Während wir durch Krakau fuhren und scheinbar sämtliche wesentliche Plätze und Sehenswürdigkeiten zu Gesicht bekamen, war ich mit meinen Gedanken immer wieder beim alten jüdischen Friedhof, den ich mir unbedingt noch ansehen wollte. Ich sah alle paar Minuten auf die Uhr, schließlich wusste ich, dass der Friedhof zu einer bestimmten Zeit schloss. Ich hatte keine Ahnung, ob ich überhaupt die Gelegenheit haben würde, diesen Friedhof kennen zu lernen.

Der Kleinbus hielt also in Kazimierz. Dies ist jener Stadtteil, der einst weitgehend der jüdischen Bevölkerung von Krakau zugedacht war. Und genau in diesem Stadtteil befindet sich somit der alte jüdische Friedhof! Ich konnte es gar nicht abwarten, mich auf diesen Friedhof zu begeben. Doch zunächst suchten sich meine Lebensgefährtin, der Priester und zwei weitere Mitglieder der illustren Gesellschaft einen schönen Platz im Gastgarten eines jüdischen Restaurants, wo gerade eine Klezmer-Band aufspielte. Dessen ungeachtet verabschiedete ich mich kurzfristig und ging für eine gute Stunde meiner eigenen Wege.

Die Remuh Synagoge fand ich schnell. Es handelt sich um die einzige Synagoge in Krakau, in der nach wie vor Gottesdienste und jüdische Feste stattfinden.

Ich hielt mich - mein Kopf freilich mit einer Kippa bedeckt - ein Weilchen in dem beeindruckenden Gotteshaus auf, ehe ich den gleich daran anschließenden altjüdischen Friedhof ansteuerte. Die Zeit auf dem Friedhof genoss ich voll und ganz. Ich hatte fast nicht mehr daran geglaubt, ihn erkunden zu können und tat dies nun ausgiebig. Es werden dort keine Bestattungen mehr durchgeführt. Der Friedhof wurde im 16. Jahrhundert eröffnet. Auch die ältesten Gräber sind zum Teil beeindruckend gut erhalten. In der Friedhofsmauer sind Reste von Grabsteinen eingelassen. Für die Krakauer ist dies eine „Klagemauer“.

Gedenktafeln erinnern an jüdische Familien. Viele Familienmitglieder wurden im Holocaust von den Nazis ermordet.

Noch ganz beeindruckt von meiner Zeit auf dem altjüdischen Friedhof war ich dann wieder Teil der illustren Runde. Die Klezmer-Band musizierte nach wie vor, worüber ich mich sehr freute. Während des feinen Essens konnten wir die Musik weiter genießen. Meine Lebensgefährtin und ich haben uns auf der Heimreise nach Wien eine knappe Woche später das Album von Inejnemmit Vergnügen angehört.

Es lässt sich nur schwer in Worte fassen, wie wunderschön dieser Tag in Krakau gewesen ist. Jedenfalls kehren wir gerne wieder in diese herrliche Stadt zurück und bleiben dann etwas länger. Am Ende des Jahres an diese Stunden zurück zu denken tut gut.

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fischundfleisch

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