Was mir alles durch den Kopf geht

In letzter Zeit hatte ich so viel Arbeit, dass ich gar nicht viele Ressourcen hatte mir Gedanken über alles zu machen was gerade oder besser gesagt noch immer in Österreich, in Europa und der Welt vorgeht. Doch diese Tage war ich bei einer Geburtstagsfeier eingeladen, und ich habe wirklich überlegt ob ich gehen sollte oder nicht – die viele Arbeit und die Grippe hatten mich fest im Griff. Aber da man ja sonst gar nicht mehr raus kommt bin ich dann kurz entschlossen los und habe mit einer Freundin ihren 30sten Geburtstag gefeiert. Und seither geht mir ganz schön viel durch den Kopf...

Es war eine illustre Runde, Menschen die ich nicht kannte, aus Stadt und Land. Ich muss dazu sagen, dass ich momentan in einer Gemeinde arbeite wo, wollen wir es nett ausdrücken, in der Zwischensaison nicht gerade der Bär steppt. Und es ließ sich nun einmal nicht verhindern, so wie momentan wahrscheinlich an jedem Tisch an dem mehr als nur ein Mensch sitzt, die aktuelle Flüchtlingskrise kam zum Gespräch. Nun war ich immer recht gut informiert, vor allem als das alles so richtig los ging, hab mich erkundigt und recherchiert – und was am wichtigsten war, für mich persönlich, ich habe dagegengehalten. Habe nur ganz selten aufgegeben denn (so habe ich es mal auf Facebook gelesen) mit einem Dummen zu diskutieren ist wie mit einer Taube Schach zu spielen. Egal wie gut du Schach spielst, die Taube wird alle Figuren umwerfen, auf das Brett kacken und herumstolzieren als hätte sie gewonnen. Zwischendurch hat mich dann der Mut mal verlassen, wollte nichts mehr hören oder sehen von diesem ganzen Thema. Doch die Community hier hat mich Hoffnung schöpfen lassen. Und dann ganz Österreich, die ganze Hilfe alles was so passiert ist hat mir neue Zuversicht gegeben.

Doch dann höre ich Kommentare von Leuten die gebildet sind (so scheint es), dass mir die Spucke wegbleibt. Leute die alles haben. Die das ganze Flüchtlingsthema nur vorgekaut aus den Medien mitbekommen und alles glauben was ihnen vorgesetzt wird. Und ich konnte nichts erwidern. Ich ertappte mich selbst dabei, wie ich Sprüche wie „dei san olle undaunkbor“ „denan wird ois gschenkt und unsaana muass oawatn für sei göd“ oder „i hob aungst um meine Kinder“ einfach im Raum stehen ließ, nichts dazu sagte und nur hoffte, dass sich das Gesprächsthema bald ändert.

Und erst da ist mir aufgefallen, dass ich immer wieder mit Menschen in meinem Alter, also so zwischen 20 und 30, zusammensitze und mich in den letzten Wochen zurückziehe sobald das Thema zur Sprache kommt. Und dabei ist das so gar nicht meine Art! Ich gebe immer zu allem meinen Senf dazu und inzwischen sollten auch alle meine Freunde wissen, dass nur meine Meinung die einzig richtige ist. Ich rede da mit Leuten, die teilweise so eine andere Art der Lebenseinstellung haben, dass sie für mich wie von einem anderen Planeten sind. Menschen die Angst haben vor allem was neu ist, vor allem was sie nicht kennen. Menschen die den Dingen nicht auf den Grund gehen. Nicht wissen wollen wieso etwas so ist wie es nunmal ist, sondern sich nur fragen wie sich ihr Leben durch die neue Situation verschlechtern könnte. Menschen die nicht reisen,die in ihrem Leben noch kein einziges Buch geschweigedenn Nachrichten gelesen haben. Die alles Vorgekaute einfach glauben und nichts hinterfragen. Menschen die eine Lebenseinstellung und eine Weltanschauung haben wie sie mein Großvater hatte, nicht der der selbst als Flüchtling kam, sondern der andere, der die Gegenseite unterstützt hat. Und das sind bei weitem keine Dummen. Sie sind nur komplett anders gestrickt.

Aber woher kommt das? Woher kommt eine solche Ablehnung gegen alles?Wie kann ein gut situierter Mitteleuropäer Angst haben, dass ihm ein Flüchtling aus Syrien etwas wegnimmt? Ich/Wir sind in der glücklichsten aller Situationen – Bildung ist für alle, wir können alles erreichen wenn wir nur wirklich wollen, wir haben die Freiheit alles auszuprobieren und die Möglichkeit uns die Welt in all ihren Facetten anzusehen. Und da soll mein einziges Ziel sein anderen etwas zu verweigern von dem ich genug habe? Und da geht es nicht nur um die Flüchtlinge momentan. Ich spende seit ich 18 bin für Greenpeace (weil, ich gebe es zu, ich lange der Ansicht war das man zuerst der Natur helfen sollte, bevor man der Menschheit hilft), gehe regelmäßig Blutspenden (das letzte Mal im Urlaub in Neapel), kaufe das Megaphon und heuer hab ich bei DM für Flüchtlinge gespendet und bei der Caritas alte Klamotten vorbeigebracht und Freunde von mir und ich machen bei der tollen Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ mit. Wenn ich darüber spreche kommen verschiedene Kommentare dazu, aber immer wieder höre ich diesen „und du glaubst du machst dadurch die Welt besser“ - Ähm ja, ehrlich gesagt fühle ich mich gut dadurch, weil ich kurz in dem Glauben bin, dass ich etwas bewirken kann. Wahrscheinlich ist es heuchlerisch und blauäugig aber ich mache es und auf jeden Fall schade ich (hoffentlich) niemanden damit.

Und noch immer denke ich darüber nach wie es wäre einer von ihnen zu sein. Gleichgültig gegenüber jeden und alles. Nur mein unmittelbares Umfeld ist mir wichtig und wie ich dabei aussteige. Mich für nichts wirklich interessieren. Dass in meinen Gedanken Platz wäre für „die wollen mir was wegnehmen“ oder „ich habe Angst um meine Kinder“. Wie es wäre Angst vor anderen Leuten zu haben. Als ich das letzte Mal mit einem Zug der in Richtung Salzburg gefahren ist gesessen bin, saßen da auch viele Flüchtlinge im offenen Abteil, die meisten männlich, die meisten müde und überhaupt nicht bedrohlich. Ich bin zuggefahren wie immer. Ich bin da gesessen und habe gestrickt und ein kleiner Bub hat mir fasziniert dabei zugesehen. Ich bin noch lange nicht bereit für Kinder, aber ich habe eher Angst davor, dass sie mit einem ewig gestrigen Gedankengut aufwachsen als das sie mit offenen Armen jedem helfen, der es nötig hat.

Und auch wenn mich der Wahlausgang in Oberösterreich etwas unmutig stimmt (aber schauen wir mal…) bin ich über jede positive Meldung in den Nachrichten froh und werde ermutigt meinen Mund wieder öfter aufzumachen. Ich bin stolz in einem Land zu leben in dem für viele Menschlichkeit eine hohe Priorität hat. Und ich bin unglaublich dankbar für alle Helfer an den Knotenpunkten sowie für die ganzen Engagierten in allen Gemeinden in Österreich. Ich glaube keiner hat eine pauschale Lösung für die Rettung der Welt aber freundlich und offen zu sein ist sicher kein Fehler.

When you have more than you need, build a longer table not a higher fence.

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fischundfleisch

fischundfleisch bewertete diesen Eintrag 14.12.2015 23:17:14

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