31 Tage Glück: Beobachten ohne zu bewerten

Eine der Grundhaltungen in der Achtsamkeitspraxis ist „beobachten ohne zu bewerten“. Unser Gehirn hat nämlich eine Schwäche. Es liebt zu vergleichen! Wenn Sie sich heute ein neues Kleid oder ein neues Auto kaufen, haben Sie solange Freude daran, bis sich Ihr Nachbar auch mit einem neuen und noch stärkeren Auto daneben einparkt oder Ihre Kollegin mit einem teureren neuen Kleid kommt.

Als Scheidungsmediatorin erlebe ich jeden Tag, von wieviel „Fassade“ wir umgeben sind. Ich muss einen tollen Urlaub machen (und mir dafür einen Kredit nehmen oder das Konto gewaltig überziehen), damit ich am Arbeitsplatz davon erzählen kann. Ich brauche ein neues Auto, weil meine Kumpels auch alle ein neues haben. Meine Kinder müssen ins Ballett und die Englischgruppe gehen und ein Instrument lernen, weil die anderen Kinder das auch tun.

Wir finden diese Unzufriedenheit durch Vergleichen schon in der Bibel im Gleichnis vom Weinberg. Der Besitzer macht sich mit jedem Arbeiter einen Lohn aus, zu dem er für ihn arbeiten soll. Jeder ist mit dem Lohn einverstanden. Bis… ja, bis er herausfindet, dass Männer, die später zu arbeiten begonnen haben, denselben Lohn bekommen.

Wissen Sie welche Frage die meisten Eltern ihren Schützlingen stellen, wenn sie mit einer schlechten Note auf die Schularbeit nach Hause kommen? „Was haben die anderen?“ Wenn die beste Freundin oder einige andere auch eine schlechte Note haben, ist es halb so schlimm. ;)

Wissen Sie, wann Ergebnisse einer Scheidungsmediation wieder ins Wanken geraten? Wenn eine Seite draufkommt, dass die andere wieder einen neuen Partner, eine neue Partnerin hat! Dann wird sofort verglichen und 1.000 Ängste kommen hoch, dass die Kinder jetzt sicher lieber beim anderen leben wollen, denn dort haben sie ja „eine heile Familie“. Es macht mich immer wieder betroffen, wie wenig Vertrauen Eltern in ihre Gene und die Liebe ihrer Kinder haben. (Doch dazu ein anderes Mal mehr.)

Ist es das wert?

Wenn Sie sich in den nächsten Tagen ärgern, frustriert sind, Sorgen machen, dann klären Sie zuerst einmal für sich: liegt es daran, weil ich vergleiche? (Vielleicht bekommt der Kollege heuer eine Gehaltserhöhung und Sie nicht? Vielleicht schnappt Ihnen jemand im Elektrogeschäft den letzten Rasierapparat weg? ) Dann fragen Sie sich: Würde ich mich auch ärgern, wenn es die andere Seite nicht gäbe (oder ich es nicht wüsste)?  Und zuletzt fragen Sie sich: Ist es das wert?

Und zum Schluss fürs Wochenende noch eine Achtsamkeitsübung: die 1-Minuten-Meditation:

Setzen Sie sich mit geradem Rücken auf Ihren Stuhl hin, die Füße flach auf dem Boden, die Augen vor sich auf den Boden (oder Tisch) gerichtet.

Konzentrieren Sie sich auf Ihren Atem. Wie er ein- und ausströmt. Sie sollen nichts verändern. Sie beobachten einfach Ihren Atem. Ein und aus.

Es kann sein, dass nach einer Weile Ihre Gedanken abschweifen – muss ich am Heimweg noch etwas einkaufen? Habe ich das Email an die Kollegin schon abgeschickt? Hoffentlich vergisst mein Mann nicht die Sachen aus der Reinigung zu holen! Registrieren Sie, dass gerade dieser Gedanke da ist und lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit wieder auf Ihren Atem zurück.

Sie atmen ein und aus und ein und aus. Wenn Ihr Geist wieder zu wandern beginnt, nehmen Sie es zur Kenntnis und bringen sich wieder zu Ihrem Atem zurück.

Nach einer Minute kommen Sie wieder mit Ihrer Aufmerksamkeit in den Raum zurück. (Bei mir sind es so ca. 10 Atemzüge, sie können sich dazu auch eine Uhr stellen oder einfach probieren wie lange Ihnen diese Übung Freude macht)

Auf diese Weise erkennen Sie, dass Sie nicht Ihre Gedanken sind. Sie können sich quasi selbst beim Denken zusehen und so Abstand zu Ihren Gedanken bekommen.

Bei jedem negativen Gedanken in nächster Zeit, können Sie Ihre Aufmerksamkeit ganz bewusst zuerst auf Ihren Atem und dann auf etwas anderes, Erfreulicheres lenken.

Ihr Atem ist dabei immer Ihr Anker. Unseren Atem haben wir immer dabei. Mit dem ersten Atemzug kommen wir auf die Welt, sie wissen schon, der erste Schrei den ein Baby machen muss, damit sich seine Lungen mit Luft füllen, und mit dem letzten Atemzug hauchen wir unser Leben aus.

Sie müssen nirgends extra hingehen, nichts anderes anziehen, kein Gerät kaufen. Sie können beim Einkaufen gehen, beim Warten auf den Bus oder beim Stehen oder Sitzen in der U-Bahn Ihren Geist trainieren, indem Sie Ihren Atem beobachten und sich zusehen wie Gedanken kommen und auch wieder gehen. So bekommen Sie immer mehr Kontrolle über Ihren Geist und können Ihn mit der Zeit bewusst in angenehme Bahnen lenken, anstatt sich von Sorgen, Ängsten und Kummer in eine Depression ziehen zu lassen.

Ich wünsche Ihnen einen langen Atem!

"Achtsames Atmen unterbricht den Strom unserer negativen Gedanken."

Info: Susanne Strobach ist Unternehmensberaterin und hilft Menschen dabei, ihren Weg selbstbestimmt zu meistern. Ihr usp in ihren Seminaren und Coachings ist die Verbindung von Neurowissenschaften und Achtsamkeit. Diesen Dezember hat sie sich vorgenommen, täglich einen Blog über Glück, Erfolg bzw. achtsames Leben auf fischundfleisch zu schreiben.

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