nur schwer ein Lächeln auf den Mund zaubern kann. Es kommt die Qual: zwei Stunden im Restaurant gute Miene zum bösen Spiel. Und nicht mal die Rechnung bezahlt der Herr in Schlabbershirt und schmutzigen Schuhen. Bloß schnell die Flucht ergreifen.

Zurück in der Realität. Kochen, putzen, Kind erziehen. Nächstes Wochenende wieder eine heiße Nacht mit einem „friend with benefit“, in den Frau sich in Wahrheit schon längst verliebt hat. Frau wird emotional, er will nur Sex. Frustration kehrt ein. Wartemodus…

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Bernhard Juranek

Bernhard Juranek bewertete diesen Eintrag 14.12.2015 23:17:08

Silvia Jelincic

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Herbert Erregger

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fischundfleisch

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