Sabine ist schuld – endlich haben wir die Bösewicht*in gefunden

Deutschland hat ein Problem.

Die Wirtschaft schwächelt.

Die Stimmung ist mies.

Alles wird teurer.

Aber zum Glück gibt es jemanden, der den Durchblick hat. Einen Mann, der mit scharfem Blick erkannt hat, woran es wirklich liegt.

Nicht an globalen Krisen.

Nicht an Energiepreisen.

Nicht an geopolitischen Spannungen.

Nicht an jahrelangen politischen Versäumnissen.

Nein.

Es ist Sabine.

Sabine arbeitet 28 Stunden die Woche.

Die neue Volkskrankheit: Zu wenig malochen

Früher dachte ich ja naiv, Menschen arbeiten Teilzeit, weil sie:

• Kinder haben

• Angehörige pflegen

• gesundheitlich am Limit sind

• körperlich kaputt sind

• oder einfach nicht komplett ausbrennen wollen

Aber wie töricht von mir.

Jetzt weiß ich:

Sie sabotieren die Volkswirtschaft.

Organisiert. Heimlich. Wahrscheinlich in WhatsApp-Gruppen.

„Gruppe: Teilzeit-Terror 2026“

Ziel: Deutschland langsam in die Knie zwingen, indem man frech um 15 Uhr Feierabend macht.

Erst die Migranten, jetzt die Mütter – die Suche nach dem perfekten Sündenbock

Es ist fast schon rührend, wie konsequent die Schuldfrage gelöst wird.

Phase 1:

„Die Migranten zahlen nichts ein und plündern das System.“

Phase 2:

„Die Frauen arbeiten zu viel Teilzeit.“

Phase 3 (vermutlich in Vorbereitung):

„Pflegekräfte sind einfach nicht belastbar genug.“

Sorry auch, liebe Pflegerin, die seit 12 Stunden im Dienst ist, drei Rückenwirbel auf Verschleiß hat und nachts von Pieptönen träumt – reiß dich zusammen, die Konjunktur braucht dich.

Hausfrauen, aktiviert die Notreserven!

Ich warte ja nur auf die nächste wirtschaftspolitische Großoffensive:

„Nachdem Sie die Kinder versorgt, die Wäsche gemacht, gekocht, geputzt, organisiert, getröstet, geplant und den kompletten Familienalltag gemanagt haben –

könnten Sie dann nicht noch 4–5 Stunden Erwerbsarbeit dranhängen? Für den Standort Deutschland.“

Schlaf ist schließlich was für Länder mit schwacher Leistungsbereitschaft.

Der 59-jährige Maurer als Konjunkturmotor

Oder der Handwerker.

Bandscheibe: offiziell im Ruhestand.

Knie: knirschen wie Kieselsteine im Mixer.

Schulter: nur noch Dekoration.

Aber klar:

Ein bisschen mehr Einsatz fürs Bruttoinlandsprodukt wird ja wohl noch drin sein.

Vielleicht einfach weniger Schmerzen haben.

Schon mal darüber nachgedacht?

Das Geniale an dieser Logik

Sie ist politisch unglaublich praktisch.

Wenn Teilzeit schuld ist, dann:

• muss man nicht über schlechte Arbeitsbedingungen reden

• nicht über fehlende Kinderbetreuung

• nicht über Pflegekrise

• nicht über Burnout

• nicht über Löhne

• nicht über Produktivität pro Stunde

Man muss nur sagen:

„Ihr arbeitet falsch.“

Fertig ist die Wirtschaftsanalyse.

Was für ein Kanzlerbild ist das eigentlich?

Ich brauche keinen Kanzler, der mir erklärt:

„Du bist das Problem.“

Weil ich nicht 50 Stunden schaffe.

Weil ich Familie habe.

Weil mein Körper irgendwann sagt: Ende Gelände.

Weil ich nicht als Verschleißteil auf zwei Beinen leben will.

Das ist keine Führung.

Das ist Fingerzeigen mit Krawatte.

Und bevor jetzt wieder einer kommt…

Nein, das ist kein „Dann halt AfD“-Text.

Die machen gar nichts besser.

Die machen vieles schlimmer. Laut, chaotisch und mit ideologischer Abrissbirne.

Aber nur weil die Alternative schlecht ist, wird die Diagnose nicht besser, wenn sie lautet:

„Die Bevölkerung arbeitet einfach nicht richtig.“

Vielleicht – nur ganz verrückt gedacht – liegt es nicht an den Leuten

Vielleicht liegt es nicht an der Mutter in Teilzeit.

Nicht an der Pflegerin am Limit.

Nicht am kaputten Rücken vom Bau.

Vielleicht liegt es an einem System, das Menschen auspresst wie Zitronen und sich dann wundert, dass kein Saft mehr kommt.

Aber klar.

Viel einfacher ist:

Sabine war’s.

Mit ihrer 28-Stunden-Woche.

Im Büro.

Mit Vorsatz.

Sabine! Also echt, jetzt reiß Dich mal zusammen… fürs Vaterland!

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